All Posts By:

web25424242

Rezension

Rezension // Emma Becker – La Maison

Emma Becker beschließt, ein Buch über das älteste Gewerbe der Welt zu schreiben. Um die Erfahrungen aus erster Hand beschreiben zu können, nennt sie sich Justine und fängt u.a. im „La Maison“ an, als Prostituierte zu arbeiten. Dort trifft sie auf eine Vielzahl an Frauen und Männern.

Das Buch hat mich aus verschiedenen Gründen interessiert. Wer schon einmal mit Prostituierten in Kontakt gekommen ist, der weiß, dieser Beruf ist ein schwerer Beruf und das ist genau der Grund, warum ich mich beim Einstieg in dieses Buch so schwer getan habe und es trotz bestehenden Interesses beiseitegelegt habe: Enthusiastisch, fast beschönigend und wehmütig berichtet Emma Becker anfänglich von ihre gerade beendeten Zeit im „la Maison“. Man kann fast sagen, sie glorifiziert ihre Zeit dort. Mit einer netten Plauderei wie bei einem Kaffee mit Zigarette wird nebenbei berichtet, wie sie Einrichtungsgegenstände in ihr privates Zuhause schleppt, um diese zu erhalten. Obwohl man den Gegenständen aufgrund der prunkvollen Art ansieht, dass diese nur aus einem Bordell stammen können, erkennt ihr Umfeld dies nicht.

Dieses extrem Positive hat mich gestört, da ich durchaus andere Berichte aus meinem beruflichen Kontext kenne. Vor kurzem gab ich dem Buch nochmals eine Chance und siehe da, nach einigen Seiten kamen auch die negativen Seiten zum Vorschein: Der Einstieg im zwielichtigen „Coco’s“, unangenehme Freier, Selbstzweifel, Erfahrungen mit Drogen, Angst….unter dem Aspekt macht dann das fast Familiäre „La Maison“ als positive Erfahrung Sinn.

In einem lockeren Gespräch berichtet die Autorin von verschiedenen Frauen und ihren Gründen, diesen Beruf auszuüben. Geprägt von Selbstdarstellung, Geldsorgen, berufliche Sackgassen, Zweifel und Spaß am Sex üben diese Frauen den Beruf aus. Dabei begegnen sie Männern, die die volle Bandbreite des menschlichen Verhaltens bieten und sowohl wertschätzend als auch gefährlich sein können. Wer hier jetzt an ein Buch mit erotischen Szenen denkt, der liegt hier falsch. Im Vordergrund stehen die Schicksale der Frauen und ihre Emotionen.

Es sind Anekdoten dabei, die einen regelrecht ans Buch fesseln. Dennoch muss ich sagen, dass mir diese Plauderei zum Ende hin durch Ausschweifungen zu lang geraten ist. Es schien fast so, als ob sich die Autorin kaum vom „La Maison“ und auch von ihrem Buch trennen konnte. Ich vergebe daher 7 von 10 Punkten.

 

Verlag: Rowohlt

erschienen: 2020

Seiten: 384

ISBN: 978-3498006907

Rezension

Rezension // Audrey Carlan – Verfallen (Finding us #1)

Hank Jensen, Cowboy und Bauunternehmer, ist für einen Großauftrag in New York City. Seit Tagen beobachtet er schon seine Auftraggeberin Aspen Reynolds. Ein Mitglied der New Yorker High Society und Firmengründerin einer der einflussreichsten Firmen in New York. Als er ihr eines Morgens das Leben rettet, beginnt ihre Geschichte.

Was habe ich mich auf neue Bücher von Audrey Carlan gefreut! Ich liebe den frechen und erotischen Stil ihrer Liebesgeschichten. Gerade das „Drumherum“ ihrer Liebesgeschichten zeichnet ihre Reihen aus. Hier war ich jedoch zugegebener Maßen irritiert.

Hank und Aspen sind bereits ohne Vorlauf auf den ersten Seiten in der Szene, in der Hank ihr das Leben rettet und ihr den Spitznamen „Engel“ gibt. Eine unerklärliche Anziehungskraft, die beinahe sofort ins sexuelle mündet. Zack; einfach so da. Vermutlich allerdings ein Stilmittel der Autorin, denn die beiden Protagonisten sind davon auch überrumpelt. Aspen revanchiert sich bei ihrem Cowboy mit dem Spitznamen „Hengst“, der vermutlich nur in der deutschen Übersetzung so plump daher kommt. Fortan wird man die Namen Aspen und Hank kaum noch lesen. (Für jeden Spitznamen einen Schnaps und ich wäre nach ein paar Seiten betrunken gewesen.)

Aufgrund der ungewohnten Konstellation (Sie: Geld, schön, einflussreich, Mitglied der New Yorker High Society; er: Kleinunternehmer, Cowboy, Texaner) ist ein gemeinsamer Weg der beiden augenscheinlich schwierig. Hinzu kommt, beide sind durch vergangene Partner misstrauisch und können ihr „Glück“ kaum glauben, sich so urplötzlich verliebt zu haben.

Interessant und auch für Folgebände vielversprechend sind die Nebenprotagonisten wie zum Beispiel Aspen Schwester, ihr Anwalt oder die Familie von Hank. Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

 

Verlag: Mira Taschenbuch

erschienen: 2020

Seiten: 352

ISBN: 978-3745701104

Rezension

Rezension // Michel Kühn, Björn Högsdal, Mona Harry (Herausgeber) – Irgendwas mit Möwen

Was erwartet hier den Leser? Slampoetry, Kabarett und Kurzgeschichten eines Autorenensembles, das sich selbst den Namen „Irgendwas mit Möwen“ gab.

Die Themen und die Stile sind jedoch vielfältig, so dass ich zugeben muss, anhand der ersten Beschreibung und des Titels etwas anderes erwartet zu haben.

Natürlich kommen auch Möwen drin vor, die ihre Kritik gleich entsprechend markieren. Es kommen jedoch auch schlaflose Nächte, Zukunftsträume, wichtige Momente und ordentlicher nordischer Lokalpatriotismus vor. Durch das ein ums andere Textstück wird man zum Nachdenken oder zum Schmunzeln und bestenfalls zu beidem gebracht.

Die Welt ist besser mit Zierleisten! Oder mit Künstlern wie diesen. Meine Highlights waren die Texte Mamiblogs, Land zwischen den Meeren, Arrrr, Seefahrerromantik, Handwerker und Kommt mit.

Damit könnt ihr jetzt nichts anfangen? Dann müsst ihr wohl selber lesen. Denn durch die Vielfalt des Buches wird wohl für jeden etwas dabei sein und diese einzelnen Autoren könnten unterschiedlicher nicht sein, so dass ein Gesamtfazit recht schwer ist. Ich vergebe jedoch 7 von 10 Punkten.

 

Verlag: KJM Buchverlag

erschienen: 2019

Seiten: 128

ISBN: 978-3961940820