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Rezension

Rezension // Simon Beckett – Die Verlorenen (Jonah Colley #1) – Hörbuch

Simon Beckett: In der Buchhandlung ein fester Bestandteil im Sortiment. Dennoch habe ich tatsächlich noch nie ein Buch von ihm gelesen. Warum weiß ich selbst nicht so genau. Vielleicht hat es mich abgeschreckt, dass es schon so viele Teile einer Reihe gab oder die Cover sprachen mich nicht an.

„Die Verlorenen“ ist der Beginn einer neuen Reihe mit dem Polizisten Jonah Colley. Damit ist das Buch für Beckett Einsteiger quasi geeignet. Durch Zufall hörte ich eine Probe vom Hörbuch und der Erzähler Johannes Steck hatte mich vom ersten Moment an. Da ich derzeit den Kopf zu voll habe, um selbst zu lesen, dachte ich mir: Überlass das mal Herrn Steck…..Seine rauchige Stimme trug mich Minute von Minuten durch die düstere und traurige Handlung. Aus „nur mal ein paar Minuten auf dem Balkon“ wurden einige Stunden. Auch die Hausarbeit flutsche. Gebannt hörte ich zu. Einziger Kritikpunkt am Hörbuch: Johannes Steck hat die weiblichen Stimmen in den Dialogen verstellt gesprochen. Diese wirkten daher allesamt unsympathisch und biestig. Eine neutrale Stimme hätte mir da eher gefallen. Die 11 Stunden vergingen wie im Fluge, obwohl…

…ja da kommen wir zur Handlung. Jonah Colley ist ein gezeichneter Protagonist. Seine Vergangenheit hat ihn stark beeinflusst und er hat sich vom Verschwinden seines Sohnes vor 10 Jahren nie erholt. Seine eigene Ehe und seine Freundschaft zu seinem Kollegin Gavin gingen in die Brüche. Als dieser sich meldet und um Hilfe bittet, eilt Jonah dennoch in eine düstere Lagerhalle. Dort findet er in Plastikfolie gewickelte Leichen und wird selbst schwer verletzt.

Fortan versucht er herauszufinden, was geschah und stößt auf einige Ungereimtheiten, durch die er auch ins Visier der Ermittler Fletcher und Bennett und einer neugierigen Journalistin gerät.

Rückblickend muss ich sagen, dass mir diese Ungereimtheiten und die Entwirrung zu langatmig waren. Ein Buch hätte ich vielleicht abgebrochen. Es jedoch von dieser packenden Stimme vorgelesen zu bekommen, war etwas ganz anders.

Ob ich Jonah Colley eine zweite Chance gebe, liegt vermutlich an der Verfügbarkeit von Johannes Steck. Genug Potential hätte Jonah auf jeden Fall. Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

 

Verlag: Argon Verlag

erschienen: 2021

Spieldauer: 11 Stunden und 11 Minuten

ASIN: B096BNFT1Y

Rezension

Rezension // Jojo Moyes – Wie ein Leuchten in tiefer Nacht

„Wie ein Leuchten in tiefer Nacht“ – ein neuer Roman von Jojo Moyes, der ordentlich beworben wird. Ich war gespannt, denn ich las, dass die Autorin sich aufgrund von Überarbeitung in eine kleine Hütte in den Bergen Kentuckys zurückgezogen und dieses Buch geschrieben hat. Das Reiten bei der Recherche habe ihr sehr viel Spaß gemacht und man merkt bereits den ersten Seiten an, dass dieses Buch für sie heilsam und bedeutend war. Doch nun zum Inhalt:

1937 wird von der amerikanischen Präsidentengattin Eleanor Roosevelt das WPA Packhorse Library Programm ins Leben gerufen. Frauen sollen auf Pferden entlegen wohnenden Familien Bücher bringen. Für die Frauen, die sich der mobilen Bibliothek anschließen, ist dies eine besondere Herausforderung. Denn die wilde Natur und deren Bewohner dulden bisher keine selbstbewussten eigenständigen Frauen, die sich anhand von Büchern bilden.

Die Autorin hat eigenwillige und sehr unterschiedliche Frauen kreiert. Wir haben zum einen Alice, die als Engländerin unglücklich verheiratet und weit weg von ihrer Heimat ist. Für sie ist die Packhorse Library eine Möglichkeit dem tristen Haus zu entfliehen. Sie findet Freunde, die ihr beistehen. Da wäre unter anderem Margery, eine Frau, die sich nicht beugt und ohne Trauschein mit Sven zusammen lebt. Diese vereint die Frauen und sorgt auch für den Zusammenhalt. Isabelle, genannt Izzy, ist aufgrund von Kinderlähmung körperlich eingeschränkt, wächst aber aufgrund der Aufgabe über sich hinaus. Die schwarze Sophia, dürfte eigentlich nicht in der Bibliothek arbeiten, da diese ausschließlich für Weiße ist, hat aber eine unverzichtbare Vorerfahrung.

Das Buch zeigt anschaulich, wie Verbreitung von Bildung dafür sorgen kann, dass man nicht alles hinnehmen muss, dass man sich seine Träume erfüllen kann und dass die Ausbeutung durch die Industrialisierung erste Gegner durch Gewerkschaften und Organisationen bekommt. Frauen gehören entgegen den männlichen Vorurteilen nicht nur an den Herd, sondern dürfen rebellisch ihre eigenen Wünsche äußern. Was ein kleines blaues Buch damit zu tun hat, müsst ihr unbedingt selber lesen.

Der Schreibstil Autorin war ernster als bei dem Buch „Ein ganzes halbes Jahr“, da wir hier keine humorvolle Lou vorfinden. Allerdings passt es zu der Autorin, da ich diese ernsten, fast melancholischen Seiten, auch schon bei dem Buch „Nächte, in denen Sturm aufzieht“ festgestellt habe. Die Kapitel werden mit Zitaten aus bekannten Büchern dieser Zeit eingeleitet zum Beispiel „Vom Winde verweht“, „Jenseits von Afrika“, „Black Beauty“, „Betty und ihre Schwestern“ aber auch „A Journal for the American Farmer“ und „Harlan Miners Speak“ werden zitiert und im Anhang als Quelle zitiert.

Es ist ein gelungenes Buch über die Entwicklung der Frau, über die Freundschaft und über die Macht des Lesens, dem man die Liebe zum Pferd und der Landschaft anmerkt.

Mich hat dieses Buch an die Serien „Unsere kleine Farm“, „Doktor Quinn“ und „Anne auf Green Gabels“ erinnert, obwohl dies zeitlich nicht ganz passt. Ich vergebe daher volle Punktzahl für dieses wundervolle Buch mit starken Protagonisten.

 

Verlag: Wunderlich

erschienen: 2019

Seiten: 544

ISBN: 978-3805200295

Rezension

Rezension // Ursula Poznanski und Arno Strobel – Invisible (Salomon & Buchholz #2)

© Sonja Kochmann

 

Daniel Buchholz und Nina Salomon ermitteln wieder! Nach “Anonym” geht das Duo wieder an den Start.

Denn Ursula Poznanski und Arno Strobel haben ihre aus einer Weinlaune entstandene Zusammenarbeit wieder erfolgreich fortgeführt.

Besonders die abwechselnde Sichtweise beim Erzählstil zwischen den beiden Ermittlern bringt in die Handlung eine erfrischende Würze. Dies wird durch die Eigenheiten der Hauptprotagonisten verschiedenen Geschlechts mit einem Hang zur Unordnung bzw. Penibilität unterstützt.

Und die beiden haben ordentlich zu tun: Denn es wird gemordet. Die Mörder: leicht zu finden. Doch warum? Die Wut und der Hass unerklärlich tief. Wer wird der nächste Mörder?
Auch im Team gibt es auf einmal unerklärliche Spannung; die ein neuer Kollege nur noch verstärkt.

Es stellt sich die Frage:

Was braucht es, um einen Mörder zu erschaffen?

Anfänglich kam ich mir trotz des gelungenen Schreibstils bei der der Vielfalt der Namen und der Handlung etwas verloren vor. Doch dies sollte vermutlich einfach so sein. Denn wo wäre der Thrillereffekt, wenn gleich am Anfang alles klar und eindeutig wäre? Schließlich stehen Daniel Buchholz und Nina Salomon vor dem gleichen Problem.

Das Buch hat Bezug zu aktuellen Themen (Achtung: neutraler Mini-Spoiler: Psychometrie, Big Data, Cambridge und German Wings) und ich war erstaunt und auch erschrocken über die gezogenen Rückschlüsse und möglichen (!?) Missbrauch.

Mehr verrate ich nun wirklich nicht. 8 von 10 Punkten aufgrund der unübersichtlichen Täter/Opferkonstellationen.

Verlag: Wunderlich
erschienen: 2018
Seiten: 368
ISBN: 978-3805200158