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Interview // Ella Simon (Sabrina Qunaj) – Ein Gefühl wie warmer Sommerregen

Vor einiger Zeit habe ich das Buch “Ein Gefühl wie warmer Sommerregen” gelesen und war begeistert. 

© Foto Puntigam





Ich wollte mehr über die Autorin erfahren und fand heraus, dass hinter dem Namen Ella Simon Sabrina Qunaj steckt. Über den Verlag ergab sich die Gelegenheit nachzufragen:





Ich lese
sehr gerne Liebesromane und spielte schon länger mit dem Gedanken, einen zu
schreiben. Es war eine glückliche Fügung, dass meine Lektorin und ich zur
selben Zeit den Einfall hatten, dass ich dieses Genre versuchen könnte. Die
Idee zu Alis‘ Geschichte kam mir dann bei den Vorbereitungen zu meiner
Recherchereise nach Wales für die historischen Romane. Ich stolperte über ein
Video des Tenby Lifeboats und war sofort fasziniert. In Wales, inmitten dieser
wunderbaren Landschaft, nahm die Idee dann weiter Form an.Sie haben bislang unter ihrem richtigen Namen
Sabrina Qunaj historische Romane veröffentlicht. Woher kam die Idee für dieses
Buch und das Pseudonym?

Die
Entscheidung für ein offenes Pseudonym fiel sehr schnell, da die Bücher unter
meinem richtigen Namen alle etwas Mystisches haben – die Fantasy für
Jugendliche und Erwachsene und das Mittelalter bei den historischen Romanen. Als
Ella Simon bewege ich mich ausschließlich in der Gegenwart und ohne
phantastische Elemente. Das Pseudonym entstand dann in mehreren Brainstorming-Runden
mit Verlag und Agentur.
Wer hat Ihnen bei den Fakten zur Tiermedizin
oder zur Royal National Lifeboat Institution geholfen?
Bei der
Tiermedizin hatte ich das Glück, dass meine Stiefschwester und meine Freundin
beide Tierärztinnen sind. Um Informationen über die RNLI zu bekommen, habe ich
sehr viel gelesen, unzählige Einsatzvideos angesehen und die Station in Tenby
auch mehrmals besucht. Besonders hilfreich war der Mechaniker der Station, der
mich herumgeführt und all meine Fragen beantwortet hat. So durfte ich sogar auf
dem Sitz des Bootsführers Platz nehmen und ganz in Alis‘ Schuhe schlüpfen.
Woher kommt das Interesse an Wales, wo sie
doch selbst aus der Steiermark kommen?
Schon als
Kind hegte ich eine Faszination für britische Mythologie und das keltische
Volk. Mich interessierten Geschichten über Merlin, Arthur, Tristan und Isolde
usw. immer mehr als heimische Märchen. Beim Lesen von historischen Romanen über
Großbritannien fiel mir dann oft auf, dass Wales so gut wie nie eine Rolle
spielt, was mich persönlich aber am meisten interessiert hätte. Also beschloss
ich, selbst diese Lücke zu füllen. Ich tauchte tiefer ein in die Geschichte
dieses Landes und je länger ich mich damit beschäftigte, umso mehr fühlte ich
mich dort zu Hause.
Sie sagen von sich selbst, dass Sie ein
Bücherwurm sind. Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller? Was ist Ihr
Lieblingsbuch?
Das ändert
sich eigentlich ständig, es gibt so viele großartige Autoren und Bücher.
Rebecca Gablé und Bernard Cornwell zählen aber definitiv zu meinen Lieblingen
bei den historischen Romanen und Susan Elizabeth Phillips bei den
Liebesromanen.
Was lesen Sie gerade?
„Gegen den
Wind“ von Sean Thomas Russell, der vierte Band einer Reihe, ein historischer
Seekriegs-Roman, ein wenig wie „Hornblower“.
An dem Buch kann man die Liebe zu Pferden
deutlich erkennen. Seit wann reiten Sie und haben Sie noch andere Hobbies?
Mit dem
Reiten begonnen habe ich mit neun, mit achtzehn kaufte ich mir mit meinen
ersten eigenen Gehältern nach dem Schulabschluss ein eigenes Pferd.
Mittlerweile ist auch meine siebenjährige Tochter eine begeisterte Reiterin.
Ansonsten habe ich neben meiner Familie kaum Hobbys. Ich mag es, die Familie zu
bekochen und Spiele mit ihnen zu spielen, Ausflüge zu unternehmen oder einfach
nur zusammengekuschelt auf der Couch ein Buch zu lesen.
Wer oder was hat Sie generell zum Schreiben
gebracht?
Die Antwort
ist ziemlich unromantisch: Pure Langeweile! Nach der Geburt meiner Tochter
wusste ich nicht viel mit mir anzufangen. Ich war es gewohnt, 40 Stunden die
Woche im Büro zu sitzen und meine Tochter war ein außergewöhnlich ruhiges Baby,
das sehr viel schlief und nie weinte. Bei den stundenlangen Spazierfahrten mit
dem Kinderwagen hing ich wie immer Fantasiegeschichten nach und da ich
plötzlich so viel Zeit hatte, begann ich, sie zu Hause aufzuschreiben. Bald
waren tausend Seiten fertig und mein Debütroman „Elfenmagie“ erwachte zum
Leben.
Wie schreiben Sie an einem ganz normalen Tag
mit Heim, Mann und Kindern?
Immer dann,
wenn ich Zeit finde, ich habe keinen festen Plan. Das ist das Schöne an meinem
Beruf, ich kann mich ganz nach der Familie richten. Oft schreibe ich
vormittags, wenn die Kinder im Kindergarten bzw. in der Schule sind oder
abends, wenn sie schlafen. Manchmal unternimmt mein Mann nachmittags etwas mit
den beiden und ich habe auch Zeit.
Wie stehen Sie zum Ebook?
Ich
gestehe, ich lese fast ausschließlich E-Books. Meinen ersten E-Book-Reader
gönnte ich mir zur Geburt meines zweiten Kindes. Das Lesen fällt mit einem Baby
auf dem Arm sehr viel leichter, wenn man nicht umblättern oder schweres Gewicht
tragen muss. Ich bin aber nach wie vor Print-Fan und nicht selten kaufe ich mir
Bücher, die mich als E-Book begeistern, auch noch als Print fürs Regal.
Wie stehen Sie zu Buchreihen? Sind Sie davon
begeistert, oder mögen Sie lieber Einzelbücher? Sind diese einfacher zu
schreiben?
Als Leser
wie auch als Autor bevorzuge ich Reihen, in denen jeder Band abgeschlossen ist,
ich bin kein Fan von Cliffhangern. Wenn ich einen Band beenden kann, ohne die
Fortsetzung lesen zu müssen, bin ich ein absoluter Reihenfan. Besonders, wenn
ich ein Buch entdecke, das mich begeistert, kann ich nicht genug davon haben.
Ob Reihen oder Einzelbände einfacher zu schreiben sind, kann ich nicht sagen.
Ich plane keine Reihe als Ganzes, sondern arbeite mich von Band zu Band weiter und
jeder hat eine eigene Geschichte. Das ist also, als würde ich Einzelbände
schreiben, nur ist das Universum dasselbe. Ich stelle es mir aber schwierig
vor, über mehrere Bände hinweg zu planen.
Wollen Sie zukünftig auch unter Ella Simon
weiter Bücher schreiben?
Im Moment
schreibe ich gerade meinen zweiten Ella Simon Roman – eine Fortsetzung des
ersten Bandes, aber gleichzeitig auch eine eigenständige Geschichte, die ohne
Vorwissen des ersten gelesen werden kann.(Kleiner Einschub: Juhu!)

© Sonja Kochmann

 

Wollten Sie schon immer Autor/in werden?
Überhaupt
nicht, der Gedanke kam mir eigentlich nie bis zu meinen Schreibversuchen nach
der Geburt meiner Tochter. Ich versuchte mich als Teenager zwar an ein paar
Fanfictions, aber ich stellte nichts fertig und nahm es auch nicht ernst.
Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal
treffen? Welche Frage würden Sie stellen?
Das wäre
Rebecca Gablé. Ich würde mich gerne mit ihr über das britische Mittelalter und
ihre Recherchemethoden austauschen.
© Foto Puntigam

Vielen lieben Dank an die Autorin und den Verlag für diese Ein- und Ausblicke. Bei der Fortsetzung bin ich auf jeden Fall dabei.

Interview

Interview // mit Liliana Le Hingrat

Als das Buch “Das dunkle Herz der Welt” erstmalig in der Vorschau des Verlages und auf historischen Buchseiten auftauchte war für mich klar: Dieses Buch muss ich lesen. Die Thematik ist bislang kaum in historischen Romanen verarbeitet und bietet Stoff für viele gemütliche Leseabende. 


Auf der Frankfurter Buchmesse konnte ich die Autorin treffen und besprach mit ihr soviele interessante Dinge, so dass sich im Nachgang noch dieses tolle Interview ergab.

© Sonja Kochmann

 

© Sonja Kochmann

 

Du hast Geschichtswissenschaften studiert. Was
war Dein Lieblingsthema?
Am meisten
liebe ich die Recherche. Ich war schon immer neugierig. Deswegen habe ich neben
dem Vorlesungsstoff oder der Pflicht-Fachliteratur noch mehr gelesen, um die
„pikanten“ Informationen zu finden … das gewisse „Etwas“.
Besonders
das Mittelalter hat mich fasziniert. Es ist die Zeit, als in Europa
entscheidende Ereignisse stattfanden, die unsere Geschichte bis heute prägen ….
Wenn nicht sogar unser Schicksal. Denn seitdem hören wir Worte wie Heiliger Krieg oder Djihad  … egal in welcher
Sprache. Aber es ist nicht nur das. Hunderte von Burgen und Prunkschlösser quer
durch die Europa faszinieren uns bis heute mit ihren Geschichten. Wir haben
dieser Epoche viel zu verdanken, wie beispielsweise die Gotik und die
Renaissancearchitektur. Ich denke, deswegen sind so viele Mittelalter-Fangruppen
entstanden. Die Mittelalter-Fans „erleben“ diese Zeiten mit Herz und Seele in
ihren Aktivitäten wie: sich auf Mittelaltermärkten zu treffen, Ritterspiele zu
veranstalten, um historischen Personen schauspielerisch zu verkörpern. So sind
auch die Leser von historischen Romanen.
Gerade
deswegen ist es in meinen Augen so wichtig, in meinem Roman nicht nur die
historischen Ereignisse neu erlebbar zu machen, sondern auch die Schicksale der
Menschen zu zeigen. Sie haben uns mit ihren Geschichten etwas Wertvolles
hinterlassen: Unsere Gegenwart!
Wer oder was hat Dich zum Schreiben gebracht?
Wolltest Du schon immer Autorin werden?
Ja, ich
wollte schon immer Bücher schreiben. Was oder wer mich zum Schreiben gebracht
hat? Mit Sicherheit war es mein Vater. Er hat historische Romane geliebt. Ich
werde nicht vergessen, wie er uns, als wir Kinder waren, daraus vorgelesen hat.
Hier möchte ich ein „Danke, Papa!“ meinem Vater im Himmel senden und ihm
zuwinken.
Bereits
während meines Studiums der Geschichtswissenschaften spürte ich die Faszination
von historischen Traktaten, originalen Urkunden und den möglichen Geschichten,
die zwischen den geschriebenen Fakten im Verborgenen zu schlummern schienen.
Und ich hatte das größte Glück, wunderbare Professoren und Dozenten zu haben.
Sie waren begnadete Erzähler. Ihre Vorträge glichen imaginären Zeitreisen in
die Vergangenheit, die so lebendig dargestellt wurden, dass sie mich bis heute
begleiten und beim Schreiben inspirieren.
Die
Schreiberfahrung, die ich als freiberufliche Journalistin einer rumänischen
Tageszeitung gesammelt habe, hat mir diese Aufgabe erleichtert.
Woher kam die Idee für das Buch?
Die
Leidenschaft für die Geschichte und der Drang, die Biographie von Vlad Dracula
anders zu erzählen, ihm die mystische Aura, die ihm Bram Stoker verliehen
hatte, zu nehmen und gleichzeitig Unterhaltung mit wahren historischen Fakten
zu verbinden, fühlte sich wie eine Aufgabe an. So las ich als Studentin das
erste Mal über den Vater des legendären Vlad Dracula: Vladislav Draco Basarab.
Denn Draculas Geschichte beginnt nicht erst mit jenen Gräueltaten, die ihm den
Beinamen „Der Pfähler“ eingebracht haben. Sie beginnt mit dem Streben seines
Vaters Vladislav nach dem walachischen Thron …
Wie lange dauerte das Schreiben?
Das kann
ich nicht genau definieren. Allein die Zeit am Schreibtisch zu betrachten,
während man tippt, finde ich es ungenügend. Man schreibt an dem Buch, auch dann
während man kocht oder im Stau steht. Ständig denkt man an die Romanfiguren und
wiederholt im Kopf eine Szene oder einen Dialog, bis es passt. Und das geschieht
unbewusst. Man steht nachts auf, weil man den perfekten Cliffhanger „geträumt“
hat. Daher für mich hat die Schreibzeit mit der Idee begonnen und sie ist mit
der Abgabe der Druckfahne an Verlag beendet worden. Insgesamt zehn Jahre!
Wie verläuft ein Arbeitstag bei Dir?
Ein
Arbeitstag als Autorin verlangt sehr viel Disziplin, das ist schon klar. Ich
habe nun zwei Mustertage:
Quelle: Liliana Le Hingrat / Himmerod
1.
Muster: Schreiben zu Hause
Zuerst muss
ich richtig wach werden, und das geht nur mit viel Kaffee und lauter Musik. In
dieser Zeit erledige ich alle erforderlichen Hausarbeiten, denn ich will nicht
an sie denken, während ich am Schreibtisch bin. Mit klarem Kopf kann ich mich
hundertprozentig in meine Geschichte und ihre Romanfiguren versetzten. Mittag-
oder Abendessen gibt es nur, wenn mein Magen knurrt oder Mann und Kinder mit
Messer und Gabeln auf den Tisch klopfen. Wenn ich in meinem Buchprojekt
versinke, dann vergesse ich die reale Welt.
Und wenn
ich nicht schreibe, dann lese ich. Ich lese viel und ich lese gerne. Es sind
nicht nur die Fachbücher oder historische Fachzeitschriften. Ich lese sehr
gerne die historischen Romane meiner Kolleginnen und Kollegen. Wir alle sind
die Nachfahren der „Geschichtenerzähler“ oder der „Minnesänger“ aus dem
Mittelalter, die ihre Lieder von Dorf zu Dorf und vom Mensch zu Mensch
weitergetragen haben.
Quelle: Liliana Le Hingrat / Himmerod
2.
Muster: Schreiben im
Kloster der Himmeroder Abtei
Hier ist es
einfacher:
Aufstehen –
Frühstück im Parlatorium – Schreiben
Mittagessen
im Parlatorium – Schreiben
Abendessen
im Parlatorium – Schreiben und Lesen, bis die Augen von allein zu fallen.
Zwei
Wochen, jeden Tag!
In der
Abtei Himmerod habe ich die fruchtbarste Schreibzeit und Inspiration.
Dorothea Kenneweg hat für Dich lektoriert. Ihr
habt beide verschiedene Muttersprachen. Wie war die Zusammenarbeit?
Bis heute
genieße ich die Zusammenarbeit mit Dorothea. Ich glaube, so etwas findet und erlebt
man nur ein Mal im Autorenleben.
Ich habe
damals eine einfache Anzeige auf Xing gestartet, dass ich auf der Suche nach
Lektoren und Verlagen bin … und ich hatte Angst, dass sich tatsächlich
jemand meldet. Es waren in der Tat viele, die geantwortet haben. Aber nur die
Nachricht von Dorothea war persönlich. Sie hat gezielt nach meinem Buchprojekt
gefragt. Ob das Manuskript schon fertig sei? Welches Genre? Ob es mein erstes
Manuskript ist? Was mich bewegt hat zu schreiben? … usw. Es waren viele und
schöne Fragen, so dass ich mich entschieden habe, sie anzurufen. Wir haben uns
auf Anhieb gut verstanden. Aber ich wollte sie unbedingt persönlich treffen und
mit ihr alle Themen „live“ besprechen. Einige Wochen später flog ich nach
Berlin, um über unsere Zusammenarbeit zu sprechen. Ich werde es niemals
vergessen! Aus „Arbeitskolleginnen“ sind wir inzwischen Freundinnen geworden.
Dorothea
hat ein besonderes Gespür für das Zwischenmenschliche einer Geschichte und die
Charakterentwicklung. Sie hat mich immer wieder auf „den roten Faden“ der
Dramaturgie aufmerksam gemacht.
Ich schätze
unsere Gespräche sehr, besonders die, die mich aus einem „Schreibloch“ oder
einer Blockade rausholen. Sie hat es immer geschafft!
Dass wir
beide verschiedene Muttersprachen haben, hat uns beide weitergebracht, denn wir
beide haben etwas voneinander zu lernen oder zu erfahren gehabt. Und das ist
schön. Wir leben eben in einer multikulturellen Gesellschaft … so wie „Das
dunkle Herz der Welt“ nun einmal ist.
Ich habe das Gerücht von einer Fortsetzung
gehört. Kannst Du schon etwas verraten?
Ungerne,
denn schon das Wort „verraten“ klingt für mich „verräterisch“ meinen
Romanfiguren gegenüber. Ich kann nur so viel sagen: Auch in dem Folgeband
bleibt das Thema der Balkanische Rosenkrieg. Es wird ein Geflecht von
historischen Konflikten mit unerwarteten Wendungen sein, dargestellt von
starken und berühmten Persönlichkeiten, wie Vlad Draculea, Matthias Corvinus,
Sultan Mehmet der Eroberer, Eneas Silvio Piccolomini, dem späteren Papst Pius
II.,  und vielen anderen, deren
persönliche Geschichte wir miterleben werden.
Und der Schauplatz? Das
blutige Europa des 15. Jahrhunderts … mehr kann und darf ich nicht verraten.
Du engagierst Dich für den Erhalt und die
Restaurierung von Kirchen in Deinem Heimatland. Erzähl uns davon und hast Du
ein paar Bilder für die Leser?
Mit
meinem Roman „Das dunkle Herz der Welt“ wollte ich deutschsprachige Leser auch
auf die deutsche Minderheit aus Rumänien aufmerksam machen und zeigen, dass
diese Völker historisch seit Jahrhunderten verbündet sind. Die Kirchenburgen
aus Transsylvanien sind aufgrund ihrer Architektur einmalig in Europa. Es ist
traurig mitzuerleben, wie diese historischen Spuren der deutschen Minderheit in
Rumänien dem Zerfall und der Vergessenheit preisgegeben sind, denn ihre Kultur
hat die Geschichte Rumäniens über Hunderte von Jahren geprägt.
Nur
leider leben seit der Revolution von 1989 immer weniger Siebenbürger Sachsen in
diesem Land. Es gibt verlassene deutsche Dörfer, evangelische Kirchburgen, die Einsturz gefährdet sind, sowie verwahrloste Friedhöfe, wo man Namen wie Müller,
Schuster, Weber oder Maier auf den Grabsteinen lesen kann. Dieses kulturelle
Erbe droht verloren zu gehen. Mit meinem Roman möchte ich daher auch ein
Zeichen setzen, die Geschichte dieser deutschen Minderheit in Rumänien bekannt
und damit neu erlebbar machen.
Mein
Herz schlägt für das Projekt der Kirchenburg Dobring:

Folgende Links kennzeichnen wir gemäß
§ 2 Nr. 5 TMG als Werbung:
https://www.kulturerbe-kirchenburgen.de/
Quelle: Liliana Le Hingrat / Alexander Kloos

 

Aber
lassen wir lieber die Bilder darüber sprechen, die mit freundlicher Genehmigung
von Herrn Alexander Kloos hier veröffentlicht werden dürfen.
Hier
appelliere ich an alle Leser, die ein Herz für Geschichte haben! Nur mit einer
kleinen Spende können wir so viel erreichen, wie zum Beispiel Zement für Mörtel
zu kaufen oder ein Steingrab zu reparieren. Jeder Euro zählt.
Diesbezüglich kontaktieren Sie bitte
Herrn Kloos von
Kulturerbe Kirchenburgen e.V. – Verein
für den Erhalt der Kirchenburgen in Siebenbürgen
Am Vogelgesang 29, 67657 Kaiserslautern, Deutschland
email: alex.kloos@buero75.de
Quelle: Liliana Le Hingrat / Alexander Kloos

 

Quelle: Liliana Le Hingrat / Alexander Kloos
Wer ist Dein Lieblingsschriftsteller?
Ich habe
diese Frage gefürchtet. Es gibt so viele Autoren, die ich gerne lese. Nur einen
Schriftsteller oder eine Schriftstellerin zu nennen, wäre ungerecht den anderen
gegenüber, deren Bücher ich genauso so sehr schätze.
Dennoch,
ich habe tatsächlich einen Lieblingsautor: Alexandre Dumas. Ich liebe seinen
D’Artagnan bis heute und besonders den Bösewicht Kardinal Richelieu.
Was ist Dein Lieblingsbuch?
Auf
Rumänisch heißt Abecedar
…freiübersetzt: Das ABC-Buch. Damit habe ich in der ersten Klasse das Lesen
erlernt. Ohne dieses Buch hätte ich nicht schreiben und lesen können.
Aber wenn
ich nur ein einziges Buch nennen müsste, würde ich sofort sagen: „Das dunkle
Herz der Welt“ … denn es ist mein Kind. Welche Mutter liebt nicht ihr Baby
bedingungslos?
© Sonja Kochmann
Willst Du zukünftig auch in verschiedenen
Genres Bücher schreiben?
Ganz klar: Nein! Ich bin Autorin aus Liebe zur
Geschichte geworden. Es gibt so viele spannende Ereignisse und interessante
historische Persönlichkeiten, über die ich noch gerne Romane schreiben würde.
Zeit muss man haben und gesund bleiben …
Welche/n Autor/in würdest Du gerne mal
treffen? Welche Frage würdest Du stellen?
Bram
Stocker. Und die Frage wäre: Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht, aus
einem walachischen Fürst einen transsylvanischen Vampir zu machen?
Die Antwort
habe ich in meinen umfassenden Recherchen gefunden 😉 . Daraus ist die Idee
für einen weiteren Roman entstanden. Aber alles zu seiner Zeit.
Das nenne ich Cliffhanger in einem Interview. Nun bin ich und hoffentlich auch Ihr gespannt auf die nächsten Werke von Liliana Le Hingrat. Vielen Dank für die Einblicke und hoffen wir, dass die ein oder andere Kirchenburg Unterstützung findet, um vor dem Verfall bewahrt zu werden.

 

Interview

Interview // Kiera Brennan – Die Herren der grünen Insel

 

 

Die Herren der grünen Insel von Kiera Brennan ist ein Buch, dass derzeit in jeder Auslage einer Buchhandlung zu finden ist. Es greift mit seiner historischen Handlung Irland auf, was ich bislang in dieser Form noch nicht gelesen habe. Da mir persönlich ein Krankenhausaufenthalt den Besuch der Leipziger Buchmesse 2016 zu nichte gemacht hat, hatte ich durch den Verlag die Chance meine Fragen per Email an Julia Kröhn zu stellen, die hinter diesem englischen Pseudonym steckt. 

© Sonja Kochmann





Nach der Erstellung dieses Blogbeitrages ergab sich dann noch spontan die Möglichkeit, Julia Kröhn auf der Love Letter Convention 2016 in Berlin zu treffen:

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht? Und wie kam es
zu dem Pseudonymen?
  1. Carla
    Federico
  2. Leah
    Cohn
  3. Sophia
    Cronberg
Ich habe schon sehr früh angefangen, Geschichten zu
erfinden, und für mich waren diese von Anfang an eine Gelegenheit, in
vergangene Zeiten einzutauchen – ist meine Leidenschaft für „die Geschichte“
doch fast so groß wie fürs „Geschichtenerzählen“. In gewisser Weise ist das
Schreiben für mich also ein „Vehikel für Zeitreisen“.
Zunächst habe ich ausschließlich unter meinem wirklichen
Namen publiziert. Die Pseudonyme wurden dann notwendig, als zum einen mein
Output größer und ich zum anderen vielseitiger und experimentierfreudiger
wurde. Für mich bieten die Pseudonyme die Chance, neue Genres und Erzählweisen
auszuprobieren, ohne bisherige Leser, die die Eigenheiten der Kröhn-Romane
schätzen, zu enttäuschen.
© Sonja Kochmann
Die Formulierungen sind manchmal recht derb und männlich.
Haben Sie auch mal mit dem Gedanken gespielt, ein männliches Pseudonym zu
wählen?
Am Anfang stand mal ein geschlechtsneutrales Pseudonym zur
Debatte, doch diese Überlegungen wurden bald verworfen, hätte das doch
bedeutet, keine Lesungen oder Medienauftritte zu machen. Ganz ehrlich: Ich
hätte es schwer mit meiner feministischen Grundhaltung vereinbaren können, mal
eben schnell mein Geschlecht zu ändern, um – in welcher Hinsicht auch immer –
glaubwürdiger oder berechenbarer zu sein. Dass „Die Herren der Grünen Insel“
ein düsterer, martialischer und naturalistischer Roman ist, wird schließlich
auch durch Cover und Klappentext deutlich – insofern bedarf es m.E. keinen
männlichen Autorennamen als „Warnhinweis“ für Fans von netten Frauenromanzen.
Was verbindet Sie mit Irland und seiner Geschichte? Woher
kam die Idee für das Buch?
Vor Irland habe ich bereits mehrere Male Schottland,
Nordfrankreich, England und Norwegen bereist. Ich liebe einfach die nordischen
Länder mit ihren rauen, wilden Küstenlandschaften und der Einsamkeit, dieser
archaischen Schönheit und den reichen Zeugnissen der (meist keltischen)
Geschichte.  In gewisser Weise spielt
mein Roman nicht nur in Irland – er hat auch viel mit der „Grünen Insel“
gemein: Eine Gondelfahrt in Venedig ist ohne Zweifel das lieblichere, nettere
Erlebnis, weil die Chance auf Sonne bzw. darauf, trocken und sauber zu bleiben,
deutlich größer ist, als wenn man durch Irland wandert – aber sie ist eben auch
nicht so herausfordernd, so individualistisch, so besonders.
Die normannische Invasion Irlands wiederum ist für mich
eines der faszinierendsten Ereignisse der irischen Geschichte, weil hier ein
Thema zum Tragen kommt, das in fast all meinen historischen Romanen eine große
Rolle spielt – nämlich der „clash of civilizations“, also das gewaltsame
Aufeinanderprallen von zwei unterschiedlichen Kulturen.
Wie lief die Recherche im Vorfeld ab? Gab es Hilfe zu den
Themen (Kleidung, Tradition/Glaube, Kriegsführung, Pflanzenheilkunde)?
Ich habe viele Originalquellen und jede Menge
Sekundärliteratur (etwa fünfzig Bücher) gelesen, sodass ich am Ende sehr viel
Material beisammen hatte. Zu meiner großen Begeisterung gibt es etliche Werke,
die nur so vor interessanten Details/Episoden aus dem Alltag des
mittelalterlichen Irlands strotzen. Wichtig waren für mich auch meine
Recherchereisen an die Originalschauplätze, wo ich u.a. auch an den Gräbern von
zwei meiner Romanfiguren (Strongbow und Diarmait) gestanden bin.
© Sonja Kochmann
Das Buch beinhaltet eine Menge gleichgestellte Figuren.
Welches ist Ihre Lieblingsfigur und warum?
Ascall von Toora ist die bislang größte Romanliebe meines
Lebens –  ich war noch nie so sehr in
einen Protagonisten verliebt wie in ihn. Das liegt wohl auch daran, dass er für
mich sehr schwer zu fassen war/ist, und ich überhaupt erst nach zwei Dritteln des
Buchs – zumindest ansatzweise – kapiert habe, wie er tickt. Diese Mischung von
Brutalität und Verletzlichkeit, von Rohheit und Verantwortungsbewusstsein ist
für mich ziemlich unwiderstehlich.
Bei den Frauen ist Caitlín meine Favoritin, an der ich den
schwarzen Humor und den Pragmatismus schätze.
Die Namensgebung der Protagonisten ist durch die Mischung
aus englisch und gälisch interessant geworden. Vermutlich werden diese aber vom
Leser falsch gedacht bzw. ausgesprochen. Warum wurden nicht alle Namen ins
Englische übertragen?
Für mich war diese Vorgehensweise ein Kompromiss. Ich hätte
am liebsten alle Namen original gälisch geschrieben, weil ich die Geschichte
der normannischen Eroberung Irlands aus dem Blickwinkel von Iren schildere und
es mir falsch vorgekommen wäre, ausgerechnet bei ihren Namen plötzlich die
normannische Perspektive einzunehmen. Allerdings war mir auch klar, dass man
Lesern nicht unbedingt Namen wie z.B. „Tairrdelbach Ua Conchobair“ zumuten
kann. Deswegen habe ich mich bei den komplizierten Namen für jene Schreibweise
entschieden habe, die der gälischen Form – spricht man sie denn laut aus – am
nächsten kommt: So wurde jemand wie der Hochkönig Ruaidrí bei mir zu Ruari. Was
die Sache so kompliziert macht, ist die Tatsache, dass es von vielen Namen
nicht einfach nur die „gälische“ oder die „englische“ Form gibt, sondern
etliche dazwischen, manchmal bis zu sechs.
Bei den fiktiven Figuren habe ich großteils versucht,
einfach auszusprechende Namen zu verwenden – z.B. Ascall, Pól etc. Dass
allerdings auch bei diesen die Aussprache oft vom geschriebenen Wort abweicht,
ließ sich nicht immer vermeiden. Wobei es doch o.k. ist, wenn der Leser –
sobald er z.B. Éilís liest – „Alice“ im Kopf hat, nicht „Älisch“.
Etwas inkonsequent war ich – zugegebenermaßen – bei den
Ortsnamen. Bei diesen habe ich fast immer die englische Namensform gewählt,
denn da einige Leser Irland kennen und sich auf der Insel gut orientieren
können, wäre es mir als Schikane erschienen, statt des Flusses Liffey „An Life“
oder statt Wexford „Loch Garman“ zu schreiben.
Die Figuren sind größtenteils gleichgestellt. Eine
Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenfiguren gibt es kaum, da die Handlung
stark verwoben ist und alle Figuren einen Zusammenhang haben oder sich
irgendwann „treffen“. Wie haben Sie da geschrieben bzw. geplottet
(personenbezogen oder chronologisch)?
Durch die historischen Ereignisse war ein Grundgerüst
vorgegeben – d.h. ich wusste ganz genau, was in welchem der sechs Jahre, die
die normannische Eroberung währte, passiert. Beim Plotten bin ich so vorgegangen,
dass ich zunächst – auf Basis der Historie – die einzelnen Handlungsstränge
entwickelt habe, um diese dann nach und nach zu verweben. Ich gehöre generell
zu den Autorinnen, die extrem viel planen, ehe sie zu schreiben beginnen – und
bei dieser Fülle an historischen Fakten und Figuren hast sich das besonders gut
bewährt.
 
Wie lange dauerte das Schreiben dieses Buches?
Von der Erstellung des Exposés bis zur Abgabe vergingen
knapp zwei Jahre, wobei ich in dieser Zeit nicht ausschließlich an diesem Buch
gearbeitet habe. Und natürlich bin ich mit dem Stoff schon lange zuvor
schwanger gegangen.

© Sonja Kochmann

 

Ich habe Gerüchte gehört, dass es eine Fortsetzung mit dem
Titel „Wolf und Rabe“ geben wird…..
Es gibt definitiv eine Fortsetzung, wobei ich diese nicht
unbedingt so bezeichnen würde. Es werden zwar sehr viele Protagonisten von den
„Herren der Grünen Insel“ wieder auftauchen bzw. wird deren Geschichte dann
auch zu Ende erzählt, doch mein zweiter Irlandroman ist so angelegt, dass man
ihn auch als eigenständiges Buch lesen und verstehen kann. Der Titel „Wolf und
Rabe“ ist tatsächlich der Arbeitstitel – allerdings ist er vom Verlag noch
nicht abgesegnet worden. Gut möglich also, dass am Ende was ganz anderes daraus
wird.
Das Buch ist wirklich ein dickes Buch und sorgt auch für
Muskelarbeit beim Lesen. Wie stehen Sie zum Ebook?
Ich selbst habe mich bis jetzt noch nicht mit Ebooks
anfreunden können, obwohl ich ihre Vorteile klar sehe. In diesem Fall wäre es
in der Tat die muskelschonendere Variante – der Roman wiegt immerhin mehr als
ein Kilo 🙂 – allerdings ist es gerade bei diesem Buch manchmal gut, zum
Personenverzeichnis vorblättern zu können.
Wie gefällt Ihnen der Buchtrailer?
Ich bin sehr begeistert davon. Klar, die Burg, die man
sieht, hätte man im 12. Jahrhundert nicht in Irland vorgefunden und die Cliffs
of Moher, auf die man einen kurzen Blick erhascht, kommen in meinem Roman gar
nicht vor – aber ich finde, der Trailer fängt die Grundstimmung des Buchs
perfekt ein. Für mich bedeutet es immer wieder Gänsehaut pur, ihn zu sehen.
Haben Sie neben dem Schreiben noch Hobbys?
Ich reise sehr gerne, bin bekennender Serienjunkie und
zwinge mich regelmäßig zur körperlichen Ertüchtigung 😉
Wollten Sie schon immer Autor/in werden?
Ich glaube, ich war nie etwas anderes – deswegen konnte ich
auch nichts anderes werden 🙂 Wenn ich als kleines Kind in der Badewanne saß,
habe ich mit zwei Zahnbürsten irgendwelche erfundenen Geschichten nachgespielt.
Von daher gilt: Das Geschichtenerzählen ist nicht das, was ich tue, sondern das,
was ich bin.

© Sonja Kochmann

 

Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview und ich bin gespannt auf weitere Werke.