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Interview // Sandra Lüpkes – Die Schule am Meer

Das neue Buch von Sandra Lüpkes “Die Schule am Meer” ist gerade erschienen. Leider sind die teilweise ausverkauften Lesungstermine sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Dennoch durfte ich Sandra Lüpkes interviewen…

Sie kommen selbst von der Insel Juist, wieviel von Martin Luserke und seiner Schule am Meer ist Ihnen schon vor der Recherche bekannt gewesen?

Die Allermeisten auf der Insel wissen, dass es diese Schule gegeben hat, einige Gebäude stehen ja noch, dort sind jetzt die Jugendherberge und das Küstenmuseum untergebracht. Doch das Schicksal der Schule wurde mitunter nur kurz umrissen: Sie wurde irgendwann in den 1920ern gegründet, viele der Lehrer und Schüler waren prominent, dann musste sie nach ein paar Jahren wieder geschlossen werden, weil es finanzielle und auch politische Schwierigkeiten gab. Das war’s.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Von April bis Oktober war das morgendliche Bad in der Nordsee Pflicht für Schüler und Lehrer

 

Wie kam es dann zu diesem historischen Buch?

Bei einer Lesung im Herbst 2017 im Küstenmuseum habe ich eine Schautafel über die „Schule am Meer“ gesehen und mich das erste Mal gefragt, was für Menschen das eigentlich genau gewesen sind, die all ihr Wissen, ihre Energie, ihr Geld in dieses Internat gesteckt und es ausgerechnet an einem so wenig bequemen Ort wie Juist errichtet haben. Und wie erging es diesen Idealisten, nachdem ihre Vision gescheitert war. Da hatte mich das Thema gepackt.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Das Schulschiff wird zum Wattenmeer gebracht, das Mädchen mit den Zöpfen ist Annis Tochter Renate

 

Wie wurde recherchiert?

Der Museumsleiter Jochen Büsing, den ich noch aus Schulzeiten kenne, hat mich sehr unterstützt und mir erlaubt, im Archiv zu stöbern. Es gibt sehr viele Zeitzeugnisse, Memoiren von Lehrern und Schülern, Zeitungsausschnitte, unzählige Fotos. Doch am spannendsten war das sogenannte Logbuch, ein mehr als 700 Seiten umfassender Schulbericht, in dem täglich das Wetter, die Windrichtung, aber auch Anekdoten, Beschlüsse und vieles mehr notiert wurde. Doch ab der Mitte des Romans wurde mir klar, dass ich auch dringend recherchieren muss, was aus der jüdischen Lehrerin Anni Reiner wurde, eine meiner Hauptfiguren, über die im Logbuch leider nur wenig zu lesen ist. Glücklicherweise fand ich ihre jüngste Tochter Karin, die inzwischen 87jährig in der Nähe von Zürich lebt. Wir haben in einer längst vergessenen Ecke tatsächlich noch viele Briefe entdeckt, die Anni Reiner in den 1930er Jahren an ihre Töchter geschrieben hat.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Eduard Zuckmayer lebte für die Musik, mit dem schuleigenem Orchester und dem Chor wurden mehrfach im Jahr Konzerte anspruchsvolle gegeben

 

Wie schwer war es die realen Personen (z.B. Martin Luserke, Eduard Zuckmayer, Paul und Anni Reiner, Walter und Gisela Jockisch) mit literarischem Leben zu füllen?

Martin Luserke, über den mit Abstand am meisten bekannt ist, hat in meinem Roman keine eigene Perspektive, wir erleben diesen sehr ambivalenten Charakter also nur aus der Sicht seiner Mitmenschen. Das hat es mir vereinfacht, seine Entwicklung in die rechte Richtung zu schildern. Eduard Zuckmayer war mir von Anfang an irgendwie sehr nahe, wahrscheinlich weil uns die Liebe zur Musik eint. Über ihn steht viel in der Autobiografie seines berühmten Bruders Carl, auch wenn dieser einige Dinge überdramatisiert hat, wie ich wiederum durch eine Filmdokumentation erfahren habe. An Anni Reiner musste ich viel feilen, denn sie zwar Mutter und Ehefrau und Idealistin, aber eben keine liebliche Frauenfigur. Von Anfang an hab ich gespürt, dass ich sie nicht so gefühlsduselig erzählen darf. Und ihre Nachfahren haben es mir schließlich bestätigt: Anni war zwar warmherzig, aber auch sachlich, sie handelte lösungsorientiert, selbst in den schlimmsten Schicksalsmomenten. Ihre innere Zerrissenheit schimmerte wenn überhaupt, dann nur ganz sachte durch.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Im Sommer 2019 traf Sandra Lüpkes Karin Reiner, die Tochter ihrer Romanheldin, beide hatten sich viel zu erzählen

 

Welcher Schüler liegt ihnen besonders am Herzen und warum?

Ganz klar: Moskito, der eigentlich Maximilian Mücke heißt und von seinen Eltern, die in Bolivien leben, ins Internat nach Deutschland geschickt wird. Mit ihm gehen wir durch die neun Jahre, die diese Schule existiert hat. Von der Sexta bis zur Oberprima. Wir werden mit ihm erwachsen, erleben Abenteuer, die erste Liebe, das Zerbrechen einer Freundschaft und die Versöhnung. Moskito ist fiktiv, jedoch setzt er sich aus verschiedenen Schülern zusammen, deren Jugenderinnerungen ich gelesen habe.

 

Auf den ersten Blick ist das Buch eine Internatsgeschichte. Lehrer mit eigenen Sorgen, Nöten und Idealen treffen auf ihre Schützlinge, die ihre eigene Geschichte mit auf die Insel bringen und sich nach und nach entfalten. Es hat mich ein bisschen an meine Lieblingsgeschichten von früher erinnert: Hanni und Nanni, Dolly, Burg Schreckenstein (nur erwachsener thematisiert)…haben Sie diese Bücher früher auch gelesen?

„Hanni und Nanni“ lag natürlich auch auf meinem Nachttisch. Jedoch war ich selbst mal ein Jahr auf einem Internat. Da es auf Juist kein Gymnasium gibt, bin ich mit 15 auf’s Festland in eine Heimschule extra für Inselkinder. Dort kollidierte dann die Romantik mit der Realität, ich hab es nur ein Jahr ausgehalten und bin dann mit meinem älteren Bruder in eine WG gezogen. Allerdings hatte ich während meiner Internatszeit den besten Deutschlehrer überhaupt, noch heute stehen wir in Kontakt.

 

Die Seele der Küche Kea hat einiges zu bieten. Welche Gerichte haben Sie selbst davon schon einmal gekocht/gegessen?

Grünkohl, das Gericht, mit dem Kea sich in die Herzen der Schulleitung gekocht hat, ist eine meiner Spezialitäten. Auch Klütje mit Birnen und Vanillesauce habe ich früher, als meine Kinder noch klein waren, gern gekocht. Und wenn ich jetzt an Neujahrskuchen denke, möchte ich gleich mein Waffeleisen rausholen … Also: Ja, ich liebe die ostfriesische Küche und hab die Kea-kocht-Szenen knallhart recherchiert 😉

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Im Eiswinter 1928/29 landeten die Versorgungsflieger am Juister Strand, später stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine geheime Militärstaffel gehandelt hat

 

Wie fühlt man sich als Autor, wenn man eine solche Szene wie die Bücherverbrennung schreibt?

Auch das ist so ein Thema, dem ich mich erst durch die Arbeit an diesem Roman wirklich genähert habe. Was bedeutet es, wenn die Obrigkeit darüber entscheidet, welche Bücher gelesen werden sollen – und welche zerstört werden müssen. Denn es heißt ja: Welche Geschichten darf es geben – und welche nicht. „Berlin Alexanderplatz“,  „Im Westen nichts Neues“, die Werke von Ringelnatz und Tucholsky – noch heute aktuell und weise, doch wenn es nach den Nazis gegangen wäre, hätten wir keine Erinnerung mehr daran. Ist das nicht furchtbar?

Ohne zu Spoilern, hat mich Moskitos Schicksal mit nur einem kleinen Wort getroffen und mich traurig das Buch beenden lassen. Musste dies als literarische Mahnung sein?

Es ist schwer, spoilerfrei darauf zu antworten. Aber soviel: Die Welt stand damals am Abgrund, ohne es zu wissen. Die Eltern und Lehrer haben viel investiert, um ihren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen – und dann mussten sie diese in den Krieg schicken. Das ist vielleicht tatsächlich eine Mahnung: Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir wissen, was gewesen ist. Deshalb sollten wir wachsam bleiben.

Eigentlich hätten die ersten Lesungen zu dem Buch stattfinden sollen (auch meine Karte hängt leider ganz verloren an der Pinnwand), verraten Sie uns ein bisschen, was uns auf der Lesung erwarten wird, wenn wir alle wieder ins öffentliche Leben zurückkehren dürfen…(Musik? Fotos?)

Ja, genau heute (26.3.2020) hätte bei meiner Lieblingsbuchhandlung „Leuenhagen & Paris“ die Buchpremiere stattgefunden. Es ist so schade, dass nun alles ausfällt beziehungsweise auf ungewissen Zeit verschoben wurde. Abgesehen von einer unbändigen Vorfreude hätte ich meinen Beamer mitgebracht und dem Publikum neben den Lesepassagen Fotografien gezeigt. Historische und aktuelle gleichermaßen, denn die Arbeit an diesem Buch ist im Grunde genau so spannend wie der Roman selbst. Daran hätte ich die Leser*innen gern teilhaben lassen. Aber Kopf hoch, es wird schon werden! Bis dahin bleibt Zeit zum Lesen oder – in meinem Fall – über einen neuen Roman nachzudenken …

© Sarah Koska

 

Vielen Dank für das Interview und ich werde hoffentlich bald von der Lesung in Hannover berichten können.

Interview/ Special

Special // Blogger-Adventskalender 2019: Türchen Nummer 10 // Interview mit Markus Heitz

© Mona Tintenhain

© Mona Tintenhain

 

Dieses Jahr bin auch ich Teil des Blogger-Adventskalenders, der von der lieben Mona von Tintenhain.de organisiert wird. Als besonderes Weihnachtsschmankerl habe ich hier ein Interview mit Markus Heitz für Euch. Der Meister der Zwerge, Vampire, Werwölfe und andere unglaubliche Kreaturen hat in diesem Jahr das Buch “Der Tannenbaum des Todes” veröffentlicht. Da mir diese schwarzhumorigen Geschichten so gefallen haben, war ich natürlich begeistert, von der Bereitschaft, ein Interview zu geben. Wem also der Schokoladenadventskalender zu trist und fad ist, der sollte ihn unbedingt mit diesem Büchlein aufstocken. Doch nun zum Interview:

© Sonja Kochmann – März 2017

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Wirtshaus „Zum alten Bahnhof“?

MH: Oh, Willi und ich kennen uns noch aus den Tagen, als ich einen Irish Pub hatte. Dort tauchten nach Dienstschluss gerne die Mannschaften aus der Hotel- und Gastrobranche zum Absacker auf, und wir kamen ins Gespräch. Als er sich mit seiner Frau selbstständig machte und ich öfter in seinem Alten Bahnhof einkehrte, entstand die Idee: Lass uns doch mal was zusammen machen. Hat sich nicht als Schnapsidee erwiesen, wie wir feststellten. Das sind jetzt… elf Jahre? Zwölf? Wie die Zeit vergeht.

Wie lief die Veranstaltung „Böser die Glocken“ ab?

MH: Die gibt es immer noch, und ein Ende ist nicht abzusehen! Zum Glück. Es geht immer im Wechsel zwischen verschiedenen Gängen und Kurzgeschichten. Dabei verfliegen die Stunden recht schnell.

Christkind oder Weihnachtsmann im Hause Heitz?

MH: Weder noch. Klingt komisch, ist aber so. Die alte Tradition allerdings besagt, dass das Christkind die Geschenke bringt.

Nur der Nikolaus ist ein Streitfall: Füllt er den Stiefel nun am 6.12. abends oder in der Nacht vom 5. auf den 6.?

Das Christkind kommt ja auch erst am 24. abends…

Da scheiden sich die Geister der Weihnacht.

© Sonja Kochmann

 

Was war das schönste und welches das schrecklichste Geschenk, das Sie jemals erhalten haben?

MH: Puh, an schreckliche Geschenke kann ich mich gar nicht erinnern. Da hatte ich Glück. Und meine schönsten Geschenke bekam ich abseits von Weihnachten, glaube ich, aber die verrate ich nicht. Sind ja meine Geschenke gewesen.

Abgesehen davon bin ich großer Fan des Schrottwichtelns! Da weiß man vorher schon, was auf einen zukommt und freut sich auf den unsinnigen, blöden Quatsch.

Ab wann haben Sie nicht mehr an den Weihnachtsmann geglaubt und warum?

MH: Ich denke, das Thema war mit Ende der Grundschulzeit durch, und auch da musste ich mich schon sehr anstrengen, es bis dahin beizubehalten. Man bekommt es als Kind doch mit.

Dennoch war der Gedanke schön, dass ein geheimnisvoller Zauber der Weihnacht dafür sorgte, dass sich der Stiefel füllte und der Wunschzettel mitgenommen wurde.

Mist, ich hatte nie Abschriften gemacht. Sonst könnte ich ja eine Resteliste machen: „Dinge, die noch fehlen“ – das ist fast schon ein Buchtitel!

Gab es einprägende Erfahrungen mit Makronen und anderem Weihnachtsgebäck?

MH: Nur, dass die Geschmäcker sehr verschieden sind. Ich halte schnöden Mandelspekulatius für extrem langweiliges Gebäck, aber Gewürzspekulatius ist der Himmel. Dazu eine gute Tasse Tee – perfekt.

Aber nie NIE vor dem ersten Advent!

Ich boykottiere Lebkuchen im Spätsommer.

Einmal biss ich auf eine Kreation, bei der es jemand mit Orangeat und Zitronat sehr gut meinte. DAS war übel. Ich mag das Chemieobst ohnehin nicht, doch das machte es… schwer zu sagen. Ich hatte diesen Geschmack gefühlt zwei Tage im Mund.

© Sonja Kochmann

 

Welche Weihnachtstraditionen pflegen Sie?

MH: Lebkuchen selbst backen. Das ist ein Muss, mit vielen Gewürzen.

Sind die Räumpflicht und die penible Ausführung für Sie typisch deutsch? Was fällt noch darunter?

MH: Hahaha, ja, die Räumpflicht ist so eine Sache. Im Prinzip sinnvoll, aber umgekehrt nehmen sich die Gemeinden das Recht heraus, Wege und Straßen nicht zu räumen. Da wäre ich schon für Gleichheit, wobei ich auf etwa 200 Metern Höhe da gut lachen habe. Der Schnee liegt bei uns maximal einen halben Tag, dann ist er bereits getaut. Schade.

Oh, typisch ist es auch, samstags die Straße zu kehren. Die Räumpflicht ist wahrscheinlich die Fortführung dieser Beschäftigungsfolter.

Auf Island müsste man leben: Die nutzen die Geothermie, um die Straßen einfach aufzutauen. Perfekt! Liegenbleiben und sich über Eis und Schnee freuen, ohne die Schaufel schwingen zu müssen.

Welche Weihnachtslieder müssen sein?

MH: Als Empfehlung und nicht das, was ich unbedingt höre, einfach mal: “Grandma got run over by a reindeer.” Herrlich albern! https://www.youtube.com/watch?v=MgIwLeASnkw

Ansonsten gerne auch Weihnachten mit den StarWars-Charakteren „Christmas in the Stars“. Einfach schön schräg! Was es alles gibt. https://www.youtube.com/watch?v=5X-O_mn4aS8

Was ich natürlich höre: „A Nightmare before Christmas“. War klar, nehme ich an?

Und das magische „Shchedryk“, im Westen bekannt als „Carol of the Bells“.

Aber eigentlich -so sagt es die Legende- hat es seinen Ursprung in einem alten Zauberspruch, der mit Weihnachten gar nichts zu tun hatte.

Tante Wiki sagt: „The song is based on a traditional folk chant whose language was thought to have magical properties. The original traditional Ukrainian text used a device known as hemiola in the rhythm (alternating the accents within each measure from 3/4 to 6/8 and back again). The chant based on an ostinato four-note pattern within the range of a minor third is thought to be of prehistoric origins and was associated with the coming New Year which in Ukraine before the introduction of Christianity was originally celebrated in April.“

Na, das ist doch mal was!

Das ukrainische Volkslied wurde später umgetextet. Das erklärt, warum er sich so komplett anders anhört als die üblichen Weihnachtssongs. Gänsehaut!

Was steht Weihnachten im Hause Heitz auf dem Tisch und wer steht in der Küche?

MH: Um ehrlich zu sein, finde ich den 22.12. spannender. Je nach Wetter ein Feuer im Freien entzünden und die längste Nacht mit einem guten Getränk genießen.

An Weihnachten ist das eine spontane Sache: selbst kochen, weggehen, je nach Lust und Laune.

Funfact: Damals im Pub war die Bude ab 21 Uhr ziemlich voll. Das Weggehen am 24.12. kann ich nur empfehlen, und man wird feststellen: Alle sind freundlich und locker wie sonst nie im Jahr.

Vielen Dank für das Interview und wer jetzt noch gern meine Rezension zu dem Buch lesen mag, der findet Sie nochmals hier im Anschluss:

© Sonja Kochmann

 

Mit dem Buch „Der Tannenbaum des Todes liefert Markus Heitz schwarzen Humor im Weihnachtsgewand ab.

Mit seinem besonderen Schreibstil sind diese Geschichten als literarischer Adventskalender oder als ein lustiges Buch am Stück ein toller Auftakt für die Vorweihnachtszeit.

Morbide, makaber, mörderisch, martialisch und multitödlich…

Wir lernen, dass ein Jutesack allerhand enthalten kann, dass der Nikolaus durchaus Rache nimmt, dass dieser im Konkurrenzkampf mit dem Christkind, Knecht Ruprecht und dem Weihnachtsmann steht und dass es einen blutrünstigen Osterhasen gibt.

Darüber hinaus erfahren wir, von Kindern, die auf lustige Art und Weise die Weihnachtsgeschichte zerpflücken, dass es wahrhaftig Methodenkompetenzen bei der Räumpflicht gibt, dass ein Nikolaus eine moderne Grundausstattung benötigt, dass Kevinismus und Corporate Identity sich auch auf Weihnachten ausüben.

Unvorstellbar? Neugierig? Dann ran ans Buch!

Die schwarzhumorigen Weihnachtsgeschichten enthalten Wortspiele und Verkettungen à la Stenkelfeld, Anspielungen an Harry Potter, Herr der Ringe, den Erlkönig und viele mehr, so dass ich teilweise beim Lesen Tränen gelacht habe.

Optisch aufgepeppt wird das Buch durch Illustrationen von Ingo Römling.

Wer Weihnachten bei den Hoppenstedts mag und Weihnachten mal mit anderen Geschichten einleiten will, dem empfehle ich auf jeden Fall dieses Buch.

Wer noch eine lustige Geschichte zum Vorlesen für die Firmenweihnachtsfeier benötigt, der wird hier nicht nur fündig, sondern erfährt auch, was auf solch einer Feier alles passieren kann. Ich vergebe volle Punktezahl und werde zukünftig Weihnachtsmännern in freier Wildbahn skeptischer begegnen.

 

Verlag: Droemer Knaur

erschienen: 2019

Seiten: 272

ISBN: 978-3426524343

 

Interview/ Special

Special // Interview mit Cally Stronk und Christian Friedrich

© Cally Stronk und Christian Friedrich

Bereits im letzten Jahr sind mein Sohn und ich auf das Vorlesebuch „1-2-3 Minutengeschichten: Kunterbunte Weihnachten“ von Cally Stronk und Christian Friedrich aufmerksam geworden. Da mein Sohn auch in diesem Jahr wieder nach dem Buch und der gemeinsamen Vorlesezeit gefragt hat, wollte ich Euch dieses Buch nochmals zusammen mit einem tollen Interview der Autoren ans Herz legen:

© Sonja Kochmann

Wie und wann kam die Idee zu einem Vorlesebuch mit dem Thema Weihnachten und wie kam es zu der Unterteilung in 1-2-3-Minuten-Geschichten?

Christian: Die „1-2-3-Minuten-Geschichten“ sind eine Idee von Manfred May, in dessen Tradition wir stehen.

Wir finden die Unterteilung sehr schön, da können die Eltern gleich schauen wie lange eine Geschichte ungefähr dauert und vielleicht sogar mehrere Geschichten nacheinander vorlesen.

Cally: Der Ravensburger Verlag hatte mich angefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein Vorlesebuch mit 40 Weihnachtsgeschichten zu schreiben. Da dachte ich erstmal: Puh, 40 Weihnachtsgeschichten, die es noch nicht gibt? Das ist schon hart. Dann haben Christian und ich drüber nachgedacht und hatten zusammen superschnell über 50 Ideen. Da wusste ich, dieses Buch müssen wir zusammen schreiben.

© Sonja Kochmann

Worauf muss/sollte man bei Geschichten für Kinder achten? Welche Themen sind tabu?

Cally: Ziel ist es für mich immer, an den Erfahrungsschatz der jeweiligen Altersgruppe anzudocken, dass die Kinder sich wiederfinden. Bei der Themenwahl kommt es immer drauf an, wie man die Geschichte genau aufbereitet. Da muss man auf sein inneres Gefühl und seinen Verstand hören.

Für mich ist es wichtig, Themen aufzugreifen, die die Kinder beschäftigen, wie zum Beispiel in meiner und Constanze von Kitzings Leonie Looping-Serie die Umweltthemen. Kinder machen sich um unsere Welt große Sorgen, sie bekommen auch mit, dass das Klima sich verändert. Die Bücher bieten da einen guten Ansatz, um darüber zu sprechen und selbst aktiv zu werden.

Ein Tabu ist es auf jeden Fall, Kinder hoffnungslos zu hinterlassen. Wir möchten Werte vermitteln und Lösungsansätze aufzeigen. Denn Kinder sind unsere Zukunft. Es ist wichtig, dass sie ernst genommen werden.

© Sonja Kochmann

Ich habe früher immer Schnüpperle in der Vorweihnachtszeit gelesen…gibt es ein Kinderbuch, das für Euch seit der eigenen Kindheit mit Weihnachten verbunden wird?

Christian: Mir fällt grad keins ein.

Cally: Wir hatten auch keine so richtige Familien-Weihnachtsgeschichte. Aber ich mochte „Hilfe, die Herdmanns kommen“ von Barbara Robinson immer sehr gerne. Obwohl ich das auch außerhalb der Weihnachtszeit gelesen habe. Das mochte ich supergerne. Weil es auch ein bisschen schräg und anders ist.

Weihnachtsmann oder eher Christkind?

Cally: Meine Mutter hat immer im Auftrag des Christkinds gearbeitet und ein Glöckchen geläutet, wenn wir das Wohnzimmer betreten durften.

Christian: Bei uns gab es am 6.12. einen Nikolaus und am 24.12. ein Christkind. Das hatte komischerweise Ähnlichkeit mit einer Patentante von mir.

© Sonja Kochmann

Was war das schönste und welches das schrecklichste Geschenk, das Ihr jemals erhalten habt?

Christian: Das schönste: Ein Playmobil Piratenschiff, das war wunderschön. Das schrecklichste: Ein

Setzkasten, den ich nicht wirklich gebrauchen konnte.

Cally: Für mich war das schönste Geschenk eine Puppenstube, die meine Eltern selbst gebaut haben. Sie haben sogar tapeziert und Teppich verlegt. Richtig toll! An ein schreckliches Geschenk kann ich mich nicht erinnern.

Welche Weihnachtstraditionen pflegt Ihr?

Cally: Feiern mit der Familie. Das ist besonders schön.

Christian: Außerdem lesen wir uns oft gegenseitig Weihnachtsgeschichten und andere Bücher vor.

© Cally Stronk und Christian Friedrich

Welche Weihnachtslieder müssen sein?

Cally: Wir singen immer ein paar. Was immer sein muss, ist: Stille Nacht, heilige Nacht! Der Rest ist flexibel.

Einmal hatten wir einen spanischen Gast an Weihnachten zu Besuch, deshalb haben wir Felice Navidad gesungen. Das machen wir immer noch gerne.

Was steht Weihnachten auf dem Tisch und wer steht in der Küche?

Cally: Oh, das ist auch unterschiedlich. Wir wechseln uns ab und teilen die Aufgaben auf. Dieses Jahr gibt es Raclette an Heiligabend. Da kann unsere kleine fast 2-jährig Nichte prima mitmachen. Außerdem ist es lecker 🙂

Wird es ein weiteres Vorlesebuch mit 1-2-3-Minuten-Geschichten geben? (Vielleicht mit den Jahreszeiten, Ostern oder den Ferien als Thema?)

Cally: Mal schauen. Wir haben noch viele Ideen!

Wird es auch mal Bücher für Erwachsene von Euch geben oder bleibt es bei Zielgruppe der kleinen Leser?

Christian: Wir haben auch schon Konzepte und Probeseiten für andere Altersgruppen in der Schublade, aber Kinderbücher zu schreiben, macht superviel Spaß. Bei Lesungen merken wir immer wieder: Kinder haben einen besonderen Sinn für Humor und freuen sich immer über unsere Geschichten.

Cally: Meistens schreiben wir das zuerst, worauf wir am meisten Lust haben. Im Moment werden wir gerade älter von der Zielgruppe her. Im nächsten Jahr kommen auch Bücher für Kinder ab 10 Jahren. Zum Beispiel erscheint im Mai 2020 im dtv Verlag der Comicroman „Unheimlich peinlich“, den meine Freundin Constanze von Kitzing illustriert. Da freuen wir uns mega drauf. Das ist ein richtiges Lieblingsbuch geworden. Und das ist unser Ziel: Wir wollen nur noch Lieblingsbücher machen J

Wie schreibt Ihr? Wie verläuft ein Arbeitstag bei Euch?

Cally: Immer unterschiedlich. Wir sind da total flexibel.

Wer ist Euer Lieblingsschriftsteller?

Christian: Ich mag ganz verschiedene Autoren und Autorinnen: Juli Zeh, Peter Prange, Artur Dziuk zum Beispiel.

Cally: Ich mag die Bücher von Ursula Poznanski sehr gerne und von Neal Shusterman. Ich lese total gerne Jugendbücher.

Was ist Euer Lieblingsbuch?

Cally: „Momo“. Es ist so zeitlos.

Christian: „Theo und der Mann im Ohr“ von Cally Stronk 🙂

Welche/n Autor/in würdet Ihr gerne mal treffen?

Christian: Ich hätte gerne mal Stan Lee getroffen, den Schöpfer vieler Marvel-Comicfiguren. Außerdem den Science-Fiction-Autor Philip K. Dick. Er hat Geschichten geschrieben, die Vorlage waren für Filme wie Blade Runner, Total Recall oder Minority Report. Leider sind beide nichtmehr auf dieser Welt, aber ihre Geschichten sind auch heute noch fesselnd.

Cally: Ich habe letztens Elfy Donnelly, die Autorin von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg, interviewen dürfen, das war schon sehr besonders. Georg R. R. Martin, den Autor von Game of Thrones, würde ich auch gerne mal interviewen, dazu wie er so arbeitet. Ich bewundere es, dass nichts voraussehbar in seinen Geschichten ist. Das ist stark.

Vielen lieben Dank. Mein Sohn und ich freuen uns auf weitere Bücher von Euch und drücken die Daumen, dass „1-2-3 Minutengeschichten: Kunterbunte Weihnachten“ noch viele Leser bekommt. Wer nun noch mal meine Rezension lesen will, der findet diese gleich im Anschluss:

© Sonja Kochmann

Weihnachten rückt immer näher. Und was gehört zu Weihnachten? Kuscheln und Geschichten vorlesen….Doch ach Schreck liebe Eltern, nach einem laaaaaaaaaaaaaaaangen Arbeitstag will die Stimme nicht mehr oder die Buchstaben verschwimmen vor der Brille? Wie findet man bloß eine schöne Geschichte für die lieben Kleinen? Ganz einfach: mit diesem Buch.

Denn hier wurden ganz viele und tolle Geschichten zusammengetragen; rund um Weihnachten; und ganz einfach nach der Tageskondition auszuwählen. Denn im Inhaltsverzeichnis können die Vorleser erkennen, ob es sich um eine kurze, mittellange oder lange Geschichte  handelt. Sollten also die Äuglein vom Junior schon ganz klein oder Eure Stimme schwach sein, dann sucht Euch schnell eine blaue Eins heraus.

Einer unserer (mein Sohn Justus und ich) Favoriten war eindeutig “Der größte Adventskalender der Welt”: Man glaubt es kaum, auch Geisterkinder sind vor Weihnachten hibbelig. Wer also die Zeit zum nächsten Türchen kaum abwarten kann, der sollte es mal mit Spuken versuchen…ach ne, das durfte ja nur das Gespensterkind in der Geschichte. Aber eine super Idee, wenn die Zeit mal wieder zu lange wird.

Viele der Geschichten enthalten (natürlich ganz unauffällig) eine Prise Lehrreiches für die lieben Kleinen. Das konnte ich selbst ganz gut beobachten. Denn beim Betrachten der schönen Bilder und dem Vorlesen kamen ab und an Zwischenrufe wie “Das macht man doch nicht!” “Das gehört sich nicht.” “Oje.”

Ein weiterer Favorit war für uns übrigens “Rudolphs Rentierschnupfen.” Klar wir wissen alle, dass das Tier seit Jahrzehnten eine rote Nase hat, aber habt ihr schon mal überlegt warum? Eine Erkältung? Nein, viel zu einfach. Eine Allergie! Ja, also vielleicht DIE Geschichte, um Kinder zu trösten, die genau wie Rudolph nicht alles essen dürfen.

Ich kann Euch dieses Buch als Mama wirklich empfehlen. Wir hatten beim Lesen viel Spaß und vergeben volle Punktzahl!

 

Verlag: Ravensburger

erschienen: 2018

Seiten: 144

ISBN: 978-3473365937