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Familiengeheimnis

Rezension

Rezension // Anne Barns – Honigduft und Meeresbrise

Geliebte Martha, so beginnt ein Brief der 80 Jahre unterwegs war. Geschrieben im Dezember 1941, wurde er in den Kriegswirren der damaligen Zeit abgefangen. Als Annas Oma den Brief für ihre Mutter erhält, offenbart er ein Geheimnis. Sie beschließen beide nach Ahrenshoop zu fahren und ein wenig zu forschen.

Anne Barns gehört bereits seit „Apfelkuchen am Meer“ zu meinen Lieblingsautorinnen. Die Mischung aus Familiengeheimnissen, Rezepten und den geschilderten Landschaften sind wirklich stets gelungen und lassen den Leser beim Lesen den Alltag vergessen.

Die junge Protagonistin Anna hat derzeit einige private Entscheidungen zu treffen: nach dem Tod der Freundin Mona muss sie feststellen, dass das Leben weiter geht und sie mit ihrem Freund nicht mehr viel verbindet als der schlichte Alltag. Monas Freund Timo jedoch war schon immer mehr in ihren Augen, doch sie hielt sich stets zurück. Es stehen Entscheidungen an, die ihr einfach zu viel sind und da kommt der mysteriöse Brief ganz recht.

Eine Fahrt von Lüdinghausen nach Ahrenshoop steht an. Denn das zu enthüllende Familiengeheimnis betrifft schließlich auch Anna. Anna ist eine sympathische Protagonistin, die im Laufe des Buches eine ansehnliche und glaubwürdige Entwicklung durchmacht.

Annas Oma ist wirklich spitze. Obwohl sie nicht mehr die Jüngste ist, geht sie der Imkerei nach und mästet ihre Enkelin, wie man es von Omas so gewohnt ist. Dass die Leidenschaft der Imkerei auch mit Martha zu tun hat, wird der Leser mit appetitanregenden Rezepten erfahren. (Für alle, deren Diätplan es zulässt, sind die Rezepte natürlich, wie gewohnt, im Anhang abgedruckt.)

Ich liebe ja das Meer und Anna bekommt durch ihren Aufenthalt dort, die dringend benötigte Entschleunigung und findet neben der Aufklärung  auch ausreichend Ruhe zu malen und um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Da möchte man sich doch gleich mit auf die Decke setzen und die Zehen in den Sand graben.

(Achtung: Wer gern hinten im Buch die Rezepte nachschlagen will; dort ist auch ein Stammbaum abgedruckt. Wer sich also nicht selbst spoilern will, sollte erst am Schluss die Rezepte nachschlagen. Mir ist es nämlich passiert, was allerdings dem Lesespaß keinen Abbruch zugefügt hat.)

Das Buch lebt von kleinen Details, wie einer getöpferten Tasse, eine Muschelkette, ein Plausch mit dem Postboten, eine wiedergefundene Freundin, Aquarellbilder und einigen redseligen Nebenprotagonisten. Ich frage mich, ob die auskunftsfreudige Josefine wohl irgendwann ihr eigenes Buch bekommt?

Ich lege Euch das Buch mit dem Zitat: „Der Krieg ist wie das Meer. Es gibt nicht immer zurück, was es genommen hat.“ ans Herz und vergebe volle Punktzahl mit Honigbienchen.

 

Verlag: Mira Taschenbuch

erschienen: 2019

Seiten: 352

ISBN: 978-3745700046

Rezension

Rezension // Jennifer L. Armentrout – Golden Dynasty: Größer als Verlangen (de-Vincent-Saga #1)

Mitten in den Sümpfen Louisianas steht das Herrenhaus der de Vincents. Die Krankenschwester Julia ist sprachlos, denn sie wurde von einer der reichsten und skandalträchtigsten Familien Amerikas engagiert.

Kurz vor ihrer Abreise hatte sie einen One Night Stand und dieser ist ausgerechnet Lucian de Vincent! Ein Zufall? Gibt es bei dieser Familie überhaupt Zufälle? Was ist ihre Aufgabe und kommt sie mit Herz, Seele und Körper unversehrt da raus?

Ich liebe solche Familiengeschichten. Und dann auch noch in den Südstaaten! Vermutlich bin ich da geprägt durch „Fackeln im Sturm“ und den Familienserien Denver, Dallas und Co.

Jennifer L. Armentrout hat eine äußerst interessante Familie geschaffen. Es sind die drei Brüder Lucian, Gabriel und Devlin da Vincent, die sich mit Intrigen und Eskapaden einen Namen gemacht haben. Umgangssprachlich nennt man sie auch Luzifer, Demon und Devil. Das kann ja heiter werden, denn hier scheint nicht nur das Liebes- und Sexleben sehr ausschweifend zu sein, sondern auch Bestechung und Mord sind an der Tagesordnung.

Geld regiert die Welt und die drei Herren sind Ablehnung nicht gewöhnt. Als sie auf die Hilfe der Krankenschwester Julia angewiesen sind, gerät ihre Welt durcheinander. Denn obwohl Julia sich der Anziehungskraft von Lucian nicht entziehen kann, hat sie ihre Prinzipien.

Sie versucht nicht nur Lucian näher zu kommen, sie will auch das Geheimnis des Anwesens lüften.

An dieser Stelle hatte ich ein ums andere Mal Kate Hudson in „Der verbotene Schlüssel“ vor meinem geistigen Auge (auch wenn…nein, ich verrate es nicht). Es ist ein packendes Buch und man sollte daher viel Lesezeit einplanen, denn mich hat es tatsächlich so gepackt, dass ich Nachtschicht beim Lesen eingelegt habe.

Ich musste es wissen! So etwas hatte ich schon lange nicht mehr und vergebe volle Punktzahl. Ich bin nun gespannt auf die anderen de Vincent Brüder, da natürlich deren Geschichte bislang nur leicht gestreift wurde. Wenn die Autorin den Stil beibehalten kann: Hut ab!

 

Verlag: Mira Taschenbuch

erschienen: 2019

Seiten: 384

ISBN: 978-3956498688

Rezension

Rezension // Katharina Herzog – Zwischen dir und mir das Meer

 

© Sonja Kochmann

Nach “Immer wieder im Sommer” musste natürlich auch “Zwischen dir und mir das Meer” auf meinem ebook-Reader Platz finden.

Leider war bis vor ein paar Wochen das Wetter grau und kühl, so dass ich einfach literarisch keinen Ausflug nach Amrum und an die Amalfiküste machen wollte. Als ich das Buch dann bei schönem sommerlichen Temperaturen beendet hatte, fehlten mir einfach die richtigen Worte, um eine Rezension zu schreiben: das Buch ist einfach soooooooooooooooooo schön!

Katharina Herzog hat mit diesem Buch eine sommerliche Familiengeschichte erschaffen, die einfach ans Herz geht: Lena arbeitet auf Amrum in einem Hospiz. Nach dem Ertrinken der Mutter Mariella im offenen Meer kann sie den Gedanken nicht ertragen, dass Menschen beim Sterben allein sind. Das Meer, wird von ihr als Schwimmerin gemieden, doch beim Sammeln von Meerglas geliebt. Anders als ihre Schwester Zoe, die in die Welt hinauszieht und wagemutig alles riskiert. Als eines Tages der Italiener Matteo die Insel aufsucht, kommen die italienischen Wurzeln der Mutter ans Licht. Die Vergangenheit der Mutter bewegt die Schwestern sehr und so machen sich diese auf den Weg nach Italien.

Ein Satz in diesem Buch hat es mir besonders angetan: “Wenn einem in der Familiengeschichte ein Band fehlte, dann konnte auch die eigne Geschichte niemals komplett sein.” (Seite 74)

Lena und Zoe wissen nicht viel über die italienischen Wurzeln ihrer Mutter und Katharina Herzog schafft es erstaunlich einfühlsam darzustellen, was die beiden Schwestern prägte und warum diese so unterschiedlich durchs Leben gehen. Ich persönlich konnte mich mehr mit Lenas zurückhaltender Art anfreunden, doch diese macht Dank der italienischen Lebensfreude und ordentlich amore eine große Entwicklung bei der Suche von Mariellas Geheimnissen durch.

Anhand eines Fotos findet Lena ihren Großvater, der auf traditionelle Weise Zitronen züchtet und sich eisern gegen die großen Händler behauptet. Genau wie vor zig Jahren. Denn durch geschickte Perspektivwechsel der Kapitel erfährt der Leser genau wie Lena und Zoe nach und nach, was damals geschah.

Und noch einer, weil es so schön ist: “Am Ende fand jeder seinen Frieden, egal wie er zuvor gelitten hatte.” (Seite 343)

Lest selbst von der friesischen Oma Hilde, vom italienischen Opa Babbo und einigen anderen wichtigen Personen und Ereignissen: volle Punktzahl.

Verlag: Rowohlt
erschienen: 2018
Seiten: 352
ISBN: 978-3499274206