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Harper Collins

Rezension

Rezension // Anne Barns – Bernsteinsommer

Konditorin Christina versteht die Welt nicht mehr. Aufgrund seiner Demenz verändert sich ihr Vater von Tag zu Tag. Als er eines Tages nach seinen Malutensilien fragt, findet Christina in seinem Arbeitszimmer Bilder, die er nicht gemalt haben kann. Auf der Suche nach deren Ursprung landet sie auf der Insel Rügen und erfährt ein bisher unbekanntes Stück Familiengeschichte.

Anne Barns bzw. Andrea Russo gehört bereits seit ihrem ersten „Insel-Roman“ zu meinen Lieblingsautorinnen. Mit ihrem Schreibstil entführt sie den Leser an Nord- oder Ostsee und führt sie dabei kulinarisch in Versuchung. Geschickt werden Familiengeheimnisse oder unentdeckte Teile der Familiengeschichte aufgedeckt. Dabei macht man literarische Ausflüge nach Rügen, Juist, Norderney und …

Dieses Buch ist aufgrund der Reisebeschränkungen in der Entstehungszeit in Hanau und Rügen/Hiddensee angesiedelt. Denn dort konnte die Autorin auf bereits gemachte Erfahrungen zurückgreifen. Dass Ihr diese Erfahrungen stets wichtig sind, merkt man beim Lesen an liebevollen Details. Für mich war dieses Buch wie „raus an die frische Meerluft“. (Gott sei Dank, trägt die Covergestaltung nun wieder dazu bei, da der Verlag zwischenzeitlich bei der Auswahl daneben gelangt hat und den Flair mit den modernen Grafiken einfach nicht einfangen konnte.) Für mich war aber dieses Buch noch viel mehr….es war ein Rückblick…warum? Christinas Vater leidet an Demenz und kann seiner Tochter nicht mehr den Start in ihre Recherchen ermöglichen. Die Krankheit nimmt Tag für Tag einen Teil seiner Persönlichkeit und führt dazu, dass er die Fragen seiner Tochter nicht mehr beantworten kann. Für viele ein zu schweres Thema für Unterhaltsliteratur. Für mich aufgrund der Demenz meines eigenen Vaters bis vor kurzem ein Stück Realität. Einige Szenen sind durchaus in ähnlicher Form passiert und die ersten drei Kapitel waren für mich reinster Taschentuchverbrauch. Doch es hat mir gut getan. Vielleicht bekommen so auch Nichtbetroffende Einblicke in diese zerstörerische Krankheit. Danke Andrea für das gefühlvolle Abbilden dieser Krankheit, die das Buch keinesfalls überschattet.

Christina findet Bilder eines unbekannten Malers im Arbeitszimmer ihres Vaters und vermutet deren Ursprung bei der entfernten Verwandtschaft auf Rügen. Um den Kopf für ein paar Tage frei und sich Klarheit für ihre überraschend neue Liebe zu bekommen, reist sie spontan nach Rügen.

Wundervoll. Was braucht man mehr als frische Meerluft und Kuchen? Denn die entfernte Verwandtschaft ist die bereits bekannte Thea, die Nachbarin der drei Schwestern am Meer und die backen gern.

Wer die anderen Bücher nicht gelesen hat, wird hier übrigens keine Probleme haben, in die Handlung zu finden. Man wird lediglich neugierig und wird vermutlich die anderen Bücher auch schnell lesen wollen.

Die „Rügener Truppe“ sorgt für viel Charme in der Handlung. Man bekommt sofort Appetit und möchte sich mit an den Tisch setzen und schmausen und klönen.

Warum es dieses Mal im Anhang nicht nur Rezepte, sondern auch Gedichte gibt und warum es von Rügen nach Hiddensee ging, welche Rolle Bernstein in dem Buch spielt und welche „echte Person“ noch einen Auftritt in dem Buch hat und ob Christinas Liebe eine Chance bekommt, müsst ihr selbst herausfinden. Für mich steht jedenfalls fest, ich möchte auch mal nach Hiddensee und der Reiz, mal zum Pinsel zu greifen und mich mal an einem Aquarell- oder Ölbild zu versuchen, wird aufgrund der Schilderungen immer größer. Ich vergebe volle Punktzahl für dieses Herzensbuch.

 

Verlag: Harper Collins

erschienen: 2021

Seiten: 384

ISBN: 978-3749900206

Rezension

Rezension // Jane Linfoot – Ein verschneites Weihnachtsfest in Cornwall

Weihnachten kommt unaufhaltsam näher und Ivy freut sich voller Tatendrang, dieses Fest auf einem Schloss in Cornwall verbringen zu dürfen. Ihre Freundin hat sie engagiert, für eine instagramtaugliche Dekoration zu sorgen, da diese als Influencerin die richtige Location für ihre Fotos benötigt.

Als sie einige Tage vor ihrer Clique ankommt, stellt sich Ernüchterung ein. Cockle Shell Castle ist internetfreie Zone und hat bisher keinerlei Weihnachtsdekoration. Das einzige, was dieses Schloss zu bieten hat, ist ein mürrischer Schlossherr namens Bill, der zwar gut aussieht, aber sich die Vermietung des Schlosses ganz anders vorgestellt hat.

Chaos.

Chaos ist für einen Weihnachtsroman mit Liebe und vielen Personen eine ordentliche Grundlage. Da muss man die Ärmel hochkrempeln und mitanpacken und genau das macht Ivy. Sie wächst geradezu über sich hinaus, um für die richtige Weihnachtsstimmung zu sorgen. Dabei ignoriert sie die Anziehungskraft von Bill, dem sie tatsächlich schon vor Jahren bei einem unvergesslichen Skiurlaub begegnet ist und stürzt sich in die Arbeit. (Wer noch Anregungen für Deko, Filme, Rezepte und ähnliches sucht, wird hier definitiv Inspiration finden.)

Cockle Shell Castle liegt übrigens in der Nähe der kleinen Traumküche und des kleinen Brautladens, den zwei weiteren Reihen der Autorin, die man aber für das Verständnis nicht gelesen haben muss.

Ivy, die Dekoqueen, ist quasi in der dekofreien Zone gestrandet und klammert sich an jede Idee, um das Schloss umzugestalten. Das ist ihre Mission. Schließlich will sie die vergangenen Monate einfach nur ausblenden und vergessen. Dass das nicht so einfach ist, wenn das Fest der Liebe vor der Tür steht, zeigt sich jedoch immer wieder. Auch Bill, anfänglich genervt, scheint schließlich aus eigenen Gründen mitzuziehen.

Das Buch lebt übrigens von der Vielfalt der Charaktere, die hier neben Bill und Ivy durch die Handlung wuseln. Wir haben die besagten Influencer, die kaum einen Moment ohne Handykamera genießen können, ein alterndes Pärchen, dass die Bettpfosten wackeln und die übrigen Erwachsenen erröten lässt, Veganer und ökologisch Angehauchte, Aussteiger und Surfer und und und

Jane Linfoot sorgt für abwechslungsreiche Handlung und witzige Dialoge, um Ivy und Bill schließlich zum Glück zu verhelfen. Aber Achtung, wer dieses Buch liest, wird mit dem Lachtränen und dem Ohrwurm „Feliz Navidad“ ordentlich zu kämpfen haben. Ich vergebe volle Punktzahl.

 

Verlag: HarperCollins

erschienen: 2020

Seiten: 464

ISBN: 978-3749900091

Rezension

Rezension // Anne Barns – Eisblumenwinter

Pia hat es geschafft; sie hat sich mit ihrer Karamellwerkstatt auf Rügen selbständig gemacht. Doch leider lebt der Mann ihrer Träume auf der Insel Juist. Hin und hergerissen, kommt der Wunsch ihrer Oma, sie auf eine Reise zu begleiten gerade recht, um auf andere Gedanken zu kommen.

Eisblumenwinter? Bei 30 Grad? Das Erscheinungsdatum scheint nicht so ganz passend, aber da Anne Barns zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört, habe ich mich gern in eine winterliche Stimmung versetzen lassen. Mit den uns bereits bekannten Schwestern Jana, Katharina und Pia verschlägt es uns anfänglich wieder auf die Insel Rügen. Bei einem idyllischen Adventskaffeekränzchen, bei dem ich gern dabei gewesen wäre, werden uns die Charaktere wieder näher gebracht.

Wer „Drei Schwestern am Meer“ nicht kennt, wird daher schnell in die Handlung finden. Oma Marianne, genannt Anni, bekommt Hinweise auf ein verschollenes Familienmitglied und da noch vieles unausgesprochen und ungeklärt ist, machen Anni und Pia eine Fahrt zum winterlichen Schönberger Strand.

Schließlich wird hier nach dem Motto gelebt „Wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe.“ Ein schöner Kalenderspruch wie Pia und auch ich finden. Oma Anni will es nämlich ganz genau wissen, was damals alles so geschah. Schließlich gibt es immer zwei Seiten einer Geschichte bzw. Wahrheit, Wahrnehmung und Wirklichkeiten. Eine schlaue und sympathische alte Dame, mit der ich gern mal Kuchen essen würde. (Kuchen essen ist übrigens ein großes Begleitthema und daher gibt es auch wieder Rezepte im Anhang und das stimmt einen schon kalorisch auf die Weihnachtszeit ein.)

Es zeigt sich, dass der Familienstamm der Schwestern noch vielfältiger und mannigfaltiger ist als gedacht, denn hier werden wohl Wege für weitere Bücher mit Blick auf Schweden, Amerika und Dänemark geebnet. (Juhu – es gibt vielleicht Bolcher.) Mehr darf ich aber nicht verraten, doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und so bekommen Anni und Pia Antworten, die sie dringend gesucht haben.

Anne Barns hat wieder ein wundervolles Buch geschaffen, mit dessen Geschichte man wundervoll dem Alltag entschwinden kann. Der Schreibstil gefällt mir immer wieder aufs Neue gut. Auch wenn „Inselromane“ derzeit ein echter Renner sind, würde ich diesen besonderen Stil immer wieder erkennen.

(Leider ist der optische Wiedererkennungswert der Cover durch den Verlag zerstört worden: Wo vorher wunderschöne Bilder mit optischen Parallelen zu den Rezepten und der Handlung zierten, haben wir hier einen zwar nett anzusehenden, aber nicht so anziehenden Druck, der mich in der Buchhandlung leider nicht sofort ansprechen würde. Eine zufriedenstellende Antwort habe ich übrigens auf Nachfrage vom Social Media Team des Verlages nicht erhalten.)

Eine witzige Anekdote ist übrigens Pias Kontakt zu Chloe. Hier handelt sich um ein „Easter Egg“ denn Chloe ist Protagonistin in Susanne Oswalds Roman „Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands“, das gleich auf meine Leseliste gewandert ist. Ich vergebe volle Punktzahl und bin gespannt, wie es mit den anderen Zweigen des Familienstammbaums weiter gehen wird.

Im Buch kaufen die Protagonistinnen “Lampenfrauen”. Genau so eine findet sich bereits im Besitz meiner Schwiegermutter 🙂 © Cornelia Kochmann

Verlag: HarperCollins

erschienen: 2020

Seiten: 352

ISBN: 978-3959675369