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Nordsee

Interview

Interview // Christin-Marie Below – Pension Herzschmerz

Ich liebe ja Inselromane. Egal welche Jahreszeit oder welche Umstände vorliegen, man kann sich zum Meer träumen. Mit “Pension Herzschmerz” durfte ich meine Lieblingsinsel Norderney literarisch besuchen und sogar Kekse nachbacken.

© Sonja Kochmann

Da ich Christin-Marie auch schon vor ein paar Jahren in Berlin getroffen, habe ich mal für Euch nachgefragt: Wer oder was hat Dich zum Schreiben gebracht? Wolltest Du schon immer Autorin werden?

Ich wusste schon immer, dass ich mal einen kreativen Beruf ausüben möchte. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass ich irgendwann einmal Bücher schreiben werde. Die Idee zum Buch kam durch meine drei besten Freundinnen auf, ihnen habe ich „Pension Herzschmerz“ auch gewidmet. Dazu ermutigt hat mich meine Mama, die ebenfalls Autorin ist.

Wie lange dauerte das Schreiben? Wie lange dauerte es, bis Du einen Verlag für Dein Buch gefunden hast?

Insgesamt habe ich ein Jahr an meinem Roman gearbeitet. Die Verlagssuche ging viel schneller als gedacht 😊

Pension Herzschmerz spielt auf Norderney. Warum gerade Norderney? Was verbindet Dich mit der Insel?

Norderney ist für mich ein ganz besonderer Ort, eine meiner besten Freundinnen lebt nämlich auf der wunderschönen Insel. Mittlerweile fühlt es sich wie ein zweites „zu Hause“ an.

© Sonja Kochmann

Welche Orte auf Norderney sind für Dich ein Muss?

Definitiv die Marienhöhe! Bei gutem Wetter sollte man sich unbedingt auf die Terrasse setzen, auf die wunderschöne Nordsee schauen und dabei einen hausgemachten Milchreis genießen.

© Sonja Kochmann

Hast Du selbst schon einen Rundflug mit einer Cessna gemacht?

Ja, allerdings nicht über Norderney. Steht für einen meiner nächsten Besuche aber ganz oben auf meiner Liste 😊

Wie schreibst Du? Wie verläuft ein Arbeitstag bei Dir?

Meine Arbeitstage verlaufen ganz unterschiedlich und viel abwechslungsreicher, als man es vielleicht denkt. Ich bin keine Autorin, die konsequent 8 Stunden am Tag schreibt, leider funktioniert meine Kreativität nicht auf Knopfdruck. An manchen Tagen schreibe ich 2 Stunden, an manchen Tagen 10 und an anderen dafür überhaupt nicht. Die Freiheit, meine Arbeitszeiten selbst einteilen zu können, genieße ich sehr.

Wer ist Dein Lieblingsschriftsteller?

Walter Moers! Für mich ist er ein Genie!

Was ist Dein Lieblingsbuch?

Ich kann mich nicht entscheiden, eines ist aber definitiv „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers

Hast Du neben dem Schreiben noch Hobbys?

Ich male wahnsinnig gerne

Was liest Du gerade?

„Zorn der Lämmer“ von Daniel Wehnhardt. Ich kann das Buch mit gutem Gewissen empfehlen, es handelt sich um einen zeitgeschichtlichen Kriminalroman.

Wie stehst Du zu Buchreihen? Bist Du davon begeistert, oder magst Du lieber Einzelbücher?

Es gibt bestimmt sehr gute Buchreihen, ich lese allerdings lieber Bücher, die in sich abgeschlossen sind.

Es gibt jetzt bereits Pension Herzschmerz und Mirella Manusch im Handel. Willst Du zukünftig auch weiter in verschiedenen Genres Bücher schreiben?

Auf jeden Fall! Kinderbücher und Wohlfühlromane wird es definitiv weiterhin geben. Ich kann mir aber auch vorstellen, mich mal in einem ganz anderen Genre auszuprobieren.

Welche/n Autor/in würdest Du gerne mal treffen? Welche Frage würdest Du stellen?

Da sind wir wieder bei Walter Moers. Ich würde ihn gerne zu ein paar Charakteren seiner Bücher ausquetschen. Außerdem interessiert mich sehr, wie er schreibt. Vielleicht schicken wir ihm einfach dein Interview zu? 😊

(Das wär ja mal was.) Und wie geht es jetzt mit den drei Mädels von der Insel weiter? Kannst Du schon ein bisschen verraten?

Verraten kann ich leider noch nicht viel, nächstes Frühjahr erfahrt ihr mehr 😊

Vielen Dank für das Interview und ich warte gespannt auf einen weiteren Ausflug nach Ney.

© Sonja Kochmann

Rezension

Rezension // Christin-Marie Below – Pension Herzschmerz

Louise und Anna müssen einfach aus ihrem tristen Alltag heraus: Die Männer nerven einfach nur. Der eine hat kein Verständnis für die Frauenfreundschaft und der andere ist fremdgegangen. Da die Dritte im Bunde, Kim, gerade einen gebrochenen Fuß hat und Hilfe braucht, fahren sie kurzerhand nach Norderney. Bei ordentlich Alkohol und Liebeskummer entsteht aus einer Schnapsidee der Plan, auf der Insel die Pension Herzschmerz zu eröffnen: Eine Pension für alle, die unter Liebeskummer leiden und dringend einen Tapetenwechsel benötigen.

Der Schreibstil der Autorin hat mir von Anfang an gut gefallen, denn die drei Mädels sind frech und halten mit wahrer Frauenpower zusammen, so dass die Kerle glatt ins Straucheln kommen. Mit frechen Dialogen und Aktionen stellen die Mädels ihre Heimatstadt und schließlich auch die Insel auf den Kopf. Denn um die Pension eröffnen zu können, gilt es Unterstützer bei den Insulanern zu finden.

Dass Insulaner ein ganz eigenes Völkchen sind, muss wohl nicht extra erwähnt werden und Christin-Marie Below ist es hervorragend gelungen, ein paar charakteristische Einheimische zu kreieren.

Nach Durchschreiten der Liebeskummerphasen, hier als Besonderheit als Einleitung der Kapitel noch mal aufgeführt, merkt Louise, dass der smarte junge Bürgermeister ihr vielleicht in mehr als einer Richtung weiter helfen kann. Die stille Post der Insulaner und die Meerluft hilft den drei Mädels nun wirklich über den eigenen Herzschmerz hinwegzukommen. Nebenbei lernt man die Insel Norderney kennen bzw. da ich selbst schon zig 1000 Mal auf der Insel war, bin ich gedanklich mitgeradelt, denn Louise und Anna müssen ordentlich in die Pedale treten, um ihr Ziel zu erreichen.

Was die älteste Boygroup der Insel, die Döntje Singers, Erdnussbuttercookies und eine Gartenlaube für eine Rolle spielen, müsst Ihr selber lesen.

Bei all dem Trubel hätte es für mich ein bisschen mehr Liebe für Louise sein dürfen, aber das ist Geschmackssache. Ich hoffe, auf einen Folgeband, in dem vielleicht die Pension Herzschmerz eröffnet ist und die ersten Gäste begrüßen darf. Ich vergebe volle Punktzahl.

 

Außerhalb der Wertung muss ich leider anführen, dass ich (obwohl ich das Cover wunderschön finde) es nicht passend finde, dass das Wahrzeichen der Insel, der Norderneyer Leuchtturm aus rotem Backstein, stilistisch so falsch dargestellt wird. Für mich ein absolutes No go.

 

© Sonja Kochmann

 

Verlag: Ullstein Taschenbuch

erschienen: 2020

Seiten: 336

ISBN: 978-3548063652

Rezension

Rezension // Anne Barns – Bratapfel am Meer (#2)

Mit „Bratapfel am Meer“ bringt uns Anne Barns auf die winterliche Nordseeinsel Juist. Die Intensivkrankenschwester Caro bekommt von einer Patientin nach deren Tod eine Perlenkette und den Auftrag, diese Kette zu ihrer großen Liebe zurück nach Juist zu bringen.

Da sie selbst eine Auszeit von ihrem stressigen Alltag bitter nötig hat, fährt sie zur Weihnachtszeit auf die kleine Insel. Sie wird von einer Handvoll Insulaner empfangen, die ihr bei der Suche helfen.

Anne Barns hat mit ihrem gewohnt lockeren und leichten Schreibstil wieder ein wundervolles Buch abgeliefert, auf das sich das Warten gelohnt hat.

Caro wird wie bereits erwähnt, von einigen Insulaner empfangen, die den Anne Barns Fans nicht unbekannt sind. Denn bereits im Erstlingswerk „Apfelkuchen am Meer“ und in der eBook Kurzgeschichte „Apfelträume am Meer“ kommen Merle, Enna und Co. drin vor. Allerdings ist dieses Buch und die Kurzgeschichte eine eigene in sich abgeschlossene Geschichte, so dass diese nicht unbedingt erforderlich sind. Aber weil es so schön ist, sie alle wieder zu sehen, empfehle ich es dennoch vorab zu lesen!

Merle und Caro verbinden die Freude am Backen und der besonders geschulte Geschmackssinn und so hat man beim Lesen tatsächlich immer Hunger, da die wundervoll geschilderten Rezepte und Erzeugnisse, die sich auch im Anhang finden, die Handlung garnieren.

Garniert, wird die Handlung übrigens auch durch Liedtexte. Denn auf der Suche nach Elfriedes großer Liebe, gabelt sie den Anhalter Max mit seiner Gitarre auf, der rein zufällig auf Juist einen Kumpel hat.

Wie wir im Anhang erfahren, sind die wundervollen Liedtexte von der Gruppe „Scheer“. Ich habe mir die Lieder, die im Buch vorkommen, auf Spotify angehört und ich muss sagen, ich bin begeistert! Ich habe mir auch noch einige andere Lieder darüber hinaus angehört und habe eine neue Band für mich entdeckt.

Rezepte und Musik sind jedoch nicht das einzige, was dieses Buch auszeichnet, denn die Insulaner mit denen Caro zu tun hat, haben einen unbeschreiblichen Optimismus. Sie haben ein Motto: „Und am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, dann war es noch nicht das Ende.

Da Caro in einer Art Lebenskrise steckt und auch der Anhalter Max mit seiner Zukunft hadert, sind die Juister genau die richtige Truppe.

Die zu klärenden Geheimnisse, die Ereignisse auf dem verschneiten Juist und die wundervoll geschilderte Landschaft sind da eine echte Herausforderung und eine Ablenkung zugleich.

Die beschriebenen Köstlichkeiten verführen einen beim Lesen, fast ständig zu naschen. Das ergeht allerdings auch der Protagonistin so, denn man hat fast das Gefühl, unsere Heldin ernährt sich ausschließlich von Kuchen und anderen Köstlichkeiten und auch Hochprozentigem. Aber warum auch nicht, schließlich findet sich bei nettem Zusammensein so manche Lösung und jeder hat sein Päckchen zu tragen….

Ich war ein bisschen traurig, als ich mich von dieser Truppe literarisch verabschieden musste und vergebe wohlverdiente zehn Punkte.

 

Verlag: Mira Taschenbuch

erschienen: 2019

Seiten: 352

ISBN: 978-3745700374