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zum Nachdenken

Rezension

Rezension // Kevin Hoffmann (Hrsg.) – Kämpferherzen

Bist Du ein Kämpferherz? Nein? Dann musst Du an dieser Stelle meine Rezension dennoch weiterlesen!

Diese Mutmacher-Geschichten thematisieren Geschichten von Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen. Denn ob nun betroffen oder nicht betroffen; Themen wie Inklusion, Entstigmatisierung und Ableismus gehen uns alle an. Kevin Hoffmann der Herausgeber und Mitbegründer des Kämpferherzentreffens wurde von seiner chronischen Erkrankung mitten im Leben überrascht. Ärzte, Kliniken und Umfeld reagierten unterschiedlich und Kevin fand schnell heraus, dass die Community der Betroffenen, digital oder live und in Farbe vor Ort, unabhängig von der Art der Erkrankung/Behinderung mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Das Cover mit dem Symbol der Kämpferherzen könnte passender nicht sein…

Dieses Buch beinhaltet neben einem Bullshitbingo „Was wir uns so alles anhören dürfen“ 15 Beiträge von ganz unterschiedlicher Art, die dennoch zusammengehören.

Ein Austausch über Herangehensweisen, Mut, Unterstützung findet hier mit einer vielfältigen Anzahl an Kämpferherzenautoren statt. Es sind berührende, traurige und bewegende Geschichten. Ich habe nach jeder Geschichte eine Lesepause eingelegt, um diese wirken zu lassen und darüber nachzudenken.

Ich bin selbst chronisch erkrankt (u.a. Endometriose). Diese Erkrankung fand sich zwar nur am Rande in einer Geschichte wieder, aber ich konnte mich mit einigen Sorgen und Nöten, aber auch mit dem Frust über das Gesundheitssystem oder dem Papierkrieg mit Behörden identifizieren.

Einige Autoren berichten auch bei Instagram von Ihrem Alltag und ihren alltäglichen Hürden und Gedanken. Da mich Ihre Gedanken und Beiträge „abgeholt“ haben, folge ich Ihnen nun.

Ich bin daher sogar der Meinung, dass dieses Buch nach einer Fortsetzung schreit und vergebe daher volle Punktzahl!

 

Verlag: humboldt

erschienen: 2024

Seiten: 224

ISBN: 978-3842642744

 

(Hinweis: Das Kämpferherzentreffen 2025 findet am 26.07.2025 im Kongress-Palais in Kassel statt. Die Fotos unten sind 2024 entstanden.)

© Sonja Kochmann

 

© Sonja Kochmann

 

 

Rezension

Rezension // Martina Schönherr – Seh ich aus wie ‘ne Frikadelle oder warum gibt jeder seinen Senf dazu?

Ja…allein der Titel ist der Hammer. Ich musste beim Durchblättern der Verlagsneuheiten direkt schmunzeln. Als mir dann noch eine kleine Frikadelle mit Senfhaube vom Cover zu winkte, war es nach kurzem Überfliegen des Klappentextes klar: Dieses Buch muss ich trotz unfreiwilliger Lesepause irgendwie lesen.

Denn ungewollte Ratschläge bekommt man immer. Hinterher fallen einem dann zig Sachen ein, die man hätte sagen können. Oder man ärgert sich, dass man schon wieder alles über sich ergehen lässt.

In humorvoller Art nimmt Martina Schönherr ihr eigenes Leben unter die Lupe und versucht sich am Kontern und bekommt ein ehrliches Feedback von Ihrer Mutter. Hier und da findet man sich selbst wieder. Vielleicht bekommt man durch diese humorvolle Art des Coachings die Motivation, selbst ein bisschen an seiner Schlagfertigkeit zu arbeiten?! (Oder aber man lehnt sich schmunzelnd zurück und genießt die Schilderungen der Autorin.)

Wer allerdings ein ernstes Selbstcoaching-Buch erwartet, der ist hier falsch. Hier wird regelrecht fortlaufend mit einem Auge gezwinkert.

Die 192 Seiten vergehen wie im Fluge und ich habe das Buch in letzter Zeit in Gesprächen schon mehrfach empfohlen. Allein der Buchtitel hat in meinem Freundeskreis für zahlreiche Schmunzler und interessierte Zuhörer gesorgt. Ich vergebe daher volle Punktzahl und würde das Buch (vielleicht sogar mit einer Tube Senf) verschenken.

 

 

Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH

erschienen: 2024

Seiten: 192

ISBN: 978-3833892547

Rezension

Rezension // Andreas Winkelmann – Hast du Zeit?

Hast du Zeit? Bei Zeit fange ich automatisch zwei Lieder an zu trällern…“Hast Du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für Dich.“ Okay, Andreas Winkelmann habe ich zwar auf den Lesungen noch nicht singen gehört, aber bei seinen Büchern ist eher mit Mord und Totschlag zu rechnen.

Damit fängt das Buch auch mit einer ordentlichen Taktung an. Teilweise hatte ich beim Lesen leider nicht soviel Zeit wie gewünscht, so dass ich im ersten Drittel etwas verwirrt durch die Protagonistenanzahl strauchelte.

Aber vielleicht wollt Ihr dennoch wissen, welches Lied noch hervorragend passt? Nein? Doch? Egal. Es heißt „Zeit“ und ist von der Band Rammstein. Heißt es doch in diesem Lied so passend für dieses Buch „Warmer Körper ist bald kalt (…) Zeit, bitte bleib stehen, bleib stehen. Zeit, das soll immer so weitergehen.“

Da ich die Bücher von Andreas Winkelmann aufgrund seines packenden Schreibstils sehr mag, habe ich mich tapfer durch die Anfangsschwierigkeiten gekämpft und ahnte schon, nicht jeder kommt hier lebend raus. Rückblickend muss ich sagen: Die Idee für das Buch ist hervorragend umgesetzt. Das anfängliche Wirrwarr würde ich schon beinahe als gewolltes Mittel zum Zweck bezeichnen. Mit Einschüben erfährt der Leser von den Gedanken des Täters und tappt wie einige Protagonisten im Dunkeln, wer dort bestraft wird. Wofür? Für rücksichtslose Zeitdiebe. Habt Ihr auch schon einmal Zeit gestohlen?

Vermutlich sollte man sich in Acht nehmen, wenn der Autor mit seinem Buch auf Lesereise geht. Ich habe bereits Karten und freue mich schon auf Andreas Winkelmann.

Ich vergebe 9 von 10 Punkten.

 

Verlag: Rowohlt

erschienen: 2024

Seiten: 416

ISBN: 978-3499013300