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Humor

Rezension

Rezension // Ella Lindberg – Das Leben braucht mehr Schokoguss

Die Marketingstudentin Mia hat sich ein interessantes Praktikum bei einer Schokoladen-Manufaktur in der Schweiz erhofft, doch irgendwie verläuft alles anders als gedacht: keiner fühlt sich für sie zuständig, switzerdütsch und manche Bräuche sind für sie schwer verständlich, die Firma steckt in einer finanziellen Krise und durch eine Verwechselung muss sie der Firmengründerin und Oma ihres Chefs die Verlobte vorspielen….

Auf dieses (Achtung appetitanregende !) Buch bin ich durch Zufall gestoßen. Der Verlag hat aufgrund des Ausfalls der Buchmesse und der eigentlichen geplanten Premierenlesung die Premierenlesung im Netz übertragen. Der Clou: direkt aus einer Küche der Firma Leysieffer….ehrlich…wir Leser waren kurz davor den Bildschirm anzuknabbern. Durch die sympathischen Einblicke der Autorin musste ich das Buch natürlich lesen und es hält, was es verspricht.

© Sonja Kochmann

Mias Praktikum bei einer Schweizer Schokoladenmanufaktur startet ganz anders als gedacht: chaotisch! Bereits im Flieger in die Schweiz nimmt das Chaos seinen Lauf und man ist durch den Plauderstil ein bisschen an „Sex and the City“ und „Bridget Jones“ erinnert. Auch erwarten Mia einige Verwechselungen und eigentümliche Situationen, so dass eine hollywoodreife Verfilmung nicht auszuschließen wäre.

Eine bunte Menge an Nebenfiguren mischen die Handlung noch dazu kräftig auf, denn eins ist dem erfahrenen Liebesromanleser ja wohl klar, eine vorgespielte Verlobung endet immer in einem Gefühlschaos. Das nebenbei die Firma gerettet bzw. durch einen Generationswechsel modernisiert wird, Freundschaften geschlossen und eine Halbschwester näher rückt, ist brillant und  meisterlich gelöst. Eine Liebesgeschichte mit Schokolade vom Feinsten, getoppt mit einer ordentlichen Dosis Humor. Ganz vorne mit dabei: die Oma. Was für eine Marke, aber lest selbst. Ich vergebe volle Punktzahl.

 

Verlag: Knaur TB

erschienen: 2021

Seiten: 384

ISBN: 978-3426526927

Rezension

Rezension // Hamburger Strich – Corona-Cartoons aus der Quarantäne

Machen wir aus der Not eine Tugend? Nein, passt nicht, aber eine Fundquelle, dass haben sich 16 Cartoonisten gedacht, als die geplante Ausstellung in der „Fabrik der Künste“ Anfang April 2020 ausfiel. Das Ausstellungsthema wurde dann bei der ersten Möglichkeit, Kunst wieder unter Beachtung aller notwendigen Regeln zu zeigen: Corona.

Ein bis zwei Cartoons von namhaften Autoren (Bettina Bexte, Huse, Dorthe Landschulz, Henning Christiansen, Jan Rieckhoff, Kai Flemming, Katharina Greve, Maren Amini, Miriam Wurster, Piero Masztalerz, Teja Fischer, Tetsche, Til Mette, Tim Oliver Feicke, Tobias Schülert und Wolfgang Sperzel) finden sich pro Seite wieder. Da muss man beim Blättern auch mal Pause machen, um ausreichend zu schauen:

Es darf gelacht werden. Es sollte nachgedacht und hinterfragt werden! Und….Wer lacht, ist gesund und glücklich. Sind dann nicht auch diese Künstler systemrelevant?

Die Cartoons zeigen den Egoismus der Gesellschaft beim Einkauf und dessen Folgen. Sie spiegeln das Sozialverhalten dieser Tage wider und zeigen den albernen Dank an die Helfer dieser Krise (vom Klatschen kann man keine Rechnungen bezahlen und schützt auch medizinisches Fachpersonal nicht vor eigener Ansteckung). Der Virus ist rund und der Fußball auch.

Halbwissen, Theorien und Verschwörungen werden in der Gegend herumposaunt, Nacktheit ist nicht schlimm, solange eine Maske getragen wird, Abstand ist nötig, aber teilweise unmenschlich. Das Sozialleben verödet und führt zu Isolation, Gewalt und Denunziantentum.

Soll das alles lustig sein? Ja, nennen wir es schwarzen Humor oder Satire. Wenn man es als Chance sieht und nicht als Ausrede. (Ich habe selbst ein Familienmitglied in den letzten Wochen durch das Virus verloren und konnte dennoch schmunzeln.) Denn wir gestalten unsere Zukunft – hoffentlich mit diesen tollen Künstlern, denn auch weinende Augen, müssen mal lachen können! Gehen wir nicht zum Lachen in den Keller, sondern lachen wir in die Armbeuge: ich vergebe volle Punktzahl.

 

 

Verlag: KJM Buchverlag

erschienen: 2020

Seiten: 120

ISBN: 978-3961941261

Rezension

Rezension // Sebastian Fitzek – Fische, die auf Bäume klettern: Ein Kompass für das große Abenteuer namens Leben

Dass Sebastian Fitzek nicht nur Thriller schreiben kann, hat er bereits mit dem Kinderbuch „Pupsi und Stinki“ bewiesen. Wer auch schon mal auf einer Lesung mit ihm, weiß, dass ein echter Entertainer ihn ihm steckt.

So hat mich dieses Buch zwar vom Thema her überrascht, aber nun letztendlich noch mehr von den Fähigkeiten des Autors überzeugt. Ich habe vorab schon Rezensionen nach dem Motto gesehen „Jetzt macht er damit auch noch Geld“ und wollte mir mein eigenes Bild machen:

Sebastian Fitzek nimmt den Leser und seine Kinder mit auf einen interessanten Ausflug: In einem Monolog schildert er seinen Standpunkt im Leben und seinen Weg dahin; spricht dabei aber seine Kinder an.

Obwohl die Gefahr besteht, dass die eigenen Kinder nun schriftliche Nachweise haben werden seine Erfahrungen und, was ich sehr ehrlich und menschlich finde, seine Fehlgriffe und Misserfolge Thema. Das Ganze ist aber nicht trocken wie eine Art Selbsthilfebuch, sondern mit dem typischen „Lausbubencharme“ des Autors.

Mit Humor, Ironie, Zynismus und einer Prise Ernst wird erklärt, warum Werte und Normen unserer Gesellschaft so wichtig sind. Dass man sich manche Freiheiten nur erlauben kann, wenn man auch das nötige Geld verdient und das eine Leistungsgesellschaft  Vor- und Nachteile hat.

Man benötigt Mut, seinen Weg zu gehen. Manche Entscheidungen sind schwer und man braucht sowohl Verstand als auch Bauchgefühl, die richtige Wahl zu treffen.

Der Autor gibt anschaulich und einfühlsam nützliche Tipps fürs Erwachsen werden und Weiterentwickeln.

Es ist keine allgemeine Gebrauchsanweisung, aber ich fand manche Hinweise sehr nützlich und habe dabei auch zum Teil mich selbst oder aber auch die Ratschläge meiner Großeltern und Eltern wieder entdeckt.

Bei dem Tipp „Wer billig kauft, kauft zweimal“ musste ich doch glatt an meine erste Waschmaschine denken, die …ach egal…inzwischen steht ein namhaftes Modell hier.

Ich finde dieses Buch ist ein tolles Geschenk zum Start in ein selbständiges Leben oder ein „Mutmachbuch“. Vielleicht linst der ein oder andere nicht gleich hinein, weil es ja unter „Sachbuch“ fällt, aber der mitreißende Schreibstil (ja er kann das auch beim Sachbuch) wird alte und junge Leser abholen.

Ich habe eine Weile gebraucht, dieses Buch zu lesen, da ich es stückchenweise genossen und auf mich einwirken lassen habe.

Ich kann es jedem empfehlen: volle Punktzahl.

 

Verlag: Droemer Knaur

erschienen: 2019

Seiten: 256

ISBN: 978-3426277829

 

 

© Sonja Kochmann