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Special // Interview mit Meike Werkmeister

Meike Werkmeister nimmt uns mit dem Buch “Sterne sieht man nur im Dunklen” mit auf meine Lieblingsinsel Norderney. Ich durfte der Autorin noch ein paar Fragen stellen:

© Sonja Kochmann

Wie lange dauerte das Schreiben für das Buch „Sterne sieht man nur im Dunkeln“?

 

Von der ersten Idee bis zum fertigen Manuskript habe ich etwa ein Jahr lang daran geschrieben. Allerdings geschah dies nicht am Stück, da ich auch als freie Journalistin arbeite und parallel ein Sachbuch-Projekt angenommen hatte.

 

 „Sterne sieht man nur im Dunkeln“ ist nicht Dein Erstlingswerk. (Das müsste „Nachspielzeit in Sachen Liebe“ sein.) Wer oder was hat Dich generell zum Schreiben gebracht?

 

Wie die meisten Autoren schreibe ich eigentlich immer schon – als Kind vor allem Briefe, als Jugendliche Gedichte und Kurzgeschichten. Ernsthaft mit dem ersten Romanprojekt gestartet bin ich vor etwa zehn Jahren, dieses wurde allerdings nicht veröffentlicht. Seitdem habe ich einige Ideen angefangen und verworfen. 2016 hat der E-Book-Verlag dotbooks dann meinen Roman „Nachspielzeit in Sachen Liebe“ herausgebracht, wofür ich viel nettes Feedback von LeserInnen bekommen habe. Alle diese Erfahrungen haben mich als Autorin weitergebracht. „Sterne sieht man nur im Dunkeln“ fühlt sich für mich an wie ein Debüt, weil es mein erster gedruckter Roman ist, und mein erster bei einem großen Publikumsverlag.

 

Wie schreibst Du? Wie verläuft ein Arbeitstag bei Dir?

 

Wenn ich schon mitten in einer Geschichte drin bin und weiß, wohin sie geht, schreibe ich manchmal stundenlang am Stück und kann gar nicht mehr aufhören. In der Phase, in der ein Buch entsteht, ich mir noch Gedanken über Figuren und Handlung mache, gehe ich gern spazieren, höre viel Musik und suche überall Inspiration, mein Notizbuch ist immer dabei. Die besten Ideen habe ich nicht am Schreibtisch, sondern zufällig unterwegs im Bus, an der Käsetheke, bei einem Konzert oder in Gesprächen mit anderen.

 

Warum gerade Norderney?

 

Ich fahre schon seit meiner Kindheit in den Ferien auf die Insel. Norderney ist für mich ein bisschen wie eine zweite Heimat am Meer und ein Sehnsuchtsort. Ich liebe die langen Strände mit dem feinen weißen Sand, die Dünen, den Wind, die Wellen. Ich empfinde diese Umgebung als sehr inspirierend, deswegen hat es auch großen Spaß gemacht, sie als Schauplatz für meinen Roman zu verwenden.

 

© Sonja Kochmann

Wo ist Dein Lieblingsort auf der Insel?

 

Der Nordstrand unterhalb vom Surfcafé am Januskopf. Dort sitze ich gern mit meiner Familie auf Surfbrettern im Wasser. Wir machen Wellenreiten und lieben diesen Ort über alles – bei jedem Wind und Wetter.

© Sonja Kochmann

Im Buch kommen kaum Straßennamen und Orte auf Norderney vor. Mir hat Sandra Lüpkes mal erklärt, dass dies Lektoren nicht so gern sehen. Ist das hier auch so gewesen? Wo wäre das Café ungefähr zu finden?

 

Die Entscheidung, wenige konkrete Ortsnamen zu verwenden, kam instinktiv beim Schreiben. Das Restaurant „Weiße Düne“ etwa, an dem Anni und Simon an einer Stelle im Buch vorbeischlendern, erkennt jeder, der schon einmal dort war. In einem Magazinartikel hätte ich den Namen genannt, im Roman überlasse ich solche Dinge lieber der Phantasie. Für Marias Café Strandmuschel gibt es auf Norderney hingegen kein echtes Vorbild. Es befindet sich in meiner Phantasie am Rand der Dünen am Nordstrand.

© Sonja Kochmann

Wie kam es zu der Idee mit Annis Plakaten und schließlich der Zusammenarbeit mit Renata Wolff von www.hausnr26.de?

 

Ich habe mir Anni als eine gefühlvolle, kreative Person vorgestellt, die einen Ausgleich zu ihrem Job als Game-Designerin pflegt, bei dem sie völlig frei ihre eigenen Ideen umsetzen kann. Ich mag gerne Sprüche und schöne Prints, und irgendwann kam mir die Idee, dass es gut zu Anni passen würde, wenn sie in ihrer Freizeit welche entwirft. Die Sprüche habe ich mir ausgedacht, aber grafisch umsetzen konnte ich sie selbst nicht. Es war mir wichtig, dass die Prints im Buch einen bestimmten Look haben, daher habe ich auf Etsy (damals noch Dawanda) nach Hobby-Illustratoren gesucht. Da bin ich auf Renata Wolffs Shop „Haus Nr. 26“ gestoßen und habe mich direkt in ihre Entwürfe verliebt. Genau so hatten Annis in meiner Phantasie ausgesehen. Ich habe Renata angerufen und konnte sie zum Glück schnell davon überzeugen, mitzumachen. Sie hat so schöne Prints für das Buch entworfen, ich liebe jede einzelnen davon.

 

Welches ist Dein Lieblingsspruch aus dem Buch?

 

„Wenn das Leben dir Sturm schickt, mach wenigstens die Haare auf“. Das sage ich mir insgeheim, wenn ich einen schlechten Tag habe, und es bringt mich direkt zum Schmunzeln.

© Meike Reiners

Anni liebt das Medley von Pur als Loslass-Song. Was ist Deiner?

 

Zu PUR tanze ich auch gerne, aber ich liebe alles Mögliche zum Tanzen, zum Beispiel Britney Spears und alle Boybands. Wenn ich aktuell einen Song wählen müsste, wäre es „Don’t stop me now“ von Queen.

 

Besteht die Möglichkeit, noch ein Buch auf Norderney spielen zu lassen?

 

Ich liebe diese Insel und empfinde sie als grandiosen Schauplatz. Also von mir aus: gern!

© Sonja Kochmann

Wie stehst Du zu Buchreihen? Bist Du davon begeistert, oder magst Du lieber Einzelbücher?

 

Ich mag beides. Manche Bücher sind in sich abgeschlossen, andere nicht. Den Vierteiler von Elena Ferrante habe ich zum Beispiel verschlungen. Die irische Autorin Marian Keyes hat sich einst für jede Schwester der Walsh-Familie einen eigenen Roman ausgedacht, das habe ich geliebt, denn die anderen kennt man beim Lesen bereits. Wenn die Geschichte und die Figuren es hergeben, finde ich Reihen toll.

Vielen Dank für das Interview. Ich hoffe auf ein (persönliches?) und literarisches Wiedersehen….viel Erfolg weiterhin.

 

Interview/ Special

Special // Interview mit Marc Elsberg

Marc Elsberg hat wieder die Spiegel-Bestseller-Liste erobert und das zu Recht. Mit einem Gespür für bewegende Themen hat er sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Ich habe das erste Mal 2012 eine Lesung mit ihm besucht und durfte Ihn schon damals interviewen. (Das Interview wurde damals erstmalig unter kleeblatts-bücherblog veröffentlicht und findet sich auch hier wieder.)

Nachdem ich „Gier“ verschlungen hatte, fragte ich Marc Elsberg nach einer neuen Interviewmöglichkeit und hier sind die Fragen:

  • Sie werden inzwischen gerne bei Gesprächsrunden hinzugezogen. Hand aufs Herz, was hat sich seit „Blackout“ alles getan bzw. für Sie geändert?

Ich bin zum Beispiel aus der Werbung ausgestiegen und Vollzeitautor. Und eben oft zu Vorträgen und Diskussionen bei Wirtschaft und Politik eingeladen.

  • Was ist das für ein Gefühl, mit „Blackout“ ein immer wiederkehrendes brisantes Thema angestoßen zu haben?

Das ist mir auch mit „Zero“ und „Helix“ gelungen und wohl auch mit „Gier“, wie man an ersten Reaktionen etwa von Wirtschaftsredaktionen bemerkt. Es ist schön zu sehen, dass man auch als Thrillerautor Gedanken- und Diskussionsanstöße geben kann.

© Sonja Kochmann

 

  • Gab es bei all den kritischen Büchern auch mal negatives Feedback?

Natürlich, immer wieder. Sowohl was den Stil der Bücher als auch die Inhalte betrifft. Aber damit muss man umgehen können, wenn man sich in die Öffentlichkeit begibt – und als Autor tut man das mit jeder Veröffentlichung zwangsläufig.

  • Haben Sie immer noch Vorräte gebunkert oder sind Sie nachlässig geworden? (Wir haben hier auf jeden Fall Trinkwasser gebunkert.)

„Gebunkert“ habe ich gar nichts. Ich habe, wie jeder vernünftige Mensch, für ein paar Tage Vorräte zuhause. Etwa die Menge, die auch die behördlichen Empfehlungen sind.

  • Im neuen Buch „Gier“ wird davon gesprochen, dass viele offen zu ihrem Unverständnis/Verständnis zu mathematischen Problemen stehen? Wie sehr liegt Ihnen die Mathematik?

So sehr, dass ich die Beispiele in ‚Gier‘ so einfach machen musste, dass ich praktisch ohne rechnen auskomme, um sie auch selber zu verstehen. Wobei man Mathematik wesentlich mehr ist als bloß Rechnen.

  • Was hat Sie zu diesem Buch inspiriert?

Die gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte: die zunehmende Spaltung unserer Gesellschaften in vielen Bereichen – links/rechts, jung/alt, Stadt/Land, arm/reich und so weiter – und natürlich die Arbeiten der Wissenschaftler am London Mathematical Laboratory, die in ‚Gier‘ eine wichtige Rolle für mögliche Lösungen dieser Probleme spielen.

  • Warum haben Sie gerade Berlin als Schauplatz für „Gier“ gewählt?

Berlin ist eine Weltstadt, in der Weltpolitik gemacht wird. Es ist groß genug, um große Demonstrantenmassen auf die Straße zu bringen, die ich für ‚Gier‘ wollt. Und ich mag die Stadt einfach.

  • Hätten Sie gedacht, dass Ihr Zitat von Karl Lagerfeld zum Erscheinungstermin tatsächlich in aller Munde sein würde?

Von wegen Trainingshosen und Kontrolle über sein Leben verloren? So etwas kann man nicht planen.

  • Sie haben in einem Interview mit Manfred Rebhandl erwähnt, dass Sie gerne Netflix Serien schauen. Welche Serien haben es Ihnen angetan? House of Cards? Designated Survivor? Oder etwas ganz anders?

House of Cards, Manhunt, Mindhunter, The Get Down, Glow

  • Dürfen Sie schon das Thema Ihres nächsten Buches verraten?

Nein 😉

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg. Wer nun neugierig geworden ist, sollte die Augen offen halten nach den Terminen für die Lesungen zu dem aktuellen Buch “Gier”. Für Hannover waren die Karten leider schon vergriffen, aber vielleicht habt Ihr in anderen Städten oder auf der Leipziger Buchmesse ja Glück.

© Sonja Kochmann

Interview

Interview // Sandra Lüpkes

 
 
Sandra Lüpkes gehört zu den Autorinnen bei denen ich sofort eine Karte zur Lesung kaufen muss. Warum? Es ist immer ein lustiger und musikalischer Abend, der mich von meiner Nordsee träumen lässt…..Ich hatte anlässlich des neuen Buches “Inselfrühling” die Gelegenheit ein paar Fragen an Sandra Lüpkes zu stellen:
 
Folgende Links kennzeichnen wir gemäß
§ 2 Nr. 5 TMG als Werbung:
Quelle: https://www.sandraluepkes.de
Folgende Links kennzeichnen wir gemäß
§ 2 Nr. 5 TMG als Werbung:
Quelle: https://www.sandraluepkes.de
 
 
Haben Jannike, Mattheusz und Co. echte Vorbilder? Ein paar
schrullige Insulaner vielleicht? Oder wie sind Sie auf diese Protagonisten
gekommen?
Es gibt tatsächlich einige Vorbilder, allerdings niemals
eins zu eins. Die Figuren sind oft eine Mischung aus  mehreren Personen, mit denen ich während
meiner Zeit auf Juist zu tun hatte. Witzigerweise erkennen sich manchmal auch
Leute in den Büchern wieder, die ich gar nicht gemeint habe.
Gibt es einen Grund, warum die Hoteldirektoren bei Ihnen
immer so schwierige Gestalten sind (Gerd Bischoff bei Jannike und der Direktor
bei der Sanddornkönigin)?
Gut beobachtet! Tatsächlich ist es so, dass die Besitzer
der größten Hotels auf der Insel viel zu melden haben, sie sitzen oft im
Gemeinderat und der Gaststättenverband hat an einem Touristenort auch viel mehr
Einfluss als anderswo. Wer eine solche Position bekleidet, bringt einen
dominanten Charakter oft schon mit. Oder hat ihn in die Wiege gelegt bekommen,
wie Gerd Bischoff, der ja nicht ganz freiwillig das Familienhotel übernommen
hat, wie wir in „Inselfrühling“ erfahren.
Im neuen Buch kommt eine bisschen Seemannsgarn zum Einsatz.
Was halten Sie von diesen „alten Geschichten“ die man am besten bei einem Grog
genießt?
Ich liebe alte Sagen und Novellen. „Der Schimmelreiter“ ist
seit meiner Jugend mein unangefochtenes Lieblingsbuch. Auch wenn die Inseln ja
heutzutage relativ abgesichert sind, die Erinnerungen an raue, harte Zeiten und
den Kampf gegen das Meer bleiben dennoch allgegenwärtig.
Quelle: Sandra Lüpkes
Wie kam es zum Einsatz einer polnischen Familie auf der
Insel (kulinarisch und menschlich)?
Die Probleme sind ja auf allen Inseln dieselben: Jede Ecke
wird für Gäste genutzt, die Angestellten müssen sich mit recht beengten
Wohnungen und überteuerten Mieten zufrieden geben. Da gab es immer Probleme,
Personal auf die Insel zu locken. Nach der Wende – also Anfang der Neunziger
Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts – kamen darum viele polnische Saisonkräfte,
für die der Lohn, den sie in drei Monaten verdient haben, die Familie zuhause
ein ganzes Jahr ernähren konnte. Viele von ihnen sind auf der Insel geblieben,
haben Insulaner geheiratet und Familien gegründet. Da lag es nahe, dass auch im
kleinen Inselhotel eine polnische Familie arbeitet. Und wo sie schon mal da
waren, haben sie gleich ein osteuropäisches Restaurant eröffnet. Oma Maria
würde doch niemals Pizza backen!
Sie haben selbst zwei Töchter, waren deren Geburten auch so
spektakulär?
Meine große Tocher wurde im Sommer geboren, was auf der
Insel selten ist, denn da hat man ja eigentlich keine Zeit zum Kinderkriegen.
Ähnlich wie Jannike hatte ich damals auch sehr viel um die Ohren, mein erster
Mann und ich hatten gerade ein Haus gekauft und unsere Ferienwohnungen
eröffnet. Deswegen sind wir erst wenige Tage vor dem Geburtstermin zum Festland
gefahren, was aber problemlos war, meine Tochter war pünktlich – ist sie heute,
mit Anfang zwanzig, übrigens immer noch 😉
Meine jüngere Tochter kam kurz vor Karneval auf die Welt.
Da kann es schon mal schwierig werden mit der Fahrt zum Festland, deshalb haben
wir bereits ein paar Wochen vorher in einer Wohnung im Haus meiner
Schwiegereltern gewohnt. Sie ist übrigens in der Badewanne geboren, auf ihrem
Geburtspass prangt ein Seehundstempel. Und als wir dann an Weiberfastnacht
wieder zur Insel gefahren sind, war die Fähre überfüllt mit
Karnevalsflüchtlingen aus NRW. Wir haben keinen Platz mehr gefunden, bis uns
die Matrosen in die Kombüse eingeladen haben. Völlig verqualmt, aber trotzdem
besser, als bei Temperaturen um den Nullpunkt draußen an Deck zu stehen.
Im Nachwort werden ein paar „Besatzungsmitglieder“ genannt,
wer hat bei welchen Themen in diesem Buch geholfen? Wer darf generell als
erstes einen entstandenen Text bei Ihnen lesen? Wie schreiben Sie?
Ausnahmsweise hatte ich dieses Buch schon vor der ersten
geschriebenen Zeile komplett durchgeplant. Dabei hat mir mein Mann Jürgen
Kehrer – der ja auch Schriftsteller ist – geholfen, denn er hat ein
unglaubliches Talent, eine Geschichte schon im Vorfeld zu überblicken: Wo sind
die Konflikte, wo nimmt die Handlung eine entscheidende Wendung, wie kann man
die Spannung noch weiter steigern? Das haben wir gemeinsam bei einer langen
Autofahrt durchkonzipiert, danach ging das Schreiben deutlich einfacher als
sonst. Aber wie gesagt, üblicherweise arbeite ich anders, mehr aus dem Bauch
heraus. Doch da ich die letzten beiden Inselhotel-Romane recht schnell
hintereinander geschrieben und parallel noch an zwei Drehbüchern gearbeitet
habe, hat es diese Stringenz gebraucht. Erstleserin waren meine Lektorin und
meine Agentin, danach ist das Manuskript noch an verschiedene Testleser
gegangen. Mein Bruder und eine gute Freundin (von denen ich weiß, dass sie viel
lesen und kein Blatt vor den Mund nehmen), ein Kieferorthopäde (für die Szenen
mit Jannikes Vater), eine Bekannte aus Polen (für die Szenen mit Oma Maria),
eine Hebamme (für die Schwangerschafts- und Geburtsszenen). Das ist immer eine
Warterei, bis die kritischen Rückmeldungen eintrudeln… Wie kommt die Geschichte
an? Ist sie spannend? Stimmen die Details? Diese Zweifel sind immer da, auch
wenn „Inselfrühling“ mein inzwischen 24. Buch ist.
Quelle: Sandra Lüpkes
Sie wohnen inzwischen nicht mehr auf einer Insel, vermissen
Sie das Meer und die steife Brise?
Das werde ich oft gefragt, und wenn ich ehrlich mit „Nein“
antworte, kommt es mir immer ein bisschen so vor, als sei der Fragesteller
etwas enttäuscht. Zwar fahren mein Mann und ich ab und zu an die Küste,
allerdings ist eher er die treibende Kraft, ich liebe hingegen die Berge. Und
einen Fluss finde ich spannender als das Meer. Darüber hinaus möchte ich nie
wieder auf so eingeengtem Raum und so weit ab vom Schuss wohnen. Im Gegenteil:
Im kommenden Jahr ziehen wir nach Berlin, urbaner geht es ja eigentlich nicht,
und ich freue mich sehr darauf, in einer großen Stadt einfach ein wenig
unsichtbarer zu sein.
Quelle: Sandra Lüpkes
Was verbindet Sie mit Hannover?
Nach dem Abitur habe ich drei Jahre sehr gern in der
niedersächsischen Landeshauptstadt gelebt. Ich habe dort eine Ausbildung zur
Schaufensterdekorateurin absolviert und hinterher bei „Mäntelhaus Kaiser“
gearbeitet. Es war eine spannende Zeit: Demos gegen die geplante Expo 2000,
„Fury in the Slaughterhouse“ feierten ihre ersten Erfolge, Radio ffn war
absoluter Kult und hat am Waterloo-Platz super Partys geschmissen.
Welches ist Ihre Lieblingsinsel von den ostfriesischen
Inseln und warum?
Schwer zu sagen. Meine Heimat ist natürlich Juist, im
Winter fahre ich gern nach Norderney und im Sommer lieber nach Spiekeroog. Vor
zwei Jahren war ich auch endlich mal auf Baltrum und muss sagen: Das Inselchen
ist sehr charmant… Also, ich bin diplomatisch und sage: Jedes Eiland hat sein
ganz bestimmtes Extra und ist liebenswert. Ich kann mich da nicht entscheiden.
Aus diesem Grund steht ja auch das kleine Inselhotel auf keiner genannten
Insel, da darf sich jeder seinen Favoritenort aussuchen.
Quelle: Sandra Lüpkes
Norderney
Wie kam es zu den musikalischen Lesungen?
Als kleines Mädchen konnte ich mich nicht entscheiden, ob
ich lieber Schriftstellerin, Schauspielerin oder Sängerin werden wollte – am
liebsten alles drei. Und welch ein Glück: Bei den Lesungen kann ich das
wirklich ausleben. Tatsächlich habe ich schon immer gesungen, hatte mehrere
Bands, und bin durch das Schreiben der Songtexte dann auch schließlich zum
Geschichtenschreiben gekommen.
© Sonja Kochmann

 

© Sonja Kochmann
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Ole West?
Das ist eine schöne Geschichte: Schon immer mochte ich die
Bilder und Grafiken von Ole West, in unserem Haus auf Juist hatten wir fast in
jeder Ecke einen Kunstdruck von ihm hängen. Dann habe ich auf einer Lesung auf
Norderney erfahren, dass Ole West auch anwesend ist. Fast ein wenig schüchtern
habe ich mich bei ihm vorgestellt – und siehe da: Er war auch so etwas wie ein
Fan von mir und meinen Büchern. Wenige Kaltgetränke später war klar, dass wir
was zusammen machen müssen, herausgekommen sind zwei wunderbar illustrierte
Erzählungen.
© Sonja Kochmann

 

 

© Sonja Kochmann
© Sonja Kochmann

 

Darf man auf einen weiteren Band der Insel Reihe oder
Wencke Tydmers hoffen?
Wencke hat tatsächlich im letzten Jahr mal wieder zwischen
zwei Buchdeckeln ermittelt. Im Roman „Acht Leichen zum Dessert“ (kbv-Verlag),
den ich gemeinsam mit sieben Kollegen bei einem Schreibprojekt in nur acht
Tagen geschrieben haben, kommt meine Ermittlerin mal wieder zum Einsatz,
allerdings in einem Ermittlerteam. Es hat großen Spaß gemacht, mal wieder etwas
aus der Wencke-Sicht zu schreiben und mir war gar nicht klar, wie tough diese
Frau eigentlich ist. Einen eigenen Wencke-Roman wird es eher nicht so bald
geben, auch erst mal keinen Inselhotel-Roman, da ich derzeit mehr mit dem
Drehbuchschreiben beschäftigt bin. Nach siebzehn Jahren gönne ich mir mal eine
kleine Roman-Pause.
Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht?
Vielleicht mein Vater, der Pastor war und den ich immer
samstags auf die Tasten seiner Schreibmaschine hauen hörte. Oder meine Mutter,
die einfach so frei nach Schnauze ganz wunderbare Geschichten erzählen kann.
Vielleicht auch ein, zwei Deutschlehrer, die erkannt haben, dass da eventuell
ein Talent schlummert (es waren nach meinem Gefühl nur zwei, aber wenn ich
heute meine ehemaligen Lehrer treffe, behaupten die oft, sie hätten es schon
immer gewusst – sogar die Physik-Lehrer). Ich weiß es nicht genau. Ich wollte
das eben schon immer machen.
Welchen Part am Autorin sein, finden Sie am besten
(Schreiben, Lesungen, das Buch im Laden sehen, der Film der erscheint)?
Ganz klar: Es ist alles auf einmal. Nichts würde mir allein
auf die Dauer Spaß machen, die Mischung ist aber perfekt.
Quelle: Sandra Lüpkes
Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?
Was soll ich da sagen: Natürlich mein Mann.
Was ist Ihr Lieblingsbuch?
„Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm (s.o.), „Homo Faber“
von Max Frisch und „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf.
Haben Sie neben dem Schreiben noch Hobbys?
Obwohl ich gern schreibe, ist es nicht mein Hobby, sondern
mein Beruf. In meiner Freizeit gehe ich gern wandern, arbeite im Garten, singe
im Chor und schaue mir Filme im Programmkino an.
Was lesen Sie gerade?
Da ich viel am Bildschirm sitze, höre ich Bücher eher,
meistens beim Laufen. Momentan begleitet mich Frank Goosens „Sommerfest“ in das
kleine Wäldchen um die Ecke. Aber in den Osterferien habe ich mir Juli Zehs
„Unterleuten“ vorgenommen.
Wie stehen Sie zum Ebook?
Ist auf jeden Fall eine tolle Alternative, auch wenn ich es
schade finde, dass man in der Bahn die Leute nicht charakterisieren kann, weil
das Buchcover nichts mehr über sie verrät.
Vielen Dank für das Interview und den Einblick ins Fotoalbum. Ich freue mich bereits auf die Lesung im Juni 2017 in Hannover.

© Sonja Kochmann