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zum Nachdenken

Rezension

Rezension // Louise O’Neill – Du wolltest es doch

© Sonja Kochmann

Emma ist hübsch; sie ist beliebt und begehrt. Auf einer Party schaut sie zu tief ins Glas und ein paar Pillen später, nimmt das Unglück seinen Lauf. Sie geht mit Paul in ein Schlafzimmer und die anderen Jungs kommen hinterher.

Am nächsten Morgen liegt sie mit zerrissener Kleidung vor dem Haus ihrer Eltern und kann sich an nichts erinnern. Für ihre Mitschüler und auch bald die ganze Kleinstadt ist sie nur noch die Schlampe, Hure und das Mädchen, denn das Internet ist voll mit Fotos von der vergessenen Nacht.

Das Buch wurde vom Verlag mit der Altersangabe ab 16 Jahren versehen. Früher würde ich das Buch auf keinen Fall zu lesen geben. Denn es ist aufwühlend, verstörend und emotional. Daher wurde ich ggfs. auch meinem Kind anbieten, darüber zu reden, wenn es zu diesem Buch greift.

Die Autorin hat anschaulich Emmas Zwickmühle dargestellt: Einerseits ist sie beliebt, anderseits hat sie viele Neider. Bei ihr “zu landen”, ist für die Jungs wie die Jagd nach einer Trophäe.

Daher ist das sogenannte Victim Blaming (Opferbeschuldigung, auch „Täter-Opfer-Umkehr“) und Slut Shaming (Frauen werden verurteilt für ihre Sexualität) für Emma nach ihrer vergessenen Nacht auch um so schlimmer. Selbst ihre Freundinnen glauben ihr nicht und wenden sich von ihr ab.

Der Spießrutenlauf und die seelischen und körperlichen Folgen werden eindrucksvoll und bewegend beschrieben. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich mit Emma mitgefühlt und gehofft habe.

Das Buch klärt auf. Es bewegt und es veranlasst zum Nachdenken (und vielleicht für die betroffene Generation auch zum Umdenken). Denn Alkohol, Drogen und Egoismus  scheinen immer mehr zum Verwischen von Grenzen zu führen. Ein “Nein” zählt kaum noch. Ein logischer Gedanke “Kann das noch gewollt sein” kommt kaum noch auf. Und was noch viel schlimmer ist: es wird nicht mehr geholfen!

Ein sehr realistisches Buch mit einem leider realistischen Ende. Volle Punktzahl. 

Verlag: Carlsen
erschienen: 2018
Seiten: 368
ISBN: 978-3551583864

Rezension

Rezension // Uwe Laub – Sturm

Das Wetter auf der ganzen Welt spielt verrückt: Ein Tornado verwüstet das Olympiastadion in Berlin, der Permafrostboden in Siberien taut, Hagelstürme verwüsten Hannover und in Australien verdunsten ganze Seen. Verletzte und Tote sorgen für einen Schockzustand der betroffenen Nationen. Es beginnt ein Kampf gegen…..

Bereits bei der Verlagsvorschau ist mir das Buch aufgefallen. Seit Marc Elsberg habe ich einen Faible für diese Art von Thriller entwickelt und der Schreibstil von Uwe Laub kann hier hervorragend mithalten.

Natürlich war ich als Hannoveranerin gespannt, welche Teile von Hannover betroffen sind und ein Blick aus dem Fenster (Schnee, Eis brrr) lassen einen dann doch etwas nachdenklich werden. Leider habe ich aufgrund der Grippe die Lesung in Hannover oder auf der Buchmesse verpasst, aber ich hatte tolle und spannende Lesestunden:

Uwe Laub schafft zwei glaubhafte und sympathische Protagonisten, die in der aktionreichen Handlung bestehen müssen. Die nötigen wissenschaftlichen Erklärungen werden locker und leicht in die Handlung eingeflochten, so dass man als Laie das nötige Know How der Verschwörung nach und nach erfährt.

Die Sekretärin Laura und der Wetterspezialist Daniel werden zu einem unschlagbaren Duo bei der Aufspürung des anfänglich unsichtbaren Feindes  (Laura mutiert als Mutter fast zur Superheldin. Streng nach dem Motto: leg dich nicht mit Mutti an!).

Es stellt sich dem Leser die unheimliche Frage: wie viel ist Fiktion und wie viel Realität?

Volle Punktzahl.

(Einen Abzug in der Kür gibt es für den Verwendung des Begriffs Bahre. Denn die Person, die in der Szene drauf lag, war sehr lebendig und blieb es auch. Liebe Lektoren…achtet mal darauf! Eine Bahre ist nur für Leichen!)

Verlag: Heyne
erschienen: 2018
Seiten: 400
ISBN: 978-3453419803

 

© Sonja Kochmann

 

Rezension

Rezension // Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen (Klima Quartett #1)

Die Geschichte der Bienen ist genau wie die Natur an sich ein vielseitiges Buch. Um die wichtige Rolle der Bienen in der Natur im Zusammenhang mit dem Fortschritt entsprechend aufzeigen zu können, spielt das Buch in drei Zeitsträngen mit drei Hauptpersonen:

1. Die junge chinesische Arbeiterin Tao im Bezirk 242 Shirong, Sichuan im Jahr 2098 muss aufgrund des massiven Bienen sterbens in der Vergangenheit jeden Tag per Hand Blüten bestäuben, um überhaupt die Nahrungsproduktion aufrecht erhalten zu können.
Als ihr kleiner Sohn bei einem Ausflug verunglückt, zeigt sich, dass die Natur unberechenbar für den Menschen geworden ist.

2. Der Naturwissenschaftler William aus Maryville, Hertfordshire, England im Jahr 1852 scheint aus akademischer Sicht gescheitert. Er konnte bislang keine wissenschaftliche Ausarbeitung erstellen, die seinen Lehrmeister stolz machen würde. Eine Schar voll Kinder und ein Saatguthandel hindern ihn. Doch eines Tages hat er die Idee einen andersartigen Bienenstock zu bauen.

3. Der Imker George aus Autumn Hill, Ohio USA im Jahr 2007 muss um seinen Hof bangen. Kosten- /Nutzenrechnung erscheint wichtiger als eine artgerechte Haltung und Züchtung der Bienen. Eines Tages kehren seine Bienen nicht mehr zurück…

Obwohl 528 Seiten nicht wenig sind und der Perspektivwechsel durchaus etwas Konzentration abverlangen, konnte ich das Buch nicht weglegen und habe es nach kurzer Zeit durch gehabt.

Die drei Hauptprotagonisten und die kleinen eigentlichen Helden, die Bienen, haben mich durch den fesselnden Schreibstil von Maja Lunde in ihren Bann gezogen und ich MUSSTE wissen, was die Autorin ihren Lesern mit auf den Weg gibt.

Bei der Lesung erklärte die Autorin ja, dass ihre Muttergefühle durchaus auf die einzelnen Textpassagen Einfluss genommen haben und in manchen Szenen fast überhand nahmen. Aber Kinder seien wichtig und daher habe sie die Beziehung zwischen den Kindern zu ihren Eltern besonders herausgearbeitet. Die Kleinen sind die “heroes of the story” und dies kann ich nur bestätigen. Sie stellen die Zukunft dar und prägen diese und auch ein bisschen die Eltern, wenn diese es zulassen.

Volle Punktzahl mit Blütenpollen für diese besondere Buch, in dem Naturwissenschaft, Spannung, Familie, Gefühle und die Zukunft ineinander greifen! Ich freue mich bereits jetzt auf das neue Buch “Die Geschichte des Wassers”, das Band 2 im Rahmen des Klimaquartetts von Maja Lunde sein wird.

 

Den Bericht zur Lesung findet Ihr auch hier auf dieser Seite.

Verlag: btb Verlag
erschienen: 2017
Seiten: 528
ISBN: 978-3442756841

© Sonja Kochmann