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Rechtsmedizin

Rezension

Rezension // Michael Tsokos – Kaltes Land: Ein Fall für Sabine Yao

Wie bereits berichtet, hat Knaur TB ein paar eiskalte Kurz-Thriller herausgebracht. Für kurze Abende und heftige Nächte, denn hat man einmal angefangen, will man doch wissen, wie es ausgeht.

Nach Ursula Poznanski habe ich nun zu Michael Tsokos gegriffen, da er auch zu meinen Lieblingsautoren gehört. Ich war gespannt, wie er eine Kurzgeschichte von 112 Seiten umsetzt:

Sabine Yao ist in der Berliner Rechtsmedizin in der Spezialeinheit „Extremdelikte“  Rechtsmedizinerin an der Seite des uns bekannten Professor Paul Herzfeld. Als ihre Tante in Kiel eines unnatürlichen Todes verstirbt, eilt sie nach einigen Telefonaten nach Kiel, um der Sache nachzugehen.

Sabine Yao ist eine sympathische junge Frau, deren „Background“ recht vielversprechend ist (vielleicht haben wir ja noch einmal in den Paul Herzfeld Büchern das Glück, ihr noch mal zu begegnen). Als ihr unbürokratisch Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft gewährt wird, stößt sie auf einige Ungereimtheiten. Da die Sektion noch nicht erfolgt ist, setzt sie alle Mittel ein, um dabei zu sein.

Michael Tsokos thematisiert in dieser Kurzgeschichte geschickt einen Teil seiner alltäglichen Sektionsarbeit. Wir erfahren von „differenzialdiagnostischen Möglichkeiten“ (aha), der Bedeutsamkeit der Auffindesituation (leuchtet ein) und den Gesetzmäßigkeiten des körperlichen Verfalls (gut zu wissen). Die Formulierungen und das Näherbringen des Fachjargons fand ich hochinteressant und spannend.

Die professionelle Objektivität auf die der Autor ja auch in seinen Online-Beiträgen stets wert legt und es immer wieder betont, hat sich hier auf seine Protagonistin abgefärbt. Obwohl sie persönlich betroffen ist und ein bisschen in die  Ermittlungen eingreift bzw. eigentlich schiebt sie die Geschehnisse nur mit dem richtigen Ermittlungsansatz an (wollen wir mal nicht so kleinlich sein), lässt sie sich von ihrem Fachwissen und nicht von Mutmaßungen über den möglichen Tod der Tante leiten. Dabei kommt sie einem viel größerem Verbrechen auf die Spur. Ich vergebe volle Punktzahl für dieses Stückchen aus den Sektionssaal (tschuldigung – DER musste sein).

 

Verlag: Knaur TB

erschienen: 2021

Seiten: 112

ISBN: 978-3426527658

Rezension

Rezension // Michael Tsokos – Abgefackelt (Paul Herzfeld #2)

Paul Herzfeld ist immer noch dabei, die Geschehnisse aus Band 1 „Abgeschlagen“ zu verarbeiten. Er wird daher vorübergehend von seinem Chef als Vertretung für den kürzlich verstorbenen Rechtsmediziner von Kiel nach Itzehoe versetzt.

Doch Herzfeld stößt auf eine verschworene Gemeinschaft und einige Ungereimtheiten. Auch starb der Rechtsmediziner vor Ort keines natürlichen Todes, sondern ging ausgerechnet mit dem Klinikarchiv in Flammen auf. Je weiter er nachforscht, desto unbeliebter macht er sich in seinem Umfeld. Bald erkennt er, das Leben vieler steht auf dem Spiel und bei seinen Recherchen riskiert er schließlich sein eigenes, denn eine Killerin mit dem Hang zum Feuer hat seine Schnüffeleien entdeckt….

Der Schreibstil von Michael Tsokos entspricht seinen eigenen Erwartungen (vgl. Nachwort): er holt den Leser ab und nimmt ihn mit. Hierbei wird er mit Situationen konfrontiert in die er niemals geraten möchte. Ja, in solche Situationen, in denen ich mich mit Wasserleichen und Verletzungen an der Hutkrempenlinie beschäftigen muss, möchte ich niemals geraten. Aber, Michale Tsokos verpackt das Ganze so spannend! Er holt nicht ab, nein, er reißt mit! Nicht nur den Leser, sondern auch seinen armen Protagonisten, der da in einer eingeschworenen Gemeinschaft auf dem Land in eine Verschwörung hineinstolpert.

Obwohl er noch ordentlich gezeichnet ist, reißt er sich zusammen und versucht, den Toten durch Aufklärung Gehör zu verschaffen. Er lebt für seinen Job, obwohl er dadurch erneut Probleme bekommt, Privatleben vom beruflichen Alltag zu trennen. Ein sehr menschliches Verhalten, das ich sehr sympathisch fand und den Rechtsmediziner auf kein „Superheldenpodest“ hebt.

Er eckt an und gerät auch selbst mitten hinein. Welche Geheimnisse verbirgt Itzehoe? Und was ist mit Volker Schneider? Daher vergebe ich volle Punktzahl und mein Tipp: unbedingt lesen!

 

Verlag: Knaur TB

erschienen: 2020

Seiten: 352

ISBN: 978-3426524404

Rezension

Rezension // Michael Tsokos – Abgeschlagen (Paul Herzfeld #1)

Rechtsmediziner Paul Herzfeld hat einen echt harten Tag hinter sich, denn sein karriereorientierter Vorgesetzter Prof. Schneider hat ihn unverhältnismäßig bei einer Autopsie vor anderen Teilnehmern zusammengestaucht. Eine unangenehme Person, die ihn wohl leider noch einige Berufsjahre begleiten wird. Als mehrere Tote zerstückelt auf den Obduktionstisch kommen, setzt sich Professor Schneider medienwirksam in Szene und legt sich bei der Tatwaffe schnell auf eine Machete fest.

Als der Hausmeister des Instituts Paul Herzfeld beiseite nimmt und ihm erklärt, die Tatwaffe sei nicht unbekannt, überschlagen sich die Ereignisse …

Ich habe dieses Buch bereits vor Beginn des Lock Downs angefangen zu lesen, da ich damals den guten Vorsatz hatte, gleich im Anschluss Band 2 „Abgefackelt“ zu lesen, der gerade frisch erschienen war. Doch der Schreibstil von Michael Tsokos war damals aufgrund der angespannten Situation nichts für mein schwaches Nervenkostüm, so dass ich das Buch tatsächlich beiseitegelegt habe. Nun etliche Liebesromane später, nahm ich es zur Hand und las es an zwei Abenden mit Nachtschicht durch. Aufgrund der eigenen Tätigkeit des Autors als Rechtsmediziners ist der Alltag des Protagonisten Paul Herzfeld sehr bildlich und anekdotenreich geschildert. Wem also Schnittwunden im Unterhautfettgewebe, Insektenfraßdefekte oder autoerotische Spiele im Zusammenhang mit Todesfällen zu viel sind, der sollte passen. Ich fand es nach Wiedererlangen der richtigen Lesestimmung hochinteressant und fesselnd.

Der arme Paul Herzfeld wird ordentlich gescheucht und sein Gegenspieler befindet sich auf demselben Wissensstand. Es zeigt sich, dass ein alter Hausmeister mit einem Elefantengedächnis besser ist, als ein digitales Archiv und die Geschichten hinter den Nummern häufig mehr beinhalten.

Besonders gelungen fand ich auch die Begegnung mit dem schrulligen Toxikologen. So einen Spezialisten mit eigenartigen Ansichten braucht meines Erachtens jeder Thriller/Krimi.

Wem Paul Herzfeld bekannt vorkommt: Das Buch spielt ca. 10 Jahre vor „Abgeschnitten“, dass Michael Tsokos zusammen mit Sebastian Fitzek geschrieben hat. Ich vergebe aufgrund dieses spannenden Thrillers mit professionellen Einblick in die Rechtsmedizin volle Punktzahl, da meine Einstiegsschwierigkeiten lediglich mit meiner persönlichen Lesestimmung zusammenhingen. Während ich diese Rezension verfasse, befinde ich mich übrigens lesetechnisch bereits im Folgeband.

 

 

Verlag: Knaur TB

erschienen: 2019

Seiten: 416

ISBN: 978-3426524381