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Rezension

Rezension // Oliver Pötzsch – Das Mädchen und der Totengräber (Die Totengräber #2) – Hörbuch

Ein neuer Fall für Leopold von Herzfeldt: Aufgrund der grandiosen Art mit Wiener Dialekt das Hörbuch vorzutragen, war für mich ja bereits nach dem ersten Band „Das Buch des Totengräbers“ klar, die Fortsetzung höre ich nur mit diesem Sprecher: Hans Jürgen Stockerl. Hörbuch Hamburg hat diesen Sprecher, Gott sei Dank, auch wieder beansprucht und so huscht man mit den Protagonisten durch das Wien von 1894.

Es ist viel los; gestorben wird immer und so haben der junge Polizist Leopold von Herzfeldt, die Polizeifotografin Julia Wolf und der Totengräber Augustin Rothmayer ordentlich Ermittlungsarbeit zu leisten. Da die Protagonisten in gewissen Beziehungen zueinanderstehen und sich weiterentwickeln, empfehle ich an dieser Stelle den ersten Teil vorher zu lesen oder zu hören!

Die 15 Stunden und 45 Minuten vergehen wie im Fluge, denn im Kunsthistorischem Museum wird in einem Sarkophag eine Leiche gefunden. Allerdings ist diese erst ein paar Monate statt Jahrzehnte alt, im Tiergarten wird ein Wärter ermordet und dann werden noch junge Stricher erstochen und um ihr Zumpferl erleichtert. (Endlich mal einen österreichischen Begriff dazugelernt, den man mit Augenzwinkern benutzen kann.)

Herr Rothmayer hat eigentlich für Ermittlungsarbeit gar keine Zeit, denn er schreibt an einem neuen Buch „Totenkulte der Völker“ und die kleine Anna hat er ja auch noch bei sich aufgenommen. Kapitelweise erfährt der Leser/Hörer, was es alles so für Totenkulte gibt und man fängt an zu rätseln, was alles mit den o.g. Fällen zu tun haben könnte.

Im Wien 1894 ist man erstaunlich rassistisch und auch diskriminierend unterwegs. Zu dieser Zeit sicherlich typisch, aber manchmal ganz schön heftig, wenn die Kollegen Leubel und Leinkirchner auf Leos jüdischer Herkunft herumhacken oder man sich kritisch über Schwule, Farbige oder andere Schichten geäußert wird.

Doch alles wächst zusammen auf der Jagd nach dem Bösen und ich könnte mir weitere abwechslungsreiche Fortsetzungen mit der aufkeimenden Kriminalistik dieser Zeit gut vorstellen. Ich vergebe volle Punktzahl.

 

Verlag: HörbucHHamburg HHV GmbH

erschienen: 2021

Spieldauer: 15 Stunden und 45 Minuten

Sprecher: Hans Jürgen Stockerl

ASIN: B09V5LFJ89

Rezension

Rezension // Stacey Halls – Die Vertraute

Nachdem ich mit dem Einzelband „Die Verlorenen“ die Autorin Stacey Halls für mich entdeckt hatte, habe ich mich nun auf einen weiteren Einzelband von ihr gefreut:

Das Buch spielt in England im 17. Jahrhundert. Die junge Fleetwood Shuttlewood ist gerade erst 17 Jahre alt, hat jedoch bereits einige Fehlgeburten hinter sich. Sie muss nun einen lebendigen Erben gebären, koste es, was es wolle und wenn es das eigene Leben ist. Denn eine Frau ist in diesem Zeitalter nur dazu da, dem Manne eine gute Ehefrau zu sein und einen Erben zu schenken. Immerhin ist die schwangere Fleetwood Mistress of Gawthorpe und die Erwartungen sind groß.

Die Begegnung mit der jungen Hebamme Alice Gray könnte ihre Rettung sein. Doch das Wissen der Hebamme über Kräuter und andere Mittelchen ist auch ihr Verhängnis. Diese gerät durch Anschuldigungen in einen Hexenprozess hinein und selbst gerät in Lebensgefahr.

Das Schicksal beider Frauen ist abhängig von der männlichen Einflussnahme und es ist erschreckend, wie ausgeliefert diese Frauen waren. Hierbei ist die Gesellschaftsschicht, die Bildung oder das Vermögen egal.

Es war interessant zu lesen, über welche Ansätze in Homöopathie bereits eine Hebamme zu dieser Zeit verfügte und wie beschwerlich und risikoreich eine Geburt zu dieser Zeit doch gewesen sein musste.

Der Aspekt der Hexenverfolgung bringt noch zusätzlich einen Spannungsaspekt in die Handlung hinein.

Beide Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein. Dennoch klammern sie sich aneinander und werden jedoch durch die Hexenverfolgung getrennt. Schaffen es beide und auch das ungeborene Baby zu überleben? Ich vergebe 8 von 10 Punkten für dieses spannende Buch.

 

Verlag: Piper

erschienen: 2022

Seiten: 384

ISBN: 978-3492071574

Rezension

Rezension // Andrea Russo – Der süße Himmel der Schwestern Lindholm (#1)

Wo fange ich an? Das Buch habe ich schon vor einigen Wochen gelesen, aber ich konnte nicht gleich eine Rezension schreiben. Warum? Andrea Russo gehört ungelogen zu meinen Lieblingsautorinnen. Ihr Schreibstil ist von der ersten Seite an mitreißend: ein Stück Familiengeschichte, eine aktuelle Lebens- und Liebesgeschichte und lauter gebackene oder gerührte Kleinigkeiten, die das Hüftgold bei sofortiger Umsetzung anwachsen lassen würden.

Dieses Buch unterscheidet sich jedoch ein klitzeklein bisschen von den anderen Büchern. Es ist ein bisschen komplexer: Das Buch startet in der Gegenwart. Und durch einen kleinen Generationskonflikt beim Betreiben des Cafes „Söta Himlen“ (Süßer Himmel) in Schweden erfahren wir schließlich vom steinigen Weg der Gründung im Jahr 1936 und die eigentliche Handlung setzt ein.

Die Schwestern Lindholm sind Hannah, Ingrid, Matilda, Ulla und Ebba und jede hat ihre eigene Persönlichkeit und ihren eigenen Anteil an der Geschichte.

Die Wirtschaftskrise beeinflusst die Familie nachhaltig und jeder versucht seinen Teil beizutragen, um die Familie über die Runden zu bringen. Die bereits bestehende Bäckerei trägt zwar einiges dazu bei, aber der Vater muss dennoch weit von der Familie entfernt im Bergwerk arbeiten und ist nur ein oder zwei Mal im Jahr daheim. Durch die Arbeit im Hotel der einen Schwester kommt die Idee auf, ein Café zu eröffnen. Die bestehende Rezeptsammlung wird Jahr für Jahr aufgestockt und mit Leckereien wie zum Beispiel Chokladbollar, Vaniljhjärtan, Wienerbröd, Kanelbullar angereichert. (Achtung an alle mit guten Vorsätzen und aktuellen Diäten!) Wer da beim Lesen keinen Appetit bekommt, der ist wirklich eisern.

Doch auch die Liebe macht vor den jungen Frauen nicht halt und die Wahl der Männer und der aufkommende Zweite Weltkrieg droht die Schwestern zu entzweien.

Das Buch repräsentiert eindrucksvoll, das Bild und die Rolle der Frau in den 30iger Jahren. Heim, Herd und Kind sind vorgesehen. Doch durch die wirtschaftliche Lage müssen die Frauen ebenfalls Geld verdienen. Dennoch ist eine angemessene Wahl des Partners und schickliches Verhalten Voraussetzung. Das dies angesichts der persönlichen Umstände nicht immer einfach ist, macht das Buch so vielfältig und packend. „Söta Himlen“ und seine Betreiberinnen müssen einiges durchmachen und man erahnt trotz des versöhnlichen Endes, dass die Geschichte der Schwestern noch nicht zu Ende ist. (Was auch schon von der Autorin bestätigt wurde.) Ich vergebe volle Punktzahl und habe mich direkt an den Chokladbollar versucht.

(Leider habe ich das Bloggerevent aus familiären Gründen verpasst, habe aber anhand des Rezeptes nachgesessen und zusammen mit meinem Sohn leckere Chokladbollar produziert. Statt normalen Puderzucker haben wir allerdings Puderzucker von Xucker verwendet und haben daher ein paar Kalorien weniger.)

 

Verlag: Rowohlt

erschienen: 2021

Seiten: 416

ISBN: 978-3499004018

© Sonja Kochmann

© Sonja Kochmann

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