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Interview

Interview // Heike Fröhling

Vor einiger Zeit habe ich mich für ein Leseexemplar bei der Leserunde mit Heike Fröhling bei den buchgesichtern beworben. Leider hatte ich kein Glück…oder doch, denn ein Glücklicher hat sich nicht gemeldet und ich erhielt das Buch doch noch nachträglich. Leider war die Leserunde schon vorbei und da das Buch bei mir so gut ankam, fand ich es schade, dass die Fragen an die Autorin und die Leserunde bei den Buchgesichtern nur für angemeldete Nutzer lesbar waren.
© Sonja Kochmann

 

Die Autorin Heike Fröhling hat sich netterweise daher für ein Bloginterview zur Verfügung gestellt:
Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht?
Eine bestimmte Person gab es nicht. Das
Schreiben und das Geschichtenausdenken war schon immer Teil meines Lebens. Die
Geschichten sind da, wenn ich Dinge lese (meistens in der Zeitung oder
Fachbücher) oder Menschen beobachte und mich frage: Was wäre, wenn …
Diese Überlegungen sind flüchtig, manche
nehmen Kontur an und entwickeln sich weiter. Einen Teil davon schreibe ich auf
und einen noch kleineren Teil arbeite ich aus.
© Heike Fröhling
Woher kam die Idee für das Buch? Und wie
viel Karin steckt in Ihnen?
Die Grundidee ist zusammen mit meinem
Agenten entstanden, auch habe ich über die Planung mit Kolleginnen gesprochen.
So ist diese Idee vor allem in gemeinsamen Gesprächen entstanden.
Ich habe den Zeitschriftenartikel in
Wirklichkeit gelesen, den Karin anfangs versucht, in einer Stresssituation
anzuwenden 😉 und mein Sohn hat einen Teddy, der auseinanderfällt. Es ist schwer,
Ähnlichkeiten zu finden, da ich die Personen nie an mich anlehne. Mein
Schreiben wäre zu langweilig, um es in einem Roman zu verarbeiten, denn ich
setze mich hin und schreibe meine vorher vorgenommene Seitenanzahl. Im
Gegensatz zu Karin würde sich mein Leben nicht für einen Roman eignen 😉
Warum spielt das Buch gerade auf Borkum? Es
könnte doch auch jede andere Insel sein.
Angedacht war von Anfang an eine
Nordseeinsel und da ich den letzten Sommer in Borkum verbracht habe, war es für
mich leicht, dort zu recherchieren, mir vorzustellen, was die Romanfigur getan
hätte, wo sie hingegangen wäre. Auch mag ich Borkum besonders gern durch die
Konzentration auf Meer und Strand dort, es ist eine Insel ohne „Schnickschnack“.
© Heike Fröhling
Wie lange dauerte das Schreiben?
Zweieinhalb Monate.
Wie schreiben Sie?
Ich bin ein Gewohnheitsmensch, liebe feste
Tagesabläufe, so beginne ich meistens bevor der Rest der Familie aufwacht mit
meiner Arbeit – der Wecker klingelt und ich fange an. Eine besondere
Einstimmung oder Atmosphäre brauche ich nicht. Meine Großmutter fragt mich oft:
Woher nimmst du nur all die Ideen? Sie sind einfach da und das ist ein
Riesenglück!
Sie haben Schulmusik, Germanistik und
Musikwissenschaft studiert. Wollten Sie schon immer Autor/in werden?
Ja, seit ich acht Jahre alt war. Das Problem
ist nur, dass Autor wie Komponist kein festgelegter Beruf ist, wo man einen
bestimmten Studiengang wählt und dann Autor ist. Es spielt neben der Begabung
und der Übung auch ein Stück weit Glück mit hinein und da ich Realistin bin,
dachte ich mir: Eine Ausbildung, mit der man definitiv Geld verdienen kann, ist
nie schlecht.
Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?
Jodi Picoult. Ich liebe besonders ihre
Bilder, wie sie es schafft, in wenigen Sätzen ein Bild vor dem inneren Auge
auftauchen zu lassen.
Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Das ist schwer zu sagen. Ein konkretes
Lieblingsbuch habe ich nicht, aber doch einige, die ich gerne ein zweites Mal
lese.
Haben Sie neben dem Schreiben noch Hobbys?
Die Musik, das Musizieren und am meisten das
Nähen. Bei meiner Körpergröße findet sich nur sehr schwer Passendes in den
Geschäften oder ich gehe in die Herrenabteilung 😉 Inzwischen besitze ich vier
Nähmaschinen und 90% der Kleidung in meinem Schrank ist selbstgemacht. Das
Schreiben ist immer ein längerer Prozess und beim Nähen habe ich nach kurzer
Zeit das Ergebnis in den Händen, das ist das Beste daran.
© Heike Fröhling
Was lesen Sie gerade?
Das Dorf der Mörder von Elisabeth Hermann.
Sie haben ein Handyromanportal gestartet.
Wie funktioniert das?
Ich habe viel mit der Technik herumprobiert
und mich dann entschieden, die E-Book-Formatierung zu wählen, weil diese durch
die Leseapps von Amazon oder den Bluefire Reader zum Beispiel sehr komfortabel
auf jedem Smartphone zu lesen sind mit veränderter Hintergrundfarbe,
angepasster Schriftgröße. So funktionieren die Handyromane wie ein E-Book, nur
ist die Satz- und Kapitellänge auf die kleineren Displays abgestimmt.
Man installiert somit eine Reader-App und
lädt den Handyroman aufs Smartphone.
Wie stehen Sie zum Ebook?
Ich persönlich schätze als Vielleserin das
E-Book wegen der Unkompliziertheit, viele Bücher zu transportieren und immer
dabei zu haben. Zehn ungelesene Bücher ohne großen Platzbedarf in einer
Handtasche unterzubringen, das finde ich luxuriös. Gleichzeitig sehe ich die
aktuelle Technik bei dem DRM-Schutz als noch nicht wirklich ausgereift,
empfinde die verschiedenen Formate als Hemmschuh. Warum kann man nicht in jedem
Shop ein Buch kaufen und das auch auf jedem Reader lesen? Dass man für eine Leselizenz
fast so viel zahlt wie für ein Taschenbuch, obwohl es keine Option gibt, das
Buch zu verleihen und es oft nicht beliebig häufig heruntergeladen werden kann,
das ist genauso ein Punkt, mit dem ich hadere.
Wie lange dauerte es, bis Sie einen Verlag
für Ihr Buch gefunden haben?
Genau 15 Tage. Aber das ist nicht
repräsentativ, da dieses Konzept genau für diese Reihe geplant war. Als Autor
kann man nicht davon ausgehen, eine Idee aufzuschreiben und zwei Wochen später
einen positiven Bescheid zu bekommen 😉
Wie stehen Sie zu Buchreihen? Sind Sie davon
begeistert, oder mögen Sie lieber Einzelbücher? Können Sie sich vorstellen eine
Fortsetzung von Inselsommer zu schreiben?
Eine Fortsetzung von Inselsommer ist nicht
geplant. Aktuell bin ich mit ganz anderen Projekten beschäftigt, habe zwei
Sagas geplant und arbeite aktuell an einem Familienroman.
© Heike Fröhling
Wollen Sie zukünftig auch in verschiedenen
Genres Bücher schreiben?
Auf jeden Fall! Mein Leben ist so lang, da
will ich mich nicht endgültig und ausschließlich festlesen bei all den
Optionen, die es gibt.
Sie arbeiten auch als Musiklehrerin. Wie
verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen?
Ich wache um halb sechs auf, beginne zu
schreiben. Dafür ist der Vormittag reserviert.
Mittags gönne ich mir immer eine Pause und
am Nachmittag unterrichte ich, kümmere mich anschließend um meine Kinder.
Wenn dann um halb zehn oder zehn Ruhe im
Haus einkehrt, bin ich auch wirklich müde 😉
Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal
treffen? Welche Frage würden Sie stellen?
Da stehen verschiedene Autoren zur Auswahl
… und die frage ich aktuell am liebsten: Hast du Lust und Zeit, meine neue
Saga im Tausch gegenzulesen? 😉
Vielen Dank und wir sind gespannt auf neue Werke.
Interview

Interview // Olga A. Krouk

Copyright: Henriette Mielke, Style/Design: Svitlana Cherner
Schon lange kämpft an der Bücherfront Olga A. Krouk auf der Seite der deutschsprachigen Autoren und Sie ist nicht mehr weg zu denken. Wer an verschiedenen Stellen der Buchhandlung auf diesen Namen stößt, muss sich nicht wundern, denn sowohl im Genre Fantasy und Romantic Thrill (z.B. Im Visier des Todes) hat sich die Autorin niedergelassen. Ich habe nachgefragt:

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht? Wollten Sie schon immer Autor/in werden?

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in der dritten Klasse Märchen für meine Mitschüler geschrieben habe. Mit 15 konnten meine Ambitionen durch nichts gebremst werden, auch nicht durch das gemeine Gekritzel „doofe Story, alles total blöd“ hinten im Heft mit den Geschichten. Völlig überzeugt von meinen Talenten, habe ich mit meinem Bruder eine Wette abgeschlossen: Wenn ich bis zu meinem 50. Lebensjahr 5 Bücher veröffentliche, zahlt er mir 50.000 Rubel.

Heute sind die Geschichten besser geworden, das Feuer brennt jedoch genauso stark wie damals.

Wie schreiben Sie? Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen?

Mein Alltag wird von zwei kleinen Monstern beherrscht, die ich noch mehr liebe als meine Geschichten. Geschrieben wird abends, wenn Ruhe einkehrt und ich in den Roman versinken kann, wo mir dann ganz andere Monster diktieren, wo es lang geht 🙂

In der Freizeit wird gelesen oder mit meinem Mann gekuschelt – manchmal kommen so die besten Ideen, wenn man sie nicht erwartet oder erzwingt.

Deutsch ist nicht Ihre Muttersprache. Wenn Sie eine Geschichte/Szene im Sinn haben, denken Sie da deutsch oder russisch?

Jede Übersetzung, auch wenn sie von einem selbst angefertigt ist, würde den Ton der Geschichte verfälschen. Deshalb schreibe ich deutsch. Auf Russisch könnte ich vermutlich keinen verlagstauglichen Roman verfassen, da müsste ich mit dem Lernen des Schreibhandwerks von vorne beginnen.

Ich weiß nicht, ob ich mir die Übersetzung meiner Bücher ins Russische wünschen oder eher hoffen sollte, dass dies nie passiert. Grusel-Szenario: Man merkt, wie die eigene Geschichte einen völlig fremden Ton bekommt.

Sie kommen in vielen Danksagungen deutscher Autoren vor. Mit welchen Autoren tauschen Sie sich regelmäßig aus?

Das sind sehr viele, weil ich Mitglied im Autorenforum „Montségur“ bin. Einige sind nicht nur Kollegen, sondern inzwischen gute Freunde geworden. Diesen Austausch möchte ich nicht mehr missen, denn er bereichert mich ungemein. Regelmäßigen Kontakt pflege ich unter anderem mit Stefanie Ross, Claudia Brendler, Sabrina Qunaj, Barbara Slawig, Jeanine Krock – die Liste könnte jetzt ziemlich lang werden …
Man findet Ihre Bücher im Sortiment verschiedener Verlage und auch mit verschiedenen Genres (Fantasy, Thriller). Wollen Sie zukünftig auch in verschiedenen Genres Bücher schreiben?

Ich mag es, Neues auszuprobieren, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Wenn sich mir eine Gelegenheit bietet, über den Tellerrand zu schauen, – warum nicht?

Mit den nächsten Romanen kehre ich wieder ins fantastische Genre zurück. 2014 wird im Verlag Lübbe-Baumhaus ein Romantasy-Jugendbuch von mir erscheinen. Es geht um ein Mädchen, das in den Schatten anderer Menschen die Zukunft lesen kann. Bis sie einen Jungen trifft, der gar keinen Schatten hat …

Voraussichtlich im selben Jahr kommt ein Kurzroman mit meiner Interpretation von „Dornröschen“ bei Ubooks heraus. Es bleibt also spannend, wohin es mich noch verschlagen wird 🙂

Wie stehen Sie zu Buchreihen? Sind Sie davon begeistert, oder mögen Sie lieber Einzelbücher?

Schreibenderweise würde ich über eine Trilogie vermutlich nicht herauskommen, sollten die Bücher „am Stück“ geschrieben werden. Bis jetzt habe ich in meinen Reihen in jedem Band ein anderes „Pärchen“ genommen – ich brauche Abwechslung, auch was das Setting angeht. Außerdem mag ich es, wenn Romane dicht miteinander verflochten sind. Es ist schwer, einen band-übergreifenden Spannungsbogen aufrecht zu halten, wenn er über eine große, vorher vielleicht nicht festgelegte Anzahl von Bändern geht.

Lesenderweise werde ich schnell „reihen-müde“. Ich glaube, „Stadt der Finsternis“ von Ilona Andrews ist bis jetzt die einzige Reihe, bei der ich auch nach dem fünften Band drangeblieben bin.

© Sonja Kochmann
Wie lange dauerte es, bis Sie einen Verlag für Ihr Buch gefunden haben?Wo sollte die Zählung beginnen? 🙂

Wenn ich das Schreiben meiner ersten Geschichten berücksichtige … 17 Jahre.

„Ernsthaft“ schreiben zu lernen, begann ich 2001, als ich nach Deutschland gekommen bin. Das wären dann die übersichtlichen 6 Jahre bis zur ersten Romanveröffentlichung.

Ganz cool könnte ich auch antworten: gar nicht. Im Forum „Montségur“ habe ich meine Verlegerin Martina Campbell kennengelernt. Sie hat damals gerade ihren „Sieben-Verlag“ gegründet und suchte nach Autoren, mit denen sie starten könnte. Ich habe ihr mein Konzept vorgestellt und die Idee gefiel ihr auf Anhieb … So kam es dazu, dass ich mich zum ersten Mal getraut habe, mich Autorin zu nennen.

Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Es gibt viele wunderbare Schriftsteller, die in ihrem Gebiet absolut spitze sind. Ich könnte Ilona Andrews nicht mit Lisa-Marie Dickreiter vergleichen. Sie widmen sich unterschiedlichen Themen, haben einen unterschiedlichen Stil und legen ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Bei mir ist es eher so, dass ich in jedem Genre meine „Lieblinge“ habe:

Chick-Lit: Claudia Brendler – sie ist bis jetzt die Einzige, die mich wirklich zum Lachen bringt;

Fantasy: Jennifer Benkau – bei ihr kann es auch um Vampire gehen, ich werde es lesen;

Historisches: Martina Sahler – nach „Weiße Nächte, weites Land“ kann ich kaum erwarten, einen neuen Roman aus ihrer Feder zu lesen. Übrigens, auch in Sachen „Mädchenunterhaltung“ steht sie bei mir auf Platz 1;

Anspruchsvolle Literatur: Lisa-Marie Dickreiter, für ihre sprachliche Virtuosität, und Heiko Wolz – ich hoffe, er macht irgendwann wieder einmal etwas skurriles für Erwachsene;

Romantic Thrill – da ist Stefanie Ross für mich die absolute Queen (Pst! Ich glaube, sie schreibt ihre Bücher absichtlich direkt für mich, sonst kann ich mir nicht erklären, warum sie alles erhalten, was ich so liebe!);

Jugendbuch: Thomas Finn, für seinen Ideenreichtum und seine „leichte Feder“, für Drachen, Däumlinge, Klabautermänner und, und, und …;

Krimi: Åsa Larsson, für die unglaubliche Tiefe, mit der sie ihre Geschichten erzählt;

Klassik: Lev Tolstoi, für seine durch und durch russische Seele, mit der er seine Bücher geschrieben hat;

… okay, okay, vermutlich sollte ich langsam auf den Punkt kommen, und hier ist er: .

Was ist Ihr Lieblingsbuch?Genauso wie ich viele Lieblingsschriftsteller habe, habe ich sehr viele Lieblingsbücher. Ich mochte „Seide“ von Alessandro Baricco sehr gern. So gern, dass ich mich nicht traue, noch etwas von ihm zu lesen, weil ich glaube, ich würde unweigerlich enttäuscht werden. Ich war hin und weg von „Magisches Blut“ von Ilona Andrews; „Vom Atmen unter Wasser“ von Lisa-Marie Dickreiter hat mich nachhaltig bewegt und mir den Zugang zu einer völlig neuen Welt von Büchern geöffnet; „Erebos“ von Ursula Poznanski – spannend, spannend, da braucht man nicht viel mehr dazu zu sagen; „Die Auswahl“ von Ally Condie – umso ernüchternder war die Bruchlandung mit „Die Flucht“; „Eine Liebe fürs ganze Leben“ von Viktorija Tokarjewa für die Klarheit, mit der sie diese Geschichte erzählt hat; „Die Zeit der Gespenster“ von Jodi Picoult für ihren Mut, so eine Geschichte so zu erzählen, und so weiter und so fort … man könnte glauben, mir wären die Punkte ausgegangen 🙂

Haben Sie neben dem Schreiben noch Hobbys?Da ich mein größtes Hobby – das Schreiben – zu meinem Beruf gemacht habe, bleibt da nicht viel übrig. Ich glaube, ich muss jetzt etwas total banales nennen: Lesen.

Was lesen Sie gerade?

Gerade genieße ich in der Sonne auf unserem Rasen „Enders“ von Lissa Price.

Copyright: Krouk
Wie stehen Sie zum Ebook?In der Welt der Selfpublisher ist es schwer, qualitative Bücher zu finden. Nicht alle können sich ein professionelles Lektorat leisten, und das merkt man den Texten deutlich an.

Ebooks von etablierten Verlagen finde ich schlichtweg überteuert. Wenn ich für ein Ebook fast genauso viel wie für ein Taschenbuch zahlen soll, dann entscheide ich mich doch lieber für ein Taschenbuch.

Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal treffen? Welche Frage würden Sie stellen?

Oh, im Juni muss ich unbedingt wieder einmal Stefanie Ross treffen. Ich würde sie zu einem Grillabend einladen, sie betrunken machen, und während sie unzurechnungsfähig ist, würde ich ihr die Printausgabe von „Luc – Fesseln der Vergangenheit“ klauen.

Auf keinen Fall darf ich mit ihr darüber sprechen, wie gut ich den Roman als Ebook fand und wie gerne ich ihn in der Printform neben seinem kleinen Bruder „Jay“ stellen würde. Das Thema „Wetter“ dagegen könnte ihre Aufmerksamkeit so weit einlullen, dass mein Coup tatsächlich gelingen könnte …

Vielen Dank für das Interview.

Interview

Interview // Ursula Poznanski

Obwohl ich nach Erscheinen die Bücher “Erebos” und “Saeculum” immer mal wieder in der Hand hatte, habe ich es immer wieder weggelegt. 2012 packte es mich dann und ich habe alle Bücher von Ursula Poznanski verschlungen und alle mit Bestnoten bewertet 
(s. Verlinkungen zu den Rezensionen unten).
 Aus Neugier stöberte ich ein bisschen im Netz und postete die Rezensionslinks auf der Facebookseite der Autorin. Es ergab sich ein netter Austausch und Anfang des Jahres durfte ich der Autorin Fragen stellen. Die Buchmesse, das Erscheinen des neuen Buches “Blinde Vögel” und das Schreiben der Fortsetzung “Die Verratenen” haben das Ganze etwas verzögert, doch hier ist das langersehnte Interview:
 
©  Doris Bretterbauer
 

Sie haben Japanologie, Publizistik, Rechtswissenschaften, Theaterwissenschaften studiert. Wer oder was hat Sie dann zum Schreiben gebracht?

Ich habe immer gern geschrieben, auch während meines Studiums – damals aber ohne die Absicht, veröffentlicht zu werden. Meine Studien habe ich alle nicht abgeschlossen, aber ich habe einen schreibenden Beruf ergriffen – Journalistin. Ideal für mich, dachte ich, weil ich damals mit kurzen Texten viel besser zurecht gekommen bin als mit langen.

Wollten Sie schon immer Autor/in werden? Haben Sie mit dem großen Erfolg Ihrer Bücher gerechnet und wie kommen Sie mit der Popularität zurecht? Lässt sich dies alles gut mit Ihrem Job als Medizinjournalist vereinbaren?

Ich war lange nicht sicher, was ich werden sollte. Der Autorenberuf war einer, den ich mir sehr schön vorgestellt habe, gegen den aber eine Menge Vernunftgründe gesprochen haben. Was den Erfolg betrifft, so kann man damit seriöserweise nicht rechnen, nur darauf hoffen. Das habe ich natürlich getan – überrascht hat mich die Resonanz auf „Erebos“ aber trotzdem. Popularität ist für Autoren übrigens kein großes Thema. So lange man nicht regelmäßig im Fernsehen auftaucht, kennen die Leser viel eher die Bücher eines Autors als sein Gesicht. Ich werde eigentlich nur auf Buchmessen und gelegentlich in Buchläden erkannt. Sonst nie.
Meinen Job als Medizinjournalistin habe ich vor einiger Zeit an den Nagel gehängt, weil er sich mit dem Bücherschreiben nicht mehr vereinbaren ließ.

Wie lange dauerte es, bis Sie einen Verlag für Ihr erstes Buch gefunden haben?

Mein allererstes Buch war eines für Kinder von ungefähr sechs Jahren, es hieß „Buchstabendschungel“ und ich habe meinen Verlag damals auf die klassische Art gefunden: das Manuskript an fünf Verlage auf einmal geschickt und dann gewartet. Ich habe wirklich Glück gehabt, ein österreichischer Kinderbuchverlag hat sich innerhalb von zwei Wochen gemeldet und das Buch ein Jahr später herausgebracht.

Wie schreiben Sie? Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen?

Unterschiedlich. Wenn außer Schreiben nicht viel auf dem Programm steht, setze ich mich kurz nach acht an den Computer, allerdings dauert es dann oft ein oder zwei Stunden, bis ich wirklich anfange. Manchmal auch länger. Aber es gibt immer Mails zu beantworten, organisatorische Sachen zu erledigen, etc. Mein Ziel ist es, jeden Tag 1300 Worte zu schreiben – das klappt nicht immer, aber doch recht häufig. Wenn ich damit fertig bin, habe ich frei.

Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?

Ich habe keinen erklärten Lieblingsschriftsteller, es gibt so viele großartige Autoren.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Damit verhält es sich ähnlich wie mit den Schriftstellern. Aber ich liebe „Melodien“ von Helmut Krausser sehr, oder „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco.

 

© Sonja Kochmann

Woher kam die Idee für das Buch „Erebos“?

Der Anreiz, das Buch zu schreiben, kam eigentlich aus der Idee heraus, dass ein Computerspiel eine perfekte “Gegenwelt” sein kann, vergleichbar mit den fremden Welten in Fantasyromanen. Ein gut gemachtes Spiel kann den Spieler absorbieren, ihn aus der Realität in die Spielewelt hineinziehen – das in einem Buch zu verarbeiten, hat mich fasziniert. Trotzdem ist es meiner Meinung nach keine Geschichte die von Spielsucht handelt, sondern von Manipulation.

Sie üben selbst das Hobby Geocaching aus. Was war ihr schönster Fund? Gab es andere Jagdsituationen an die Sie sich gern erinnern? Haben Sie noch andere Hobbys?

Es gab eine Menge schöner Funde, ganz besonders toll fand ich einen magnetischen Cache, an dem wir sicher zehn Mal vorbeigelaufen sind, weil wir ihn für etwas ganz anderes gehalten haben. Schnitzeljagden und Rätselrallys mochte ich immer schon gerne.
Für Hobbies war in den letzten Jahren nicht allzu viel Zeit, aber ich liebe das Schifahren, lese natürlich viel und fotografiere oft, wenn auch nicht so gut, wie ich gerne möchte.

Saeculum und Fünf spielen überwiegend in der Natur. Halten Sie sich dort gern auf?

Ja, absolut. Besonders im Wald fühle ich mich sehr zu Hause.

Es gibt nur einen Teil Ihrer Bücher als Ebook. Wie stehen Sie zum Ebook?

Es ist eine tolle Erfindung, besonders für unterwegs. Trotzdem kaufe ich mir laufend „normale“ Bücher, weil ich einfach das haptische Erlebnis nicht missen möchte. Wie ein Buch riecht, wie es sich anfühlt … da kann das Ebook niemals mithalten.

Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal treffen? Welche Frage würden Sie ihm/ihr stellen?

Unerfüllbar, aber wenn ich die Wahl hätte, dann Sheakespeare. Schon um zu erfahren, ob es ihn wirklich gegeben hat aber vor allem natürlich, um zu sehen, wie ein Mann, der so unvergleichlich großartige Dinge geschrieben hat, als Mensch war. Und ein bisschen in der Hoffnung, dass Genie abfärbt.

 

Gesehen auf der Leipziger Buchmesse 2013
© Sonja Kochmann

Die Fortsetzung von „Fünf“ mit Beatrice Kaspary („Blinde Vögel“) ist im April 2013 erschienen. Können Sie etwas darüber verraten? Wie viele Bände sind mit Beatrice Kaspary geplant?

In „Blinde Vögel“ spielt das Internet eine große Rolle, ganz konkret gesagt Facebook. Es werden zwei Tote gefunden, zwischen denen es dem ersten Anschein nach keine Verbindung gibt, doch dann stellt sich heraus, dass sie beide in einer Facebook-Gruppe aktiv waren, die sich mit Gedichten beschäftigt. Zu dieser Gruppe zu gehören erweist sich im Verlauf des Romans als ziemlich ungesund.
Wie viele weitere Bände es mit Beatrice noch geben wird, weiß ich selbst nicht genau – aber zumindest zwei sollten es sein.

 

© Sonja Kochmann

Und wie geht es weiter mit den Verratenen?

Da erscheint der zweite Teil im Oktober. Fertig geschrieben ist er schon, im Moment wird er gerade lektoriert.

Wie stehen Sie zu Buchreihen? Sind Sie davon begeistert, oder mögen Sie lieber Einzelbücher?

Ich mag beides. Als Autorin gibt mir eine Buchreihe die Möglichkeit, eine sehr große Geschichte zu erzählen, die ich rein platzmäßig nicht in einen Einzelband packen könnte. Außerdem muss ich die Figuren, die mir über ein Buch hinweg ans Herz gewachsen sind, nicht gleich wieder verlassen. Ein Einzelband hat den Vorteil, dass die Leser nicht auf Fortsetzungen warten müssen. Ich kann gut verstehen, dass das lästig ist.

Welche Pläne/Ideen wollen Sie literarisch noch verwirklichen?

Im Moment wäre ich höchst zufrieden, wenn ich so weiterschreiben könnte wie bisher. Vielleicht mache ich noch den einen oder anderen Ausflug in Genres, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe, wer weiß.

Sie leben in Wien. Eine sehr interessante Stadt. Ich habe an einem verlängerten Wochenende selbst gemerkt, dass man gar nicht alles anschauen kann. Was würden Sie Kurzurlaubern besonders empfehlen?

Ich würde zumindest ein Museum besuchen – das kunsthistorische liebe ich besonders, allein wegen der Architektur der Eingangshalle, aber auch die Nationalbibliothek ist wunderschön; ein echtes Wiener Kaffeehaus besuchen, durch die Innenstadt spazieren oder durch die Parkanlagen von Schloss Schönbrunn, auf den Naschmarkt gehen und danach wieder ins Kaffeehaus oder ins Theater.

Vielen Dank für das ausführliche Interview!