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Interview

Bericht/ Interview

Bericht // Buchmesseninterview mit Ursula Poznanski und Arno Strobel – Anonym

© Sonja Kochmann

“Anonym” ist nun das zweite Buch des Autorenduos Ursula Poznanski und Arno Strobel. Bereits das erste Buch “Fremd” zeichnete sich durch den spannungsgeladenen Perspektivwechsel aus, der inzwischen ein Markenzeichen der beiden Autoren geworden ist. Auf der Frankfurter Buchmesse hatte ich Gelegenheit, die Autoren zu treffen und es ergab sich ein interessantes Gespräch.

 

© Sonja Kochmann

Die Idee für die gemeinsame Zusammenarbeit entstand auf der Buchmesse in Frankfurt und wurde schließlich in Leipzig umgesetzt. Da das erste Buch anfänglich nur als eine Art “Idee” geschrieben wurde, gab es hier keinen Zeitdruck. Erst gegen Ende, als ein Verlag gefunden und die Abgabefrist näher rückte, wurde etwas schneller geschrieben. (Man beachte hierbei bitte die Besonderheiten, mit denen die beiden sich herumschlagen mussten. Zu finden im Bericht zur Lesung zu “Fremd”.) So wurde “Anonym” inzwischen tatsächlich schneller und routinierter geschrieben.

 

2015
© Sonja Kochmann

 

2015
© Sonja Kochmann

Beide haben mittlerweile auch einen eigenen Hashtag. Schaut mal unter Instagram und Co. unter #stroblanski. Nach mehreren Varianten mit den Vornamen der beiden setzte sich dieser der Lektorin Katharina durch.

Das Buch spielt in Hamburg und beschreibt auch schön einige örtliche Begebenheiten. Da Ursula Poznanski mit ihrer Familie in der Nähe von Wien und Arno Strobel mit seiner Familie in der Nähe von Trier leben, wurden diverse Recherchereisen nach Hambrug genutzt. Denn nicht alles kann über den bunten Emailverkehr geklärt werden. Manche Abstimmungen müssen persönlich laufen. Für Adressen von Wohnanschriften hat Ursula Poznanski jedoch einen Trick. Sie verwendet immer eine Börse für Mietwohnungen, um die “richtige” Wohnung für den passenden Stadtteil zu finden. Na? Schon jemand geschaut, ob er die Wohnung von Nina inzwischen angemietet hat?  😉

Obwohl Daniel Buchholz und Nina Salomon ein sehr gelungenes Ermittlerduo geworden sind, steht bislang nicht fest, ob es ein Wiedersehen mit den beiden Polizisten aus Hamburg geben wird. Denn beide Autoren haben ihre Verträge erfüllt und sind derzeit an keine Projekte gebunden.

Beide Autoren sind sehr präsent auf facebook und so habe ich die Frage gestellt, wie weit unsere Gesellschaft von Morituri entfernt ist. Beide haben die Ansicht, dass die Hemmungen im Netz quasi nicht mehr existent sind. Es wird gepostet, gehetzt und sämtliche Werte und Normen außer Acht gelassen. Lediglich die Angst vor der Strafverfolgung hält manche zurück. Dies ist mehr als erschreckend.

Vielen Dank an die Autoren und an den Rowohltverlag für die Möglichkeit des Gespräches und ich hoffe dennoch auf eine Möglichkeit mehr von den beiden Autoren in dieser Kombination zu lesen.

2015
© Sonja Kochmann

 

Interview

Interview // Ella Simon (Sabrina Qunaj) – Ein Gefühl wie warmer Sommerregen

Vor einiger Zeit habe ich das Buch “Ein Gefühl wie warmer Sommerregen” gelesen und war begeistert. 

© Foto Puntigam





Ich wollte mehr über die Autorin erfahren und fand heraus, dass hinter dem Namen Ella Simon Sabrina Qunaj steckt. Über den Verlag ergab sich die Gelegenheit nachzufragen:





Ich lese
sehr gerne Liebesromane und spielte schon länger mit dem Gedanken, einen zu
schreiben. Es war eine glückliche Fügung, dass meine Lektorin und ich zur
selben Zeit den Einfall hatten, dass ich dieses Genre versuchen könnte. Die
Idee zu Alis‘ Geschichte kam mir dann bei den Vorbereitungen zu meiner
Recherchereise nach Wales für die historischen Romane. Ich stolperte über ein
Video des Tenby Lifeboats und war sofort fasziniert. In Wales, inmitten dieser
wunderbaren Landschaft, nahm die Idee dann weiter Form an.Sie haben bislang unter ihrem richtigen Namen
Sabrina Qunaj historische Romane veröffentlicht. Woher kam die Idee für dieses
Buch und das Pseudonym?

Die
Entscheidung für ein offenes Pseudonym fiel sehr schnell, da die Bücher unter
meinem richtigen Namen alle etwas Mystisches haben – die Fantasy für
Jugendliche und Erwachsene und das Mittelalter bei den historischen Romanen. Als
Ella Simon bewege ich mich ausschließlich in der Gegenwart und ohne
phantastische Elemente. Das Pseudonym entstand dann in mehreren Brainstorming-Runden
mit Verlag und Agentur.
Wer hat Ihnen bei den Fakten zur Tiermedizin
oder zur Royal National Lifeboat Institution geholfen?
Bei der
Tiermedizin hatte ich das Glück, dass meine Stiefschwester und meine Freundin
beide Tierärztinnen sind. Um Informationen über die RNLI zu bekommen, habe ich
sehr viel gelesen, unzählige Einsatzvideos angesehen und die Station in Tenby
auch mehrmals besucht. Besonders hilfreich war der Mechaniker der Station, der
mich herumgeführt und all meine Fragen beantwortet hat. So durfte ich sogar auf
dem Sitz des Bootsführers Platz nehmen und ganz in Alis‘ Schuhe schlüpfen.
Woher kommt das Interesse an Wales, wo sie
doch selbst aus der Steiermark kommen?
Schon als
Kind hegte ich eine Faszination für britische Mythologie und das keltische
Volk. Mich interessierten Geschichten über Merlin, Arthur, Tristan und Isolde
usw. immer mehr als heimische Märchen. Beim Lesen von historischen Romanen über
Großbritannien fiel mir dann oft auf, dass Wales so gut wie nie eine Rolle
spielt, was mich persönlich aber am meisten interessiert hätte. Also beschloss
ich, selbst diese Lücke zu füllen. Ich tauchte tiefer ein in die Geschichte
dieses Landes und je länger ich mich damit beschäftigte, umso mehr fühlte ich
mich dort zu Hause.
Sie sagen von sich selbst, dass Sie ein
Bücherwurm sind. Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller? Was ist Ihr
Lieblingsbuch?
Das ändert
sich eigentlich ständig, es gibt so viele großartige Autoren und Bücher.
Rebecca Gablé und Bernard Cornwell zählen aber definitiv zu meinen Lieblingen
bei den historischen Romanen und Susan Elizabeth Phillips bei den
Liebesromanen.
Was lesen Sie gerade?
„Gegen den
Wind“ von Sean Thomas Russell, der vierte Band einer Reihe, ein historischer
Seekriegs-Roman, ein wenig wie „Hornblower“.
An dem Buch kann man die Liebe zu Pferden
deutlich erkennen. Seit wann reiten Sie und haben Sie noch andere Hobbies?
Mit dem
Reiten begonnen habe ich mit neun, mit achtzehn kaufte ich mir mit meinen
ersten eigenen Gehältern nach dem Schulabschluss ein eigenes Pferd.
Mittlerweile ist auch meine siebenjährige Tochter eine begeisterte Reiterin.
Ansonsten habe ich neben meiner Familie kaum Hobbys. Ich mag es, die Familie zu
bekochen und Spiele mit ihnen zu spielen, Ausflüge zu unternehmen oder einfach
nur zusammengekuschelt auf der Couch ein Buch zu lesen.
Wer oder was hat Sie generell zum Schreiben
gebracht?
Die Antwort
ist ziemlich unromantisch: Pure Langeweile! Nach der Geburt meiner Tochter
wusste ich nicht viel mit mir anzufangen. Ich war es gewohnt, 40 Stunden die
Woche im Büro zu sitzen und meine Tochter war ein außergewöhnlich ruhiges Baby,
das sehr viel schlief und nie weinte. Bei den stundenlangen Spazierfahrten mit
dem Kinderwagen hing ich wie immer Fantasiegeschichten nach und da ich
plötzlich so viel Zeit hatte, begann ich, sie zu Hause aufzuschreiben. Bald
waren tausend Seiten fertig und mein Debütroman „Elfenmagie“ erwachte zum
Leben.
Wie schreiben Sie an einem ganz normalen Tag
mit Heim, Mann und Kindern?
Immer dann,
wenn ich Zeit finde, ich habe keinen festen Plan. Das ist das Schöne an meinem
Beruf, ich kann mich ganz nach der Familie richten. Oft schreibe ich
vormittags, wenn die Kinder im Kindergarten bzw. in der Schule sind oder
abends, wenn sie schlafen. Manchmal unternimmt mein Mann nachmittags etwas mit
den beiden und ich habe auch Zeit.
Wie stehen Sie zum Ebook?
Ich
gestehe, ich lese fast ausschließlich E-Books. Meinen ersten E-Book-Reader
gönnte ich mir zur Geburt meines zweiten Kindes. Das Lesen fällt mit einem Baby
auf dem Arm sehr viel leichter, wenn man nicht umblättern oder schweres Gewicht
tragen muss. Ich bin aber nach wie vor Print-Fan und nicht selten kaufe ich mir
Bücher, die mich als E-Book begeistern, auch noch als Print fürs Regal.
Wie stehen Sie zu Buchreihen? Sind Sie davon
begeistert, oder mögen Sie lieber Einzelbücher? Sind diese einfacher zu
schreiben?
Als Leser
wie auch als Autor bevorzuge ich Reihen, in denen jeder Band abgeschlossen ist,
ich bin kein Fan von Cliffhangern. Wenn ich einen Band beenden kann, ohne die
Fortsetzung lesen zu müssen, bin ich ein absoluter Reihenfan. Besonders, wenn
ich ein Buch entdecke, das mich begeistert, kann ich nicht genug davon haben.
Ob Reihen oder Einzelbände einfacher zu schreiben sind, kann ich nicht sagen.
Ich plane keine Reihe als Ganzes, sondern arbeite mich von Band zu Band weiter und
jeder hat eine eigene Geschichte. Das ist also, als würde ich Einzelbände
schreiben, nur ist das Universum dasselbe. Ich stelle es mir aber schwierig
vor, über mehrere Bände hinweg zu planen.
Wollen Sie zukünftig auch unter Ella Simon
weiter Bücher schreiben?
Im Moment
schreibe ich gerade meinen zweiten Ella Simon Roman – eine Fortsetzung des
ersten Bandes, aber gleichzeitig auch eine eigenständige Geschichte, die ohne
Vorwissen des ersten gelesen werden kann.(Kleiner Einschub: Juhu!)

© Sonja Kochmann

 

Wollten Sie schon immer Autor/in werden?
Überhaupt
nicht, der Gedanke kam mir eigentlich nie bis zu meinen Schreibversuchen nach
der Geburt meiner Tochter. Ich versuchte mich als Teenager zwar an ein paar
Fanfictions, aber ich stellte nichts fertig und nahm es auch nicht ernst.
Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal
treffen? Welche Frage würden Sie stellen?
Das wäre
Rebecca Gablé. Ich würde mich gerne mit ihr über das britische Mittelalter und
ihre Recherchemethoden austauschen.
© Foto Puntigam

Vielen lieben Dank an die Autorin und den Verlag für diese Ein- und Ausblicke. Bei der Fortsetzung bin ich auf jeden Fall dabei.

Interview

Interview // mit Liliana Le Hingrat

Als das Buch “Das dunkle Herz der Welt” erstmalig in der Vorschau des Verlages und auf historischen Buchseiten auftauchte war für mich klar: Dieses Buch muss ich lesen. Die Thematik ist bislang kaum in historischen Romanen verarbeitet und bietet Stoff für viele gemütliche Leseabende. 


Auf der Frankfurter Buchmesse konnte ich die Autorin treffen und besprach mit ihr soviele interessante Dinge, so dass sich im Nachgang noch dieses tolle Interview ergab.

© Sonja Kochmann

 

© Sonja Kochmann

 

Du hast Geschichtswissenschaften studiert. Was
war Dein Lieblingsthema?
Am meisten
liebe ich die Recherche. Ich war schon immer neugierig. Deswegen habe ich neben
dem Vorlesungsstoff oder der Pflicht-Fachliteratur noch mehr gelesen, um die
„pikanten“ Informationen zu finden … das gewisse „Etwas“.
Besonders
das Mittelalter hat mich fasziniert. Es ist die Zeit, als in Europa
entscheidende Ereignisse stattfanden, die unsere Geschichte bis heute prägen ….
Wenn nicht sogar unser Schicksal. Denn seitdem hören wir Worte wie Heiliger Krieg oder Djihad  … egal in welcher
Sprache. Aber es ist nicht nur das. Hunderte von Burgen und Prunkschlösser quer
durch die Europa faszinieren uns bis heute mit ihren Geschichten. Wir haben
dieser Epoche viel zu verdanken, wie beispielsweise die Gotik und die
Renaissancearchitektur. Ich denke, deswegen sind so viele Mittelalter-Fangruppen
entstanden. Die Mittelalter-Fans „erleben“ diese Zeiten mit Herz und Seele in
ihren Aktivitäten wie: sich auf Mittelaltermärkten zu treffen, Ritterspiele zu
veranstalten, um historischen Personen schauspielerisch zu verkörpern. So sind
auch die Leser von historischen Romanen.
Gerade
deswegen ist es in meinen Augen so wichtig, in meinem Roman nicht nur die
historischen Ereignisse neu erlebbar zu machen, sondern auch die Schicksale der
Menschen zu zeigen. Sie haben uns mit ihren Geschichten etwas Wertvolles
hinterlassen: Unsere Gegenwart!
Wer oder was hat Dich zum Schreiben gebracht?
Wolltest Du schon immer Autorin werden?
Ja, ich
wollte schon immer Bücher schreiben. Was oder wer mich zum Schreiben gebracht
hat? Mit Sicherheit war es mein Vater. Er hat historische Romane geliebt. Ich
werde nicht vergessen, wie er uns, als wir Kinder waren, daraus vorgelesen hat.
Hier möchte ich ein „Danke, Papa!“ meinem Vater im Himmel senden und ihm
zuwinken.
Bereits
während meines Studiums der Geschichtswissenschaften spürte ich die Faszination
von historischen Traktaten, originalen Urkunden und den möglichen Geschichten,
die zwischen den geschriebenen Fakten im Verborgenen zu schlummern schienen.
Und ich hatte das größte Glück, wunderbare Professoren und Dozenten zu haben.
Sie waren begnadete Erzähler. Ihre Vorträge glichen imaginären Zeitreisen in
die Vergangenheit, die so lebendig dargestellt wurden, dass sie mich bis heute
begleiten und beim Schreiben inspirieren.
Die
Schreiberfahrung, die ich als freiberufliche Journalistin einer rumänischen
Tageszeitung gesammelt habe, hat mir diese Aufgabe erleichtert.
Woher kam die Idee für das Buch?
Die
Leidenschaft für die Geschichte und der Drang, die Biographie von Vlad Dracula
anders zu erzählen, ihm die mystische Aura, die ihm Bram Stoker verliehen
hatte, zu nehmen und gleichzeitig Unterhaltung mit wahren historischen Fakten
zu verbinden, fühlte sich wie eine Aufgabe an. So las ich als Studentin das
erste Mal über den Vater des legendären Vlad Dracula: Vladislav Draco Basarab.
Denn Draculas Geschichte beginnt nicht erst mit jenen Gräueltaten, die ihm den
Beinamen „Der Pfähler“ eingebracht haben. Sie beginnt mit dem Streben seines
Vaters Vladislav nach dem walachischen Thron …
Wie lange dauerte das Schreiben?
Das kann
ich nicht genau definieren. Allein die Zeit am Schreibtisch zu betrachten,
während man tippt, finde ich es ungenügend. Man schreibt an dem Buch, auch dann
während man kocht oder im Stau steht. Ständig denkt man an die Romanfiguren und
wiederholt im Kopf eine Szene oder einen Dialog, bis es passt. Und das geschieht
unbewusst. Man steht nachts auf, weil man den perfekten Cliffhanger „geträumt“
hat. Daher für mich hat die Schreibzeit mit der Idee begonnen und sie ist mit
der Abgabe der Druckfahne an Verlag beendet worden. Insgesamt zehn Jahre!
Wie verläuft ein Arbeitstag bei Dir?
Ein
Arbeitstag als Autorin verlangt sehr viel Disziplin, das ist schon klar. Ich
habe nun zwei Mustertage:
Quelle: Liliana Le Hingrat / Himmerod
1.
Muster: Schreiben zu Hause
Zuerst muss
ich richtig wach werden, und das geht nur mit viel Kaffee und lauter Musik. In
dieser Zeit erledige ich alle erforderlichen Hausarbeiten, denn ich will nicht
an sie denken, während ich am Schreibtisch bin. Mit klarem Kopf kann ich mich
hundertprozentig in meine Geschichte und ihre Romanfiguren versetzten. Mittag-
oder Abendessen gibt es nur, wenn mein Magen knurrt oder Mann und Kinder mit
Messer und Gabeln auf den Tisch klopfen. Wenn ich in meinem Buchprojekt
versinke, dann vergesse ich die reale Welt.
Und wenn
ich nicht schreibe, dann lese ich. Ich lese viel und ich lese gerne. Es sind
nicht nur die Fachbücher oder historische Fachzeitschriften. Ich lese sehr
gerne die historischen Romane meiner Kolleginnen und Kollegen. Wir alle sind
die Nachfahren der „Geschichtenerzähler“ oder der „Minnesänger“ aus dem
Mittelalter, die ihre Lieder von Dorf zu Dorf und vom Mensch zu Mensch
weitergetragen haben.
Quelle: Liliana Le Hingrat / Himmerod
2.
Muster: Schreiben im
Kloster der Himmeroder Abtei
Hier ist es
einfacher:
Aufstehen –
Frühstück im Parlatorium – Schreiben
Mittagessen
im Parlatorium – Schreiben
Abendessen
im Parlatorium – Schreiben und Lesen, bis die Augen von allein zu fallen.
Zwei
Wochen, jeden Tag!
In der
Abtei Himmerod habe ich die fruchtbarste Schreibzeit und Inspiration.
Dorothea Kenneweg hat für Dich lektoriert. Ihr
habt beide verschiedene Muttersprachen. Wie war die Zusammenarbeit?
Bis heute
genieße ich die Zusammenarbeit mit Dorothea. Ich glaube, so etwas findet und erlebt
man nur ein Mal im Autorenleben.
Ich habe
damals eine einfache Anzeige auf Xing gestartet, dass ich auf der Suche nach
Lektoren und Verlagen bin … und ich hatte Angst, dass sich tatsächlich
jemand meldet. Es waren in der Tat viele, die geantwortet haben. Aber nur die
Nachricht von Dorothea war persönlich. Sie hat gezielt nach meinem Buchprojekt
gefragt. Ob das Manuskript schon fertig sei? Welches Genre? Ob es mein erstes
Manuskript ist? Was mich bewegt hat zu schreiben? … usw. Es waren viele und
schöne Fragen, so dass ich mich entschieden habe, sie anzurufen. Wir haben uns
auf Anhieb gut verstanden. Aber ich wollte sie unbedingt persönlich treffen und
mit ihr alle Themen „live“ besprechen. Einige Wochen später flog ich nach
Berlin, um über unsere Zusammenarbeit zu sprechen. Ich werde es niemals
vergessen! Aus „Arbeitskolleginnen“ sind wir inzwischen Freundinnen geworden.
Dorothea
hat ein besonderes Gespür für das Zwischenmenschliche einer Geschichte und die
Charakterentwicklung. Sie hat mich immer wieder auf „den roten Faden“ der
Dramaturgie aufmerksam gemacht.
Ich schätze
unsere Gespräche sehr, besonders die, die mich aus einem „Schreibloch“ oder
einer Blockade rausholen. Sie hat es immer geschafft!
Dass wir
beide verschiedene Muttersprachen haben, hat uns beide weitergebracht, denn wir
beide haben etwas voneinander zu lernen oder zu erfahren gehabt. Und das ist
schön. Wir leben eben in einer multikulturellen Gesellschaft … so wie „Das
dunkle Herz der Welt“ nun einmal ist.
Ich habe das Gerücht von einer Fortsetzung
gehört. Kannst Du schon etwas verraten?
Ungerne,
denn schon das Wort „verraten“ klingt für mich „verräterisch“ meinen
Romanfiguren gegenüber. Ich kann nur so viel sagen: Auch in dem Folgeband
bleibt das Thema der Balkanische Rosenkrieg. Es wird ein Geflecht von
historischen Konflikten mit unerwarteten Wendungen sein, dargestellt von
starken und berühmten Persönlichkeiten, wie Vlad Draculea, Matthias Corvinus,
Sultan Mehmet der Eroberer, Eneas Silvio Piccolomini, dem späteren Papst Pius
II.,  und vielen anderen, deren
persönliche Geschichte wir miterleben werden.
Und der Schauplatz? Das
blutige Europa des 15. Jahrhunderts … mehr kann und darf ich nicht verraten.
Du engagierst Dich für den Erhalt und die
Restaurierung von Kirchen in Deinem Heimatland. Erzähl uns davon und hast Du
ein paar Bilder für die Leser?
Mit
meinem Roman „Das dunkle Herz der Welt“ wollte ich deutschsprachige Leser auch
auf die deutsche Minderheit aus Rumänien aufmerksam machen und zeigen, dass
diese Völker historisch seit Jahrhunderten verbündet sind. Die Kirchenburgen
aus Transsylvanien sind aufgrund ihrer Architektur einmalig in Europa. Es ist
traurig mitzuerleben, wie diese historischen Spuren der deutschen Minderheit in
Rumänien dem Zerfall und der Vergessenheit preisgegeben sind, denn ihre Kultur
hat die Geschichte Rumäniens über Hunderte von Jahren geprägt.
Nur
leider leben seit der Revolution von 1989 immer weniger Siebenbürger Sachsen in
diesem Land. Es gibt verlassene deutsche Dörfer, evangelische Kirchburgen, die Einsturz gefährdet sind, sowie verwahrloste Friedhöfe, wo man Namen wie Müller,
Schuster, Weber oder Maier auf den Grabsteinen lesen kann. Dieses kulturelle
Erbe droht verloren zu gehen. Mit meinem Roman möchte ich daher auch ein
Zeichen setzen, die Geschichte dieser deutschen Minderheit in Rumänien bekannt
und damit neu erlebbar machen.
Mein
Herz schlägt für das Projekt der Kirchenburg Dobring:

Folgende Links kennzeichnen wir gemäß
§ 2 Nr. 5 TMG als Werbung:
https://www.kulturerbe-kirchenburgen.de/
Quelle: Liliana Le Hingrat / Alexander Kloos

 

Aber
lassen wir lieber die Bilder darüber sprechen, die mit freundlicher Genehmigung
von Herrn Alexander Kloos hier veröffentlicht werden dürfen.
Hier
appelliere ich an alle Leser, die ein Herz für Geschichte haben! Nur mit einer
kleinen Spende können wir so viel erreichen, wie zum Beispiel Zement für Mörtel
zu kaufen oder ein Steingrab zu reparieren. Jeder Euro zählt.
Diesbezüglich kontaktieren Sie bitte
Herrn Kloos von
Kulturerbe Kirchenburgen e.V. – Verein
für den Erhalt der Kirchenburgen in Siebenbürgen
Am Vogelgesang 29, 67657 Kaiserslautern, Deutschland
email: alex.kloos@buero75.de
Quelle: Liliana Le Hingrat / Alexander Kloos

 

Quelle: Liliana Le Hingrat / Alexander Kloos
Wer ist Dein Lieblingsschriftsteller?
Ich habe
diese Frage gefürchtet. Es gibt so viele Autoren, die ich gerne lese. Nur einen
Schriftsteller oder eine Schriftstellerin zu nennen, wäre ungerecht den anderen
gegenüber, deren Bücher ich genauso so sehr schätze.
Dennoch,
ich habe tatsächlich einen Lieblingsautor: Alexandre Dumas. Ich liebe seinen
D’Artagnan bis heute und besonders den Bösewicht Kardinal Richelieu.
Was ist Dein Lieblingsbuch?
Auf
Rumänisch heißt Abecedar
…freiübersetzt: Das ABC-Buch. Damit habe ich in der ersten Klasse das Lesen
erlernt. Ohne dieses Buch hätte ich nicht schreiben und lesen können.
Aber wenn
ich nur ein einziges Buch nennen müsste, würde ich sofort sagen: „Das dunkle
Herz der Welt“ … denn es ist mein Kind. Welche Mutter liebt nicht ihr Baby
bedingungslos?
© Sonja Kochmann
Willst Du zukünftig auch in verschiedenen
Genres Bücher schreiben?
Ganz klar: Nein! Ich bin Autorin aus Liebe zur
Geschichte geworden. Es gibt so viele spannende Ereignisse und interessante
historische Persönlichkeiten, über die ich noch gerne Romane schreiben würde.
Zeit muss man haben und gesund bleiben …
Welche/n Autor/in würdest Du gerne mal
treffen? Welche Frage würdest Du stellen?
Bram
Stocker. Und die Frage wäre: Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht, aus
einem walachischen Fürst einen transsylvanischen Vampir zu machen?
Die Antwort
habe ich in meinen umfassenden Recherchen gefunden 😉 . Daraus ist die Idee
für einen weiteren Roman entstanden. Aber alles zu seiner Zeit.
Das nenne ich Cliffhanger in einem Interview. Nun bin ich und hoffentlich auch Ihr gespannt auf die nächsten Werke von Liliana Le Hingrat. Vielen Dank für die Einblicke und hoffen wir, dass die ein oder andere Kirchenburg Unterstützung findet, um vor dem Verfall bewahrt zu werden.