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Rezension

Rezension // Meike Werkmeister – Das Glück riecht nach Sommer (#4)

Die Ärztin Ina wagt in Hamburg einen Neuanfang. Zu mindestens war das der Plan. Nachdem ihre letzte Beziehung und ihr Job an einem Krankenhaus in Husum Geschichte sind, bewirbt sie sich in dem Hamburger Krankenhaus, an dem inzwischen ihr Schwarm aus vergangenen Tagen als Oberarzt arbeitet und macht sich auf Wohnungssuche.

Doch schnell stellt sich Ernüchterung ein, das Auswahlverfahren zieht sich und bewohnbare Wohnungen sind rar. Durch ihre Freundin Filiz bekommt sie die Möglichkeit, in einer kleinen Gartenlaube am Alsterfleet unterzuschlüpfen.

Und da sie Zeit zum werkeln hat, holt sie das verwilderte Gärtchen mit etwas Hilfe aus einer Art Dämmerzustand heraus. Mit jedem kleinen Erfolg im Garten, sieht auch Ina ihre Ziele klarer….

Ina ist den Fans von Meike Werkmeister bereits bekannt, denn sie ist eine Nebenprotagonistin aus „Der Wind singt unser Lied“, die natürlich  ihre eigene Geschichte verdient hat. Aber keine Sorge, alle Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden. Allerdings finde ich ein literarisches Wiedersehen immer schön und es ist auch sehr gelungen.

Ina hat aufgrund ihrer Familiengeschichte immer Rücksicht auf andere genommen und weiß gar nicht, wie ihre Zukunft aussehen soll. Sie verrennt sich gern in Tagträumerei zu ihrem damaligen Mentor und sieht gar nicht, dass auch andere Mütter schöne Söhne haben. Klingt eigentlich ganz einfach, aber das Herz macht da einfach nicht mit. Und das sitzt bei Ina definitiv am rechten Fleck. Sie hilft ihren Gartennachbarn und auch ihrer Freundin Filiz, die davon anfänglich gar nicht so begeistert ist, so dass …nein, mehr verrate ich nicht.

Das Buch habe ich aufgrund des schönen Schreibstils und der Atmosphäre rasch ausgelesen und war schon fast ein bisschen traurig, als ich am Ende bei den Bonusrezepten angekommen bin. Wer bereitet mir die eigentlich zu? Ich habe mich ein wenig in den Schrebergarten meiner Eltern zurückgeträumt, der leider in der Form nicht mehr betrieben wird und vergebe volle Punktzahl.

P.S.: Die WG-Bewohnerinnen von Inas Freundin Filiz sind übrigens auch sehr interessante Charaktere, die meiner Meinung nach auch eigene Bücher verdient hätten….

 

Verlag: Goldmann

erschienen: 2022

Seiten: 464

ISBN: 978-3442492749

Rezension

Rezension // Katharina Herzog – Der Wind nimmt uns mit

Maya ist wie ein Blatt im Wind. Sie ist als Reisebloggerin kaum länger als eine Woche an einem Ort. Sie hat fast die ganze Welt gesehen. Doch einen Ort meidet sie: La Gomera. Dort wohnt die Frau, die sie bis vor einigen Jahren für ihre leibliche Mutter hielt. Ein One Night Stand, eine damit verbundene Schwangerschaft und die Suche nach dem Kindesvater führen sie jedoch genau auf diese Insel: eine Reise, die die wichtigste in ihrem Leben zu sein scheint.

Das Buch ist bereits vor einiger Zeit erschienen. Ich hatte es auch bereits begonnen als es frisch gedruckt auf meinem Nachttisch landete. Doch leider wurde ich durch Zufall extrem gespoilert, so dass ich es weggelegt habe. Da mir der Schreibstil der Autorin sehr gut gefällt und nun „ein bisschen Gras über die Spoiler in meinem Gedächtnis“ gewachsen war, habe ich mich neulich wieder herangewagt und habe es innerhalb kürzester Zeit gelesen.

Maya ist eine flatterhafte Protagonistin; aufgrund der ungeklärten Frage ihrer Herkunft, ist sie als Reisebloggerin unbewusst auf der Suche. Dabei sieht sie die schönsten Orte dieser Welt und doch fehlt Beständigkeit in ihrem Leben.

Als die Schwangerschaft sie zum Umdenken zwingt, landet sie auf La Gomera. Eine Insel voller Sonne und Zuversicht. Denn hier leben Aussteiger und Künstler, die aus den verschiedensten Gründen ihre Denk- und Lebensweisen umgestellt haben.

Auch Karoline, ihre Ziehmutter lebt dort. Hat sie die Chance, alles Unausgesprochene zu klären? Wird sie das Kind bekommen und ihr Leben ändern?

Das Buch hat zwei Perspektiven einmal Mayas Erlebnisse im laufenden geschehen und im Rückblick Karolines Sichtweise vor nunmehr 32 Jahren. So erfährt der Leser zusammen mit Maya stückweise, was geschah. Das Buch lebt auch von der vielfältigen Sammlung an Nebenfiguren, die Mayas Suche nach ihrem (neuen?) Lebensweg begleiten.

Ich vergebe volle Punktzahl für dieses tolle Buch, das den Leser auf andere Gedanken bringt.

 

Verlag: Rowohlt

erschienen: 2019

Seiten: 368

ISBN: 978-3499275272

Rezension

Rezension // Christin-Marie Below – Café Meerblick (#2)

Die Trauer um ihre verstorbene Freundin Sophie führt Mona zurück auf ihre Lieblingsinsel Norderney. Neben bunt bemalten Steinen findet Mona eine neue Freundin, die Insulanerin Caro. Der Austausch macht ihr Mut und die gelernte Konditorin erfährt von einer Möglichkeit, ein Café mit Meerblick zu übernehmen. Sie nimmt allen Mut zusammen und bewirbt sich. Gleichzeitig trifft sie den jungen Koch Tjark. Eine Menge Veränderungen stehen an. Kann das gut gehen? Schafft es Mona ihr Gefühlschaos zu ordnen und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen?

Dieses Buch führt mich wieder auf meine Lieblingsinsel Norderney. Wieder? Lieblingsinsel? Ja, ich fahre bereits, seit ich Laufen kann auf diese Insel und verbinde sehr viel mit Ney, wie es umgangssprachlich auch genannt wird. Wieder…weil bereits das Buch „Pension Herzschmerz“ der Autorin dort spielt. Die Bücher sind in sich abgeschlossen; allerdings ist so eine Insel doch ein Dorf und man trifft sich immer mehrfach im Leben.

Monas Gefühlswelt und ihre Entschleunigung werden von Christin-Marie Below wunderbar eingefangen (Achtung Taschentuchalarm). Durch den wundervollen Schreibstil möchte man auch die Schuhe ausziehen und mit Mona am Strand lang laufen oder Milchreis in der Marienhöhe essen gehen. Aufgrund Sophies Vermächtnis sucht Mona ihren Lichtblick, um neu anzufangen. Doch was könnte das sein? Die Suche führt zu einer geschickten Inseltour von der Giftbude, der Marienhöhe bis zur Oase und einigen anderen Stationen der Insel. Wer da keine Lust bekommt, seinen Koffer auf die Fähre zu schieben, dem ist nicht zu helfen.

Neben Freundschaft und einer Perspektive für die Zukunft findet Mona noch viel mehr. Ein wundervolles Buch zum Abschalten, das ich nicht aus der Hand legen konnte. Da ich die Zeit hatte, habe ich es tatsächlich an einem Tag durch gelesen und bin fast traurig, dass ich es schon ausgelesen habe, denn ich hätte gern noch mehr Zeit mit Mona, Caro, Franzi, einem Stück Kuchen und der Meerbrise auf meiner Insel verbracht…..volle Punktzahl.

Außerhalb der Wertung muss ich leider – genau wie bei „Pension Herzschmerz“ anführen, dass das Wahrzeichen der Insel, der Norderneyer Leuchtturm nicht rot weiß gestreift ist. Er ist durchgehend aus rotem Backstein! Nur weil in den Vorstellungen der meisten Leser ein Leuchtturm rot weiß gestreift ist, sollte bei einer Geschichte, die konkret auf einer nicht fiktiven Insel spielt, auch das passende Cover verwendet werden. Ansonsten wird der hingebungsvolle Einsatz der Autorin echte Örtlichkeiten, wie das Conversationshaus, die Marienhöhe und die Weisse Düne so wundervoll zu beschreiben, mit diesem falschen Cover zunichte gemacht. Denn das Buch wird sich ja auch auf den Verkaufstischen der örtlichen Buchhandlungen wiederfinden und ob die Norderneyer und die hiesigen Urlauber sich mit diesem Buch dann noch identifizieren können, ist fraglich. Dies wäre schade, denn die Insel wird durch dieses Buch so schön repräsentiert.

© Sonja Kochmann

Verlag: Ullstein

erschienen: 2022

Seiten: 304

ISBN: 978-3548063669