Browsing Tag:

Interview

Interview

Interview // Sandra Lüpkes – Die Schule am Meer

Das neue Buch von Sandra Lüpkes “Die Schule am Meer” ist gerade erschienen. Leider sind die teilweise ausverkauften Lesungstermine sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Dennoch durfte ich Sandra Lüpkes interviewen…

Sie kommen selbst von der Insel Juist, wieviel von Martin Luserke und seiner Schule am Meer ist Ihnen schon vor der Recherche bekannt gewesen?

Die Allermeisten auf der Insel wissen, dass es diese Schule gegeben hat, einige Gebäude stehen ja noch, dort sind jetzt die Jugendherberge und das Küstenmuseum untergebracht. Doch das Schicksal der Schule wurde mitunter nur kurz umrissen: Sie wurde irgendwann in den 1920ern gegründet, viele der Lehrer und Schüler waren prominent, dann musste sie nach ein paar Jahren wieder geschlossen werden, weil es finanzielle und auch politische Schwierigkeiten gab. Das war’s.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Von April bis Oktober war das morgendliche Bad in der Nordsee Pflicht für Schüler und Lehrer

 

Wie kam es dann zu diesem historischen Buch?

Bei einer Lesung im Herbst 2017 im Küstenmuseum habe ich eine Schautafel über die „Schule am Meer“ gesehen und mich das erste Mal gefragt, was für Menschen das eigentlich genau gewesen sind, die all ihr Wissen, ihre Energie, ihr Geld in dieses Internat gesteckt und es ausgerechnet an einem so wenig bequemen Ort wie Juist errichtet haben. Und wie erging es diesen Idealisten, nachdem ihre Vision gescheitert war. Da hatte mich das Thema gepackt.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Das Schulschiff wird zum Wattenmeer gebracht, das Mädchen mit den Zöpfen ist Annis Tochter Renate

 

Wie wurde recherchiert?

Der Museumsleiter Jochen Büsing, den ich noch aus Schulzeiten kenne, hat mich sehr unterstützt und mir erlaubt, im Archiv zu stöbern. Es gibt sehr viele Zeitzeugnisse, Memoiren von Lehrern und Schülern, Zeitungsausschnitte, unzählige Fotos. Doch am spannendsten war das sogenannte Logbuch, ein mehr als 700 Seiten umfassender Schulbericht, in dem täglich das Wetter, die Windrichtung, aber auch Anekdoten, Beschlüsse und vieles mehr notiert wurde. Doch ab der Mitte des Romans wurde mir klar, dass ich auch dringend recherchieren muss, was aus der jüdischen Lehrerin Anni Reiner wurde, eine meiner Hauptfiguren, über die im Logbuch leider nur wenig zu lesen ist. Glücklicherweise fand ich ihre jüngste Tochter Karin, die inzwischen 87jährig in der Nähe von Zürich lebt. Wir haben in einer längst vergessenen Ecke tatsächlich noch viele Briefe entdeckt, die Anni Reiner in den 1930er Jahren an ihre Töchter geschrieben hat.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Eduard Zuckmayer lebte für die Musik, mit dem schuleigenem Orchester und dem Chor wurden mehrfach im Jahr Konzerte anspruchsvolle gegeben

 

Wie schwer war es die realen Personen (z.B. Martin Luserke, Eduard Zuckmayer, Paul und Anni Reiner, Walter und Gisela Jockisch) mit literarischem Leben zu füllen?

Martin Luserke, über den mit Abstand am meisten bekannt ist, hat in meinem Roman keine eigene Perspektive, wir erleben diesen sehr ambivalenten Charakter also nur aus der Sicht seiner Mitmenschen. Das hat es mir vereinfacht, seine Entwicklung in die rechte Richtung zu schildern. Eduard Zuckmayer war mir von Anfang an irgendwie sehr nahe, wahrscheinlich weil uns die Liebe zur Musik eint. Über ihn steht viel in der Autobiografie seines berühmten Bruders Carl, auch wenn dieser einige Dinge überdramatisiert hat, wie ich wiederum durch eine Filmdokumentation erfahren habe. An Anni Reiner musste ich viel feilen, denn sie zwar Mutter und Ehefrau und Idealistin, aber eben keine liebliche Frauenfigur. Von Anfang an hab ich gespürt, dass ich sie nicht so gefühlsduselig erzählen darf. Und ihre Nachfahren haben es mir schließlich bestätigt: Anni war zwar warmherzig, aber auch sachlich, sie handelte lösungsorientiert, selbst in den schlimmsten Schicksalsmomenten. Ihre innere Zerrissenheit schimmerte wenn überhaupt, dann nur ganz sachte durch.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Im Sommer 2019 traf Sandra Lüpkes Karin Reiner, die Tochter ihrer Romanheldin, beide hatten sich viel zu erzählen

 

Welcher Schüler liegt ihnen besonders am Herzen und warum?

Ganz klar: Moskito, der eigentlich Maximilian Mücke heißt und von seinen Eltern, die in Bolivien leben, ins Internat nach Deutschland geschickt wird. Mit ihm gehen wir durch die neun Jahre, die diese Schule existiert hat. Von der Sexta bis zur Oberprima. Wir werden mit ihm erwachsen, erleben Abenteuer, die erste Liebe, das Zerbrechen einer Freundschaft und die Versöhnung. Moskito ist fiktiv, jedoch setzt er sich aus verschiedenen Schülern zusammen, deren Jugenderinnerungen ich gelesen habe.

 

Auf den ersten Blick ist das Buch eine Internatsgeschichte. Lehrer mit eigenen Sorgen, Nöten und Idealen treffen auf ihre Schützlinge, die ihre eigene Geschichte mit auf die Insel bringen und sich nach und nach entfalten. Es hat mich ein bisschen an meine Lieblingsgeschichten von früher erinnert: Hanni und Nanni, Dolly, Burg Schreckenstein (nur erwachsener thematisiert)…haben Sie diese Bücher früher auch gelesen?

„Hanni und Nanni“ lag natürlich auch auf meinem Nachttisch. Jedoch war ich selbst mal ein Jahr auf einem Internat. Da es auf Juist kein Gymnasium gibt, bin ich mit 15 auf’s Festland in eine Heimschule extra für Inselkinder. Dort kollidierte dann die Romantik mit der Realität, ich hab es nur ein Jahr ausgehalten und bin dann mit meinem älteren Bruder in eine WG gezogen. Allerdings hatte ich während meiner Internatszeit den besten Deutschlehrer überhaupt, noch heute stehen wir in Kontakt.

 

Die Seele der Küche Kea hat einiges zu bieten. Welche Gerichte haben Sie selbst davon schon einmal gekocht/gegessen?

Grünkohl, das Gericht, mit dem Kea sich in die Herzen der Schulleitung gekocht hat, ist eine meiner Spezialitäten. Auch Klütje mit Birnen und Vanillesauce habe ich früher, als meine Kinder noch klein waren, gern gekocht. Und wenn ich jetzt an Neujahrskuchen denke, möchte ich gleich mein Waffeleisen rausholen … Also: Ja, ich liebe die ostfriesische Küche und hab die Kea-kocht-Szenen knallhart recherchiert 😉

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Im Eiswinter 1928/29 landeten die Versorgungsflieger am Juister Strand, später stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine geheime Militärstaffel gehandelt hat

 

Wie fühlt man sich als Autor, wenn man eine solche Szene wie die Bücherverbrennung schreibt?

Auch das ist so ein Thema, dem ich mich erst durch die Arbeit an diesem Roman wirklich genähert habe. Was bedeutet es, wenn die Obrigkeit darüber entscheidet, welche Bücher gelesen werden sollen – und welche zerstört werden müssen. Denn es heißt ja: Welche Geschichten darf es geben – und welche nicht. „Berlin Alexanderplatz“,  „Im Westen nichts Neues“, die Werke von Ringelnatz und Tucholsky – noch heute aktuell und weise, doch wenn es nach den Nazis gegangen wäre, hätten wir keine Erinnerung mehr daran. Ist das nicht furchtbar?

Ohne zu Spoilern, hat mich Moskitos Schicksal mit nur einem kleinen Wort getroffen und mich traurig das Buch beenden lassen. Musste dies als literarische Mahnung sein?

Es ist schwer, spoilerfrei darauf zu antworten. Aber soviel: Die Welt stand damals am Abgrund, ohne es zu wissen. Die Eltern und Lehrer haben viel investiert, um ihren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen – und dann mussten sie diese in den Krieg schicken. Das ist vielleicht tatsächlich eine Mahnung: Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir wissen, was gewesen ist. Deshalb sollten wir wachsam bleiben.

Eigentlich hätten die ersten Lesungen zu dem Buch stattfinden sollen (auch meine Karte hängt leider ganz verloren an der Pinnwand), verraten Sie uns ein bisschen, was uns auf der Lesung erwarten wird, wenn wir alle wieder ins öffentliche Leben zurückkehren dürfen…(Musik? Fotos?)

Ja, genau heute (26.3.2020) hätte bei meiner Lieblingsbuchhandlung „Leuenhagen & Paris“ die Buchpremiere stattgefunden. Es ist so schade, dass nun alles ausfällt beziehungsweise auf ungewissen Zeit verschoben wurde. Abgesehen von einer unbändigen Vorfreude hätte ich meinen Beamer mitgebracht und dem Publikum neben den Lesepassagen Fotografien gezeigt. Historische und aktuelle gleichermaßen, denn die Arbeit an diesem Buch ist im Grunde genau so spannend wie der Roman selbst. Daran hätte ich die Leser*innen gern teilhaben lassen. Aber Kopf hoch, es wird schon werden! Bis dahin bleibt Zeit zum Lesen oder – in meinem Fall – über einen neuen Roman nachzudenken …

© Sarah Koska

 

Vielen Dank für das Interview und ich werde hoffentlich bald von der Lesung in Hannover berichten können.

Interview

Interview // Sandra Lüpkes

 
 
Sandra Lüpkes gehört zu den Autorinnen bei denen ich sofort eine Karte zur Lesung kaufen muss. Warum? Es ist immer ein lustiger und musikalischer Abend, der mich von meiner Nordsee träumen lässt…..Ich hatte anlässlich des neuen Buches “Inselfrühling” die Gelegenheit ein paar Fragen an Sandra Lüpkes zu stellen:
 
Folgende Links kennzeichnen wir gemäß
§ 2 Nr. 5 TMG als Werbung:
Quelle: https://www.sandraluepkes.de
Folgende Links kennzeichnen wir gemäß
§ 2 Nr. 5 TMG als Werbung:
Quelle: https://www.sandraluepkes.de
 
 
Haben Jannike, Mattheusz und Co. echte Vorbilder? Ein paar
schrullige Insulaner vielleicht? Oder wie sind Sie auf diese Protagonisten
gekommen?
Es gibt tatsächlich einige Vorbilder, allerdings niemals
eins zu eins. Die Figuren sind oft eine Mischung aus  mehreren Personen, mit denen ich während
meiner Zeit auf Juist zu tun hatte. Witzigerweise erkennen sich manchmal auch
Leute in den Büchern wieder, die ich gar nicht gemeint habe.
Gibt es einen Grund, warum die Hoteldirektoren bei Ihnen
immer so schwierige Gestalten sind (Gerd Bischoff bei Jannike und der Direktor
bei der Sanddornkönigin)?
Gut beobachtet! Tatsächlich ist es so, dass die Besitzer
der größten Hotels auf der Insel viel zu melden haben, sie sitzen oft im
Gemeinderat und der Gaststättenverband hat an einem Touristenort auch viel mehr
Einfluss als anderswo. Wer eine solche Position bekleidet, bringt einen
dominanten Charakter oft schon mit. Oder hat ihn in die Wiege gelegt bekommen,
wie Gerd Bischoff, der ja nicht ganz freiwillig das Familienhotel übernommen
hat, wie wir in „Inselfrühling“ erfahren.
Im neuen Buch kommt eine bisschen Seemannsgarn zum Einsatz.
Was halten Sie von diesen „alten Geschichten“ die man am besten bei einem Grog
genießt?
Ich liebe alte Sagen und Novellen. „Der Schimmelreiter“ ist
seit meiner Jugend mein unangefochtenes Lieblingsbuch. Auch wenn die Inseln ja
heutzutage relativ abgesichert sind, die Erinnerungen an raue, harte Zeiten und
den Kampf gegen das Meer bleiben dennoch allgegenwärtig.
Quelle: Sandra Lüpkes
Wie kam es zum Einsatz einer polnischen Familie auf der
Insel (kulinarisch und menschlich)?
Die Probleme sind ja auf allen Inseln dieselben: Jede Ecke
wird für Gäste genutzt, die Angestellten müssen sich mit recht beengten
Wohnungen und überteuerten Mieten zufrieden geben. Da gab es immer Probleme,
Personal auf die Insel zu locken. Nach der Wende – also Anfang der Neunziger
Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts – kamen darum viele polnische Saisonkräfte,
für die der Lohn, den sie in drei Monaten verdient haben, die Familie zuhause
ein ganzes Jahr ernähren konnte. Viele von ihnen sind auf der Insel geblieben,
haben Insulaner geheiratet und Familien gegründet. Da lag es nahe, dass auch im
kleinen Inselhotel eine polnische Familie arbeitet. Und wo sie schon mal da
waren, haben sie gleich ein osteuropäisches Restaurant eröffnet. Oma Maria
würde doch niemals Pizza backen!
Sie haben selbst zwei Töchter, waren deren Geburten auch so
spektakulär?
Meine große Tocher wurde im Sommer geboren, was auf der
Insel selten ist, denn da hat man ja eigentlich keine Zeit zum Kinderkriegen.
Ähnlich wie Jannike hatte ich damals auch sehr viel um die Ohren, mein erster
Mann und ich hatten gerade ein Haus gekauft und unsere Ferienwohnungen
eröffnet. Deswegen sind wir erst wenige Tage vor dem Geburtstermin zum Festland
gefahren, was aber problemlos war, meine Tochter war pünktlich – ist sie heute,
mit Anfang zwanzig, übrigens immer noch 😉
Meine jüngere Tochter kam kurz vor Karneval auf die Welt.
Da kann es schon mal schwierig werden mit der Fahrt zum Festland, deshalb haben
wir bereits ein paar Wochen vorher in einer Wohnung im Haus meiner
Schwiegereltern gewohnt. Sie ist übrigens in der Badewanne geboren, auf ihrem
Geburtspass prangt ein Seehundstempel. Und als wir dann an Weiberfastnacht
wieder zur Insel gefahren sind, war die Fähre überfüllt mit
Karnevalsflüchtlingen aus NRW. Wir haben keinen Platz mehr gefunden, bis uns
die Matrosen in die Kombüse eingeladen haben. Völlig verqualmt, aber trotzdem
besser, als bei Temperaturen um den Nullpunkt draußen an Deck zu stehen.
Im Nachwort werden ein paar „Besatzungsmitglieder“ genannt,
wer hat bei welchen Themen in diesem Buch geholfen? Wer darf generell als
erstes einen entstandenen Text bei Ihnen lesen? Wie schreiben Sie?
Ausnahmsweise hatte ich dieses Buch schon vor der ersten
geschriebenen Zeile komplett durchgeplant. Dabei hat mir mein Mann Jürgen
Kehrer – der ja auch Schriftsteller ist – geholfen, denn er hat ein
unglaubliches Talent, eine Geschichte schon im Vorfeld zu überblicken: Wo sind
die Konflikte, wo nimmt die Handlung eine entscheidende Wendung, wie kann man
die Spannung noch weiter steigern? Das haben wir gemeinsam bei einer langen
Autofahrt durchkonzipiert, danach ging das Schreiben deutlich einfacher als
sonst. Aber wie gesagt, üblicherweise arbeite ich anders, mehr aus dem Bauch
heraus. Doch da ich die letzten beiden Inselhotel-Romane recht schnell
hintereinander geschrieben und parallel noch an zwei Drehbüchern gearbeitet
habe, hat es diese Stringenz gebraucht. Erstleserin waren meine Lektorin und
meine Agentin, danach ist das Manuskript noch an verschiedene Testleser
gegangen. Mein Bruder und eine gute Freundin (von denen ich weiß, dass sie viel
lesen und kein Blatt vor den Mund nehmen), ein Kieferorthopäde (für die Szenen
mit Jannikes Vater), eine Bekannte aus Polen (für die Szenen mit Oma Maria),
eine Hebamme (für die Schwangerschafts- und Geburtsszenen). Das ist immer eine
Warterei, bis die kritischen Rückmeldungen eintrudeln… Wie kommt die Geschichte
an? Ist sie spannend? Stimmen die Details? Diese Zweifel sind immer da, auch
wenn „Inselfrühling“ mein inzwischen 24. Buch ist.
Quelle: Sandra Lüpkes
Sie wohnen inzwischen nicht mehr auf einer Insel, vermissen
Sie das Meer und die steife Brise?
Das werde ich oft gefragt, und wenn ich ehrlich mit „Nein“
antworte, kommt es mir immer ein bisschen so vor, als sei der Fragesteller
etwas enttäuscht. Zwar fahren mein Mann und ich ab und zu an die Küste,
allerdings ist eher er die treibende Kraft, ich liebe hingegen die Berge. Und
einen Fluss finde ich spannender als das Meer. Darüber hinaus möchte ich nie
wieder auf so eingeengtem Raum und so weit ab vom Schuss wohnen. Im Gegenteil:
Im kommenden Jahr ziehen wir nach Berlin, urbaner geht es ja eigentlich nicht,
und ich freue mich sehr darauf, in einer großen Stadt einfach ein wenig
unsichtbarer zu sein.
Quelle: Sandra Lüpkes
Was verbindet Sie mit Hannover?
Nach dem Abitur habe ich drei Jahre sehr gern in der
niedersächsischen Landeshauptstadt gelebt. Ich habe dort eine Ausbildung zur
Schaufensterdekorateurin absolviert und hinterher bei „Mäntelhaus Kaiser“
gearbeitet. Es war eine spannende Zeit: Demos gegen die geplante Expo 2000,
„Fury in the Slaughterhouse“ feierten ihre ersten Erfolge, Radio ffn war
absoluter Kult und hat am Waterloo-Platz super Partys geschmissen.
Welches ist Ihre Lieblingsinsel von den ostfriesischen
Inseln und warum?
Schwer zu sagen. Meine Heimat ist natürlich Juist, im
Winter fahre ich gern nach Norderney und im Sommer lieber nach Spiekeroog. Vor
zwei Jahren war ich auch endlich mal auf Baltrum und muss sagen: Das Inselchen
ist sehr charmant… Also, ich bin diplomatisch und sage: Jedes Eiland hat sein
ganz bestimmtes Extra und ist liebenswert. Ich kann mich da nicht entscheiden.
Aus diesem Grund steht ja auch das kleine Inselhotel auf keiner genannten
Insel, da darf sich jeder seinen Favoritenort aussuchen.
Quelle: Sandra Lüpkes
Norderney
Wie kam es zu den musikalischen Lesungen?
Als kleines Mädchen konnte ich mich nicht entscheiden, ob
ich lieber Schriftstellerin, Schauspielerin oder Sängerin werden wollte – am
liebsten alles drei. Und welch ein Glück: Bei den Lesungen kann ich das
wirklich ausleben. Tatsächlich habe ich schon immer gesungen, hatte mehrere
Bands, und bin durch das Schreiben der Songtexte dann auch schließlich zum
Geschichtenschreiben gekommen.
© Sonja Kochmann

 

© Sonja Kochmann
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Ole West?
Das ist eine schöne Geschichte: Schon immer mochte ich die
Bilder und Grafiken von Ole West, in unserem Haus auf Juist hatten wir fast in
jeder Ecke einen Kunstdruck von ihm hängen. Dann habe ich auf einer Lesung auf
Norderney erfahren, dass Ole West auch anwesend ist. Fast ein wenig schüchtern
habe ich mich bei ihm vorgestellt – und siehe da: Er war auch so etwas wie ein
Fan von mir und meinen Büchern. Wenige Kaltgetränke später war klar, dass wir
was zusammen machen müssen, herausgekommen sind zwei wunderbar illustrierte
Erzählungen.
© Sonja Kochmann

 

 

© Sonja Kochmann
© Sonja Kochmann

 

Darf man auf einen weiteren Band der Insel Reihe oder
Wencke Tydmers hoffen?
Wencke hat tatsächlich im letzten Jahr mal wieder zwischen
zwei Buchdeckeln ermittelt. Im Roman „Acht Leichen zum Dessert“ (kbv-Verlag),
den ich gemeinsam mit sieben Kollegen bei einem Schreibprojekt in nur acht
Tagen geschrieben haben, kommt meine Ermittlerin mal wieder zum Einsatz,
allerdings in einem Ermittlerteam. Es hat großen Spaß gemacht, mal wieder etwas
aus der Wencke-Sicht zu schreiben und mir war gar nicht klar, wie tough diese
Frau eigentlich ist. Einen eigenen Wencke-Roman wird es eher nicht so bald
geben, auch erst mal keinen Inselhotel-Roman, da ich derzeit mehr mit dem
Drehbuchschreiben beschäftigt bin. Nach siebzehn Jahren gönne ich mir mal eine
kleine Roman-Pause.
Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht?
Vielleicht mein Vater, der Pastor war und den ich immer
samstags auf die Tasten seiner Schreibmaschine hauen hörte. Oder meine Mutter,
die einfach so frei nach Schnauze ganz wunderbare Geschichten erzählen kann.
Vielleicht auch ein, zwei Deutschlehrer, die erkannt haben, dass da eventuell
ein Talent schlummert (es waren nach meinem Gefühl nur zwei, aber wenn ich
heute meine ehemaligen Lehrer treffe, behaupten die oft, sie hätten es schon
immer gewusst – sogar die Physik-Lehrer). Ich weiß es nicht genau. Ich wollte
das eben schon immer machen.
Welchen Part am Autorin sein, finden Sie am besten
(Schreiben, Lesungen, das Buch im Laden sehen, der Film der erscheint)?
Ganz klar: Es ist alles auf einmal. Nichts würde mir allein
auf die Dauer Spaß machen, die Mischung ist aber perfekt.
Quelle: Sandra Lüpkes
Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?
Was soll ich da sagen: Natürlich mein Mann.
Was ist Ihr Lieblingsbuch?
„Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm (s.o.), „Homo Faber“
von Max Frisch und „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf.
Haben Sie neben dem Schreiben noch Hobbys?
Obwohl ich gern schreibe, ist es nicht mein Hobby, sondern
mein Beruf. In meiner Freizeit gehe ich gern wandern, arbeite im Garten, singe
im Chor und schaue mir Filme im Programmkino an.
Was lesen Sie gerade?
Da ich viel am Bildschirm sitze, höre ich Bücher eher,
meistens beim Laufen. Momentan begleitet mich Frank Goosens „Sommerfest“ in das
kleine Wäldchen um die Ecke. Aber in den Osterferien habe ich mir Juli Zehs
„Unterleuten“ vorgenommen.
Wie stehen Sie zum Ebook?
Ist auf jeden Fall eine tolle Alternative, auch wenn ich es
schade finde, dass man in der Bahn die Leute nicht charakterisieren kann, weil
das Buchcover nichts mehr über sie verrät.
Vielen Dank für das Interview und den Einblick ins Fotoalbum. Ich freue mich bereits auf die Lesung im Juni 2017 in Hannover.

© Sonja Kochmann

 

 
 
Bericht/ Interview

Bericht // Buchmesseninterview mit Ursula Poznanski und Arno Strobel – Anonym

© Sonja Kochmann

“Anonym” ist nun das zweite Buch des Autorenduos Ursula Poznanski und Arno Strobel. Bereits das erste Buch “Fremd” zeichnete sich durch den spannungsgeladenen Perspektivwechsel aus, der inzwischen ein Markenzeichen der beiden Autoren geworden ist. Auf der Frankfurter Buchmesse hatte ich Gelegenheit, die Autoren zu treffen und es ergab sich ein interessantes Gespräch.

 

© Sonja Kochmann

Die Idee für die gemeinsame Zusammenarbeit entstand auf der Buchmesse in Frankfurt und wurde schließlich in Leipzig umgesetzt. Da das erste Buch anfänglich nur als eine Art “Idee” geschrieben wurde, gab es hier keinen Zeitdruck. Erst gegen Ende, als ein Verlag gefunden und die Abgabefrist näher rückte, wurde etwas schneller geschrieben. (Man beachte hierbei bitte die Besonderheiten, mit denen die beiden sich herumschlagen mussten. Zu finden im Bericht zur Lesung zu “Fremd”.) So wurde “Anonym” inzwischen tatsächlich schneller und routinierter geschrieben.

 

2015
© Sonja Kochmann

 

2015
© Sonja Kochmann

Beide haben mittlerweile auch einen eigenen Hashtag. Schaut mal unter Instagram und Co. unter #stroblanski. Nach mehreren Varianten mit den Vornamen der beiden setzte sich dieser der Lektorin Katharina durch.

Das Buch spielt in Hamburg und beschreibt auch schön einige örtliche Begebenheiten. Da Ursula Poznanski mit ihrer Familie in der Nähe von Wien und Arno Strobel mit seiner Familie in der Nähe von Trier leben, wurden diverse Recherchereisen nach Hambrug genutzt. Denn nicht alles kann über den bunten Emailverkehr geklärt werden. Manche Abstimmungen müssen persönlich laufen. Für Adressen von Wohnanschriften hat Ursula Poznanski jedoch einen Trick. Sie verwendet immer eine Börse für Mietwohnungen, um die “richtige” Wohnung für den passenden Stadtteil zu finden. Na? Schon jemand geschaut, ob er die Wohnung von Nina inzwischen angemietet hat?  😉

Obwohl Daniel Buchholz und Nina Salomon ein sehr gelungenes Ermittlerduo geworden sind, steht bislang nicht fest, ob es ein Wiedersehen mit den beiden Polizisten aus Hamburg geben wird. Denn beide Autoren haben ihre Verträge erfüllt und sind derzeit an keine Projekte gebunden.

Beide Autoren sind sehr präsent auf facebook und so habe ich die Frage gestellt, wie weit unsere Gesellschaft von Morituri entfernt ist. Beide haben die Ansicht, dass die Hemmungen im Netz quasi nicht mehr existent sind. Es wird gepostet, gehetzt und sämtliche Werte und Normen außer Acht gelassen. Lediglich die Angst vor der Strafverfolgung hält manche zurück. Dies ist mehr als erschreckend.

Vielen Dank an die Autoren und an den Rowohltverlag für die Möglichkeit des Gespräches und ich hoffe dennoch auf eine Möglichkeit mehr von den beiden Autoren in dieser Kombination zu lesen.

2015
© Sonja Kochmann