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Freundschaft

Rezension

Rezension // Kim Henry – Mühle mit Meerblick

Die junge Caroline, genannt „Line“, hatte es im Leben bisher nicht leicht. Als Findelkind wurde sie von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht. Einzig und allein ein Foto einer jungen Frau vor einer Mühle gibt ihr einen Anhaltspunkt über ihre Herkunft.

Mutig bricht sie von Kopenhagen nach Strynø auf, als sie bei einer Reportage im Fernsehen die Mühle wiedererkennt. Dort angekommen, findet sie mehr als Hinweise über ihre Wurzeln; sie findet ein zu Hause.

Dieses Buch beinhaltet sehr viel. Es hat mich mitgerissen und dafür gibt es vielerlei Gründe:

Durch den wundervollen Schreibstil des deutsch-dänischen Autorinnen-Duos Nicole Wellemin und Corinna Vexborg stimmt Strynø bereits schon jetzt auf meinen nächsten Dänemarkurlaub ein. Die dänische Südsee war zwar noch nicht mein direktes Reiseziel, aber ich bin ein bisschen neugierig geworden, ob es dort auch eine Mühle (voll mit Büchern?) gibt. Hier verkriecht sich Adam, der nach einem Schicksalsschlag die Menschen meidet. Doch nach ihrer Ankunft wird Line schnell in die Inselgemeinschaft integriert und Adam…

…tja….zu viel will ich nicht verraten, aber sie findet Freunde und eine Großmutter. Diese Gemeinschaft bietet ihr die Unterstützung, die sie als Pflegekind nie erfahren durfte.

Und damit kommen wir zum zweiten Punkt, warum mir das Buch unter die Haut geht. Line hat eine Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS), die aufgrund mangelnder Unterstützung nie behandelt wurde. Doch dies ändert sich und aus Wünschen und Träumen werden Ziele. Sie motiviert auch andere aus ihren Mustern auszubrechen und weiterzugehen.

LSR ist ein Thema, das häufig unter den Tisch fällt und zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Aus persönlichen Gründen ging mir dieses Thema nahe und Line ist eine Art „Mut-mach-Figur“.

Die Liebe zum Buch führt zu einer Liebe mit Altersunterschied. Wer mit wem zusammen kommt und was Line alles erreichen kann, müsst ihr unbedingt lesen!

Besonders ans Herz sind mir übrigens die drei Herren Adam, Aksel und Lauge gewachsen. Drei Herren, wie Sattler und Waldorf von den Muppets plus 1. Welche schrulligen Insulaner, welche Hürden und welche Bücher (u.a. „Der kleine Prinz“ und „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“) auf Line warten, ist absolut lesenswert: volle Punktzahl!

© Sonja Kochmann

(Abzug in der B-Note gibt es für das Lektorat, den als der Name von Lines Mutter das erste Mal fällt, ist es Klara. Aus der wird dann im Rest des Buches allerdings Karla. Ärgerlich so etwas.)

 

 

Verlag: Mira Taschenbuch

erschienen: 2019

Seiten: 384

ISBN: 978-3956498503

Rezension

Rezension // Meike Werkmeister – Sterne sieht man nur im Dunkeln

Alles ist wunderbar, doch eine kleine Frage stürzt das idyllische Glück von Anni und Thies ins Chaos.

Wann-ist-es-bei-Euch-soweit?

Hatten die beiden kurz zuvor noch auf den Hochzeiten der anderen mit einem lustigen Bewertungssystem und 90iger Jahre Musik noch Spaß, so ist die trockene Frage von Thies im Sinne von „Warum eigentlich nicht?“ für Anni ein rotes Tuch.

Als dann noch für Anni ein Jobangebot für Berlin hereinkommt und ein Umzug von Bremen nach Berlin in die Zukunftsplanung mit aufgenommen werden muss, sorgt eine Postkarte von der Insel Norderney für eine spontane Auszeit auf der Insel. Doch wie wird es danach weitergehen?

Bereits auf den ersten Seiten habe ich mich mit dem Schreibstil von Meike Werkmeister wohl gefühlt. Anni und Thies waren mir sogleich sympathisch und die Ohrwürmer dank der Hochzeitsmusik (oder vielleicht dank des Inselkellers?) a la Mr. Vain oder Coco Jamboo waren auch gleich mit dabei.

Der Druck der anderen ein geregeltes oder vielmehr ein genormtes Leben zu führen, bringt die beiden Protagonisten in Zugzwang und ins Grübeln.

Der Leser erfährt nach und nach von diversen Baustellen im Leben der 2. Aber ist das nicht eigentlich normal? Man benötigt Mut, um etwas zu ändern und auch um über die Vergangenheit zu sprechen. Denn sie prägt.

Annie designt nebenbei schlaue Sprüche und diese werden für sie auch ein ums andere Mal zum Wegweiser für das eigene Leben. (Ich fand „Dein Herz ist eine Wundertüte. Erst wenn du es öffnest, wird’s spannend“ mit am Besten. Diese Designs kommen übrigens auch im ebook hervorragend zur Geltung, was ja manchmal nicht unbedingt der Fall ist.)

Auf Norderney angekommen, merkt Anni schnell dass hier ein anderer Wind weht. Hier wird das schnelle Rennrad gegen das schwere Hollandrad getauscht. Man lebt hier trotz der stressigen Touristen langsamer. Die Aushilfe im Café ihrer Freundin Maria führt zu einer fälligen Aussprache. Doch da ist noch viel mehr…was ich natürlich nicht verraten werde.

Ist Theis wirklich der eine? Was ist mit dem Surfer Simon? Oder dem Ex Jan?

Die Nebencharaktere wie zum Beispiel Mo oder Herr Jensen haben mich ab und an schmunzeln lassen. Ich würde mir mehr von dieser Autorin wünschen, die einen ähnlichen Schreibstil wie Andrea Russo, Anna Rosendahl, Anne Barns und Sandra Lüpkes hat.

Es ist ein realistisches Buch mit einem Ausflug auf meine Lieblingsinsel.

Am Ende müsst ihr allerdings Taschentücher bereithalten. Volle Punktzahl und ich sag für Norderneyer ein typisches He!

(Außerhalb der Bewertung muss ich allerdings sagen, dass ich mir noch mehr Lokalkolorit gewünscht hätte. Einmal über die Jann-Berghaus-Straße radeln oder ein Softeis auf der Strandstraße genießen.)

 

Norderney – © Sonja Kochmann

 

Verlag: Goldmann

erschienen: 2019

Seiten: 320

ISBN: 978-3442487875

Rezension

Rezension // Susan Mallery – Die Tulpenschwestern

Eine Kleinstadt irgendwo in Amerika: dort lebt Kelly mit ihrem Vater Jeff und betreibt eine Tulpenfarm. Sie liebt es, die Zwiebeln zu setzen und sich an der Vielfalt der Tulpen zu erfreuen. Diese Kleinstadtidylle gerät jedoch mitten in der Touristensaison durcheinander.

Denn ihre Schwester Olivia und auch ihre Mutter Marilee, die Exfrau von Jeff, stehen vor der Tür.

Als ich den Klappentext las, dachte ich gleich an die Black Berry Island Reihe von Susan Mallery. Denn im Gegensatz zu manch anderen Büchern von dieser Autorin ist diese Reihe etwas ernster. Doch auch „Die Tulpenschwestern“ ist ein bisschen anders.

Es ist (nach derzeitigem Stand) ein Einzelband. Nicht nur das wir hier Kleinstadtcharme vorfinden, wir haben auch ordentlich Familienwirren.

Mir kam es inhaltlich bis auf die letzten 100 Seiten leider wirklich etwas zu wirr vor. Es herrscht Sodom und Gomorrha und ich hatte teilweise Schwierigkeiten, mit den Unmengen an Namen und Konstellationen.

Wir haben da Kelly und Olivia, die besagten Tulpenschwestern, deren Freundin Helen und die jeweiligen Expartner Sven und Ryan. Ryan hat noch einen Bruder Griffith, der für Kelly interessant wird. Aber auch Jeff, Marilee und Helen arbeiten an unterschiedlichen Konstellationen. Alles klar?

Hier ist es nun einfacher sich auf die Schwestern zu konzentrieren, die sich nach all der Zeit wieder zusammenraufen müssen. Beide machen eine glaubwürdige Entwicklung durch und lernen, was für sie wichtig ist.

Das Buch lebt vom Kleinstadtcharme: die für die Touristen inszenierte Tulpenverehrung, kleine gemütliche Bars und Cafés, die katastrophalen Bandproben und die Eigenarten der Bewohner.

Die letzten 100 Seiten stimmten mich dann, nachdem sich dieses Knäul an menschlichen Verwicklungen nach und nach auflöste, tatsächlich versöhnlich. Doch ich habe mich ab und an fragen müssen, ob sich Susan Mallery mit der Vielzahl an Handlungssträngen, die zwar in einander greifen, aber dennoch für den Leser etwas viel waren, wirklich so einen Gefallen getan hat.

Ich vergebe 7 von 10 Punkten, weil mich das Buch auf den Frühling eingestimmt hat.

(Das Cover finde ich sehr gelungen. Auf der Homepage der Autorin ist übrigens das englische Cover zu finden, das sehr farbenfroh ist. Da möchte man doch gern ins Tulpenfeld waten.)

 

 

Verlag: HarperCollins

erschienen: 2019

Seiten: 480

ISBN: 978-3959672429