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Interview // Anne Barns – Kirschkuchen am Meer UND Stephan Freisleben und Matthias Schnatz von Bittersüss

Das neue Buch von Anne Barns macht Lust auf Meer, Kaffee, Gebäck und Schokolade. Daher habe ich hier ein tolles Schmankerl für Euch. Ein Interview mit der Autorin und den Betreibern von Bittesüss, die mit kulinarischen Besonderheiten das Buch und meinen Alltag versüßen, da ich bereits den Onlineshop der beiden genutzt habe. Doch starten wir mit der Autorin:

© Sonja Kochmann

© Sonja Kochmann

Du hast auf facebook in einer Leserunde verraten, dass dies ein sehr persönliches Buch ist. Warum?

Weil die rothaarige Frau tatsächlich auf der Beerdigung meines Vaters aufgetaucht ist. Aber leider habe ich sie nie gefunden.

Gibt es ein reales Vorbild für Marie? (Oder andere Protagonisten?)

Marie ist wie ich, und wie du – und wie viele andere Frauen. Ilonka und Hannes haben allerdings wirklich reale Vorbilder. Die Namen habe ich natürlich geändert.

Die Seebestattung auf der Mecki greift ein trauriges Thema wundervoll geschildert auf. Warst Du schon einmal auf einer Seebestattung?

Nein, ich war noch nie auf einer Seebestattung. Aber ich habe den Hafen besucht, die „Mecki“ gesehen und mit dem Kapitän gesprochen.

Warum ist jetzt nach Juist endlich Norderney dran und keine andere Insel?

Norderney war schon lang fällig! Und ist auch noch ein paar andere Geschichten wert.

Bittersüss gibt es dort wirklich. Wie war es, in dem Laden zu stehen und den Kaffeeduft aufzunehmen? Wie ist zu dem Auftritt von Stephan Freisleben und Matthias Schnatz, den Betreibern des Ladens Bittersüss gekommen?

Als ich zum ersten Mal im BITTERSÜSS stand, ist mein Geruchssinn explodiert. Ich liebe frisch gemahlenen Kaffee. Und dann habe ich mich außerhalb der Geschäftszeiten in Ruhe mit Stephan und Matthias auf einen Kaffee und ein Stück Torte getroffen. Die beiden haben mir viel über die Insel erzählt. Ich fand sie so dermaßen sympathisch, dass sie eine Rolle im Buch bekommen haben.

Hast Du auch Milchreis auf der Marienhöhe gegessen, eine Wanderung zur Weißen Düne gemacht oder auf einer Bank vor dem Conversationshaus ein Eis gegessen?

3x Jaaaaaaaaaaaaaaaa!

Marienhöhe – © Sonja Kochmann

Conversationshaus – © Sonja Kochmann

Und kommen wir nun zum kulinarischen Teil des Interviews mit Stephan Freisleben und Matthias Schnatz von Bittersüss:

Wie kam es zu Eurer Leidenschaft für beste Kaffeespezialitäten und köstliche Schokoladenkreationen?

Gute und nachhaltig hergestellte Lebensmittel und gerade in der heutigen Zeit bewusster leben und genießen sind uns wichtig. Im Jahr 2014 sind wir nach Norderney gezogen und haben uns zum Ziel gesetzt, mit unserer Leidenschaft für feine Schokoladen und frischen Kaffee einen Wohlfühlort zu schaffen.

Schon früher freute sich die ganze Familie an Weihnachten über unsere selbstgemachten Trüffel und Pralinen. Alle sagten immer: „Die sind so lecker! Das solltet ihr unbedingt beruflich machen.“ Vermutlich war das der Ursprung.  Und da wir in unseren früheren Urlauben auf der Insel Norderney vergeblich nach gutem Kaffee suchten, war die Geschäftsidee geboren: Kaffee und Schokolade – BITTERSÜSS eben.

Wie läuft eine Ausbildung zum Kaffeesommelier ab?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Natürlich kann man sich einfach eine Röstanlage kaufen und drauf losrösten. Es gibt Kollegen, die diesen Weg versucht haben.

Aber uns war es von Anfang an wichtig, wie wir aus einer Rohkaffeebohne den besten Geschmack herauskitzeln können. In der Ausbildung zum Sommelier lernst du deinen Geschmacks- & Geruchssinn zu trainieren und zu schärfen. Süß, salzig, bitter, sauer,  umami, gilt es zu unterscheiden. Schmeckt der Kaffee nussig, schokoladig, beerig oder gar nach Zitrusfrüchten? Entdecken wir Brombeeren im Nachgang oder vielleicht Noten von Walnuss? In der komplexen Umschreibung des Geschmacksprofils liegt letztlich die Arbeit eines Sommeliers. Dazu muss er wissen, wie der Anbau der Bohne stattfand, welche Varietät (Sorte) zum Einsatz kam, wie der Kaffee nach der Ernte getrocknet wurde und vieles mehr. Der Röstprozess mit seinen Entwicklungsstufen und der Temperaturführung beeinflusst maßgeblich den Geschmack und das Ergebnis. Und auch über den letzten Schritt, die Zubereitung des fertigen Getränks gibt es viel zu lernen, was man alles falsch oder richtig machen kann. Man merkt schon, das ist ein sehr umfangreiches Gebiet. Daher bieten wir auch Kaffeeseminare an, um unser Wissen weiterzugeben.

Seid Ihr auch schon einmal in einigen der Länder gewesen, aus denen Euer Kaffee kommt?

Bisher waren wir nur in Indonesien und haben dort Kaffeeplantagen besucht. Für eine richtige Ursprungsreise mit Ernte war leider bisher keine Zeit aber wir wollen das unbedingt nachholen. Durch unsere Kaffeeimporteure in Hamburg und Bremen sind wir aber stets informiert und stehen im Austausch mit den Kaffeebauern und Plantagen.

Seid Ihr Insulaner oder wie hat es Euch nach Norderney verschlagen?

Ursprünglich kommen wir beide aus dem Rhein-Main-Gebiet. Die Gesundheit hat uns nach Norderney und an die Nordsee geführt und inzwischen sind wir gefühlt echte Insulaner.

Trinkt Ihr denn auch mal den klassischen Friesentee? (Dann natürlich mit Eurer Schokolade…..)

Natürlich trinken wir auch mal einen Ostfriesentee, am liebsten mit Kluntje und Sahne! So weit sind wir hier vom Kaffee übrigens gar nicht entfernt. Denn auch die friesische Teetied ist sehr aromatisch und hat lange Tradition. Dazu passt hervorragend ein Stück unserer Teeschokolade „Teetied“

Wo ist Euer Lieblingsort auf der Insel?

Der Inselosten mit seiner unberührten Natur und den vielen Vögeln ist ein echter Ort der Entspannung. Hier findet man Ausgleich und Ruhe nach einem langen Tag. Beim Blick auf das Meer kann man so schön abschalten und seine Sorgen des Alltags für einen Moment vergessen.

Was muss man unbedingt kaufen, wenn man bei Euch im Laden oder im Online-Shop unterwegs ist? (Hinweis: Derzeit ist der Laden leider geschlossen, nutzt daher bitte den Online-Shop.)

Naja, eigentlich finden wir alle Produkte toll, die wir anbieten, sonst hätten Sie es ja nicht bis in unseren Shop geschafft. Neben den beliebten Pralinen und Kaffees haben wir aber auch ein paar echte Geheimtipps: zum Beispiel unsere hausgemachten Fruchtaufstriche und Chutneys oder das gesalzene Karamell, welches wir frisch einkochen. Wirklich beliebt sind auch unsere handgegossenen Tafelschokoladen.

© Sonja Kochmann

Vielen Dank für das Interview und bleibt alle gesund!

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Interview // Jana Hoch – Kronenherz

Vor einiger Zeit habe ich beim Stöbern in der Buchhandlung “Kronenherz” entdeckt. Als dann die Ankündigung für eine “Lesung mit Pferd” kam, habe ich mich “tierisch” gefreut und muss nun leider auf einen Ersatztermin warten. Um uns die Wartezeit zu versüßen, hat mir Jana Hoch ein kleines Interview gegeben:

Ursprünglich hast Du Innenarchitektur studiert, wer oder was hat Dich zum Schreiben gebracht? Wolltest Du schon immer Autorin werden?

Insgeheim war es immer mein großer Traum, Autorin zu werden. Ich habe schon während der Schulzeit geschrieben. In der fünften Klasse waren es Theaterstücke und Kurzgeschichten, später schon mal 200 Seiten. Als ich angefangen habe, zu studieren, habe ich aufgehört zu schreiben und andere Sachen sind erst einmal in den Vordergrund gerückt. Aber ich bin in diesem Beruf nie glücklich geworden. Man sagt ja nicht umsonst, dass es Beruf und Berufung gibt. Irgendwann ist mir dann eines meiner Manuskripte in die Hand gefallen und ich dachte: Das ist gar nicht so schlecht. Warum eigentlich nicht? Und damit habe ich mir ein Herz gefasst und mich bei meiner Agentur beworben. So fing dann alles an.

 

© Marilena Fortmann

 

Neben dem Schreiben hast Du einen Haflinger namens Jamie. Erzähl uns von ihm.

„Ein Buch schreiben“ und „Ein eigenes Pferd besitzen“. Das waren schon seit Kindertagen zwei meiner größten Träume. Jamie ist einfach alles für mich. Meine Inspiration, meine Auszeit, mein Lehrer, derjenige, der mir aufzeigt, wenn ich mal wieder zu viel arbeite und mir mehr Zeit für mich nehmen sollte 😉

Er ist kein leichtes Pferd. Er hat einen starken Charakter und er weiß was er will und wo seine Grenzen liegen. Und das darf er mir auch jederzeit zeigen. Ich denke, das macht unsere Beziehung so einzigartig.

Jamie spiegelt meine Emotionen sehr stark, ebenso wie das Pferd Mariscal in Kronenherz. Er lässt sich anstecken, wenn ich Energie und Glück platze, aber er zeigt mir auch, wenn ich mit den Gedanken woanders oder aufgewühlt bin.

Wenn man es genau nimmt, ist es sogar Jamies Verdienst, dass ich jetzt als Autorin arbeiten darf. So komisch, das klingt, aber er hat mir gezeigt, dass ich in meinem Leben etwas ändern muss. Ich war häufig gestresst und schlecht drauf, hatte zu wenig Zeit für ihn und bin ungerecht geworden. Jamie hat mir das alles gespiegelt und mir deutlich signalisiert, dass er nicht bereit ist, weiter mit mir zusammenzuarbeiten, wenn ich nichts ändere.

Und das habe ich getan. Der Schritt in die Selbstständigkeit ist mir nicht leicht gefallen. Aber jetzt lebe ich meinen Traum und ich habe es keinen einzigen Tag bereut. Und, was soll ich sagen … seither ist zwischen Jamie und mir alles wunderbar. Wir geben uns gegenseitig so viel und er hilft mir, mich weiterzuentwickeln.

Dieses Pferd ist ein eines der größten Geschenke, die das Leben mir machen konnte.

Wie lange dauerte das Schreiben an dem Buch?

An Kronenherz habe ich circa acht Monate gearbeitet. Allerdings habe ich anfangs nebenbei noch ein Praktikum bei einer Pferdetrainerin gemacht. Mit Kronentraum bin ich etwas schneller.

Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal treffen? Welche Frage würdest Du stellen?

Kerstin Gier J Und ich würde ganz kleinlaut fragen, ob ich wohl ein Autogramm und ein gemeinsames Foto bekommen könnte.

Verrätst Du uns schon ein bisschen was über „Kronentraum“?

Es wird noch größer, noch royaler, noch romantischer und natürlich gibt es ein Wiedersehen mit den Pferden und dem Team Caverley Green. Dazu kommen noch ein paar neue Charaktere, die ich absolut lieb gewonnen habe. Besonders Prinzessin Lianna hat es in sich. Seid gespannt!

Ich bin jedenfalls richtig verliebt in die Geschichte und hoffe, dass es meinen Lesern ab dem Herbst genauso geht.

 

© Marilena Fortmann

 

Vielen Dank für das Interview und ich werde hoffentlich bald von der Lesung mit Jamie berichten können.

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Interview // Sandra Lüpkes – Die Schule am Meer

Das neue Buch von Sandra Lüpkes “Die Schule am Meer” ist gerade erschienen. Leider sind die teilweise ausverkauften Lesungstermine sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Dennoch durfte ich Sandra Lüpkes interviewen…

Sie kommen selbst von der Insel Juist, wieviel von Martin Luserke und seiner Schule am Meer ist Ihnen schon vor der Recherche bekannt gewesen?

Die Allermeisten auf der Insel wissen, dass es diese Schule gegeben hat, einige Gebäude stehen ja noch, dort sind jetzt die Jugendherberge und das Küstenmuseum untergebracht. Doch das Schicksal der Schule wurde mitunter nur kurz umrissen: Sie wurde irgendwann in den 1920ern gegründet, viele der Lehrer und Schüler waren prominent, dann musste sie nach ein paar Jahren wieder geschlossen werden, weil es finanzielle und auch politische Schwierigkeiten gab. Das war’s.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Von April bis Oktober war das morgendliche Bad in der Nordsee Pflicht für Schüler und Lehrer

 

Wie kam es dann zu diesem historischen Buch?

Bei einer Lesung im Herbst 2017 im Küstenmuseum habe ich eine Schautafel über die „Schule am Meer“ gesehen und mich das erste Mal gefragt, was für Menschen das eigentlich genau gewesen sind, die all ihr Wissen, ihre Energie, ihr Geld in dieses Internat gesteckt und es ausgerechnet an einem so wenig bequemen Ort wie Juist errichtet haben. Und wie erging es diesen Idealisten, nachdem ihre Vision gescheitert war. Da hatte mich das Thema gepackt.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Das Schulschiff wird zum Wattenmeer gebracht, das Mädchen mit den Zöpfen ist Annis Tochter Renate

 

Wie wurde recherchiert?

Der Museumsleiter Jochen Büsing, den ich noch aus Schulzeiten kenne, hat mich sehr unterstützt und mir erlaubt, im Archiv zu stöbern. Es gibt sehr viele Zeitzeugnisse, Memoiren von Lehrern und Schülern, Zeitungsausschnitte, unzählige Fotos. Doch am spannendsten war das sogenannte Logbuch, ein mehr als 700 Seiten umfassender Schulbericht, in dem täglich das Wetter, die Windrichtung, aber auch Anekdoten, Beschlüsse und vieles mehr notiert wurde. Doch ab der Mitte des Romans wurde mir klar, dass ich auch dringend recherchieren muss, was aus der jüdischen Lehrerin Anni Reiner wurde, eine meiner Hauptfiguren, über die im Logbuch leider nur wenig zu lesen ist. Glücklicherweise fand ich ihre jüngste Tochter Karin, die inzwischen 87jährig in der Nähe von Zürich lebt. Wir haben in einer längst vergessenen Ecke tatsächlich noch viele Briefe entdeckt, die Anni Reiner in den 1930er Jahren an ihre Töchter geschrieben hat.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Eduard Zuckmayer lebte für die Musik, mit dem schuleigenem Orchester und dem Chor wurden mehrfach im Jahr Konzerte anspruchsvolle gegeben

 

Wie schwer war es die realen Personen (z.B. Martin Luserke, Eduard Zuckmayer, Paul und Anni Reiner, Walter und Gisela Jockisch) mit literarischem Leben zu füllen?

Martin Luserke, über den mit Abstand am meisten bekannt ist, hat in meinem Roman keine eigene Perspektive, wir erleben diesen sehr ambivalenten Charakter also nur aus der Sicht seiner Mitmenschen. Das hat es mir vereinfacht, seine Entwicklung in die rechte Richtung zu schildern. Eduard Zuckmayer war mir von Anfang an irgendwie sehr nahe, wahrscheinlich weil uns die Liebe zur Musik eint. Über ihn steht viel in der Autobiografie seines berühmten Bruders Carl, auch wenn dieser einige Dinge überdramatisiert hat, wie ich wiederum durch eine Filmdokumentation erfahren habe. An Anni Reiner musste ich viel feilen, denn sie zwar Mutter und Ehefrau und Idealistin, aber eben keine liebliche Frauenfigur. Von Anfang an hab ich gespürt, dass ich sie nicht so gefühlsduselig erzählen darf. Und ihre Nachfahren haben es mir schließlich bestätigt: Anni war zwar warmherzig, aber auch sachlich, sie handelte lösungsorientiert, selbst in den schlimmsten Schicksalsmomenten. Ihre innere Zerrissenheit schimmerte wenn überhaupt, dann nur ganz sachte durch.

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Im Sommer 2019 traf Sandra Lüpkes Karin Reiner, die Tochter ihrer Romanheldin, beide hatten sich viel zu erzählen

 

Welcher Schüler liegt ihnen besonders am Herzen und warum?

Ganz klar: Moskito, der eigentlich Maximilian Mücke heißt und von seinen Eltern, die in Bolivien leben, ins Internat nach Deutschland geschickt wird. Mit ihm gehen wir durch die neun Jahre, die diese Schule existiert hat. Von der Sexta bis zur Oberprima. Wir werden mit ihm erwachsen, erleben Abenteuer, die erste Liebe, das Zerbrechen einer Freundschaft und die Versöhnung. Moskito ist fiktiv, jedoch setzt er sich aus verschiedenen Schülern zusammen, deren Jugenderinnerungen ich gelesen habe.

 

Auf den ersten Blick ist das Buch eine Internatsgeschichte. Lehrer mit eigenen Sorgen, Nöten und Idealen treffen auf ihre Schützlinge, die ihre eigene Geschichte mit auf die Insel bringen und sich nach und nach entfalten. Es hat mich ein bisschen an meine Lieblingsgeschichten von früher erinnert: Hanni und Nanni, Dolly, Burg Schreckenstein (nur erwachsener thematisiert)…haben Sie diese Bücher früher auch gelesen?

„Hanni und Nanni“ lag natürlich auch auf meinem Nachttisch. Jedoch war ich selbst mal ein Jahr auf einem Internat. Da es auf Juist kein Gymnasium gibt, bin ich mit 15 auf’s Festland in eine Heimschule extra für Inselkinder. Dort kollidierte dann die Romantik mit der Realität, ich hab es nur ein Jahr ausgehalten und bin dann mit meinem älteren Bruder in eine WG gezogen. Allerdings hatte ich während meiner Internatszeit den besten Deutschlehrer überhaupt, noch heute stehen wir in Kontakt.

 

Die Seele der Küche Kea hat einiges zu bieten. Welche Gerichte haben Sie selbst davon schon einmal gekocht/gegessen?

Grünkohl, das Gericht, mit dem Kea sich in die Herzen der Schulleitung gekocht hat, ist eine meiner Spezialitäten. Auch Klütje mit Birnen und Vanillesauce habe ich früher, als meine Kinder noch klein waren, gern gekocht. Und wenn ich jetzt an Neujahrskuchen denke, möchte ich gleich mein Waffeleisen rausholen … Also: Ja, ich liebe die ostfriesische Küche und hab die Kea-kocht-Szenen knallhart recherchiert 😉

Zur Verfügung gestellt von Sandra Lüpkes: Im Eiswinter 1928/29 landeten die Versorgungsflieger am Juister Strand, später stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine geheime Militärstaffel gehandelt hat

 

Wie fühlt man sich als Autor, wenn man eine solche Szene wie die Bücherverbrennung schreibt?

Auch das ist so ein Thema, dem ich mich erst durch die Arbeit an diesem Roman wirklich genähert habe. Was bedeutet es, wenn die Obrigkeit darüber entscheidet, welche Bücher gelesen werden sollen – und welche zerstört werden müssen. Denn es heißt ja: Welche Geschichten darf es geben – und welche nicht. „Berlin Alexanderplatz“,  „Im Westen nichts Neues“, die Werke von Ringelnatz und Tucholsky – noch heute aktuell und weise, doch wenn es nach den Nazis gegangen wäre, hätten wir keine Erinnerung mehr daran. Ist das nicht furchtbar?

Ohne zu Spoilern, hat mich Moskitos Schicksal mit nur einem kleinen Wort getroffen und mich traurig das Buch beenden lassen. Musste dies als literarische Mahnung sein?

Es ist schwer, spoilerfrei darauf zu antworten. Aber soviel: Die Welt stand damals am Abgrund, ohne es zu wissen. Die Eltern und Lehrer haben viel investiert, um ihren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen – und dann mussten sie diese in den Krieg schicken. Das ist vielleicht tatsächlich eine Mahnung: Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir wissen, was gewesen ist. Deshalb sollten wir wachsam bleiben.

Eigentlich hätten die ersten Lesungen zu dem Buch stattfinden sollen (auch meine Karte hängt leider ganz verloren an der Pinnwand), verraten Sie uns ein bisschen, was uns auf der Lesung erwarten wird, wenn wir alle wieder ins öffentliche Leben zurückkehren dürfen…(Musik? Fotos?)

Ja, genau heute (26.3.2020) hätte bei meiner Lieblingsbuchhandlung „Leuenhagen & Paris“ die Buchpremiere stattgefunden. Es ist so schade, dass nun alles ausfällt beziehungsweise auf ungewissen Zeit verschoben wurde. Abgesehen von einer unbändigen Vorfreude hätte ich meinen Beamer mitgebracht und dem Publikum neben den Lesepassagen Fotografien gezeigt. Historische und aktuelle gleichermaßen, denn die Arbeit an diesem Buch ist im Grunde genau so spannend wie der Roman selbst. Daran hätte ich die Leser*innen gern teilhaben lassen. Aber Kopf hoch, es wird schon werden! Bis dahin bleibt Zeit zum Lesen oder – in meinem Fall – über einen neuen Roman nachzudenken …

© Sarah Koska

 

Vielen Dank für das Interview und ich werde hoffentlich bald von der Lesung in Hannover berichten können.