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Rechtsmedizin

Rezension

Rezension // Michael Tsokos – Abgetrennt (Paul Herzfeld #3)

In einem privatgeführten medizinischen Lehrinstitut beschlagnahmt das Gesundheitsamt Leichenteile. Mangels einwandfreier Papiere muss davon ausgegangen werden, dass diese Leichenteile illegal beschafft wurden. Als Paul Herzfeld das Tattoo auf einem der Arme wiedererkennt, kommt der Verdacht auf, dass jemand aus seinem Institut Leichenteile verkauft. Bei seinen Ermittlungen gerät er (mal wieder) in Gefahr.

Paul Herzfeld hat es nicht leicht. Gerade einmal 6 Monate sind seit „Abgefackelt“ vergangen und Michael Tsokos schickt seinen fiktiven Kollegen schon wieder ins Gefecht.

Der Schreibstil ist gewohnt schonungslos. Wer also schwache Nerven oder sogar einen schwachen Magen hat, der sollte von diesen Schilderungen Abstand nehmen. Das Buch startet gleich mit dem Lieblingswort des Autors: Unterhautfettgewebe und der Leser ist recht schnell in der Thematik Tod und Verwesung. Durch die nüchternen Schilderungen und die spannende Handlung hatte ich (wie auch bei den Teilen davor) recht schnell eine ziemlich genaue Vorstellung von diversen Teilen des menschlichen Körpers und Gerüchen. Von olfaktorischen Sensationen zu sprechen…naja…das ist wohl der eigene Humor von medizinischen Fachpersonal, das mir hier zu Hause auch ab und an entgegenschlägt.

Aber der arme Paul Herzfeld hat es nicht nur mit einem Bösewicht zu tun, nein, sein Feind Volker Schneider taucht ebenfalls aus der Versenkung wieder auf und so muss Paul Herzfeld schnell erkennen, dass es ihn diesmal tatsächlich sein eigenes Leben kosten könnte.

Das privatgeführten medizinischen Lehrinstitut trägt den klangvollen Namen Epimetheus Institut. Klingt griechisch, ist es auch. Noch vor der im Buch gelieferten Erklärung habe ich gegoogelt und der Name ist für dieses Buch durchaus Programm.

Michael Tsokos schafft es auch mit diesem Buch, seine Erfahrungen als Rechtsmedizinier mit einer Prise künstlerischen Freiheit (Wieviel das wohl ist?) zu einem spannenden Pageturner zu verknüpfen. Es hat mich ordentlich wachgehalten und daher vergebe ich volle Punktzahl!

 

 

Verlag: Knaur TB

erschienen: 2021

Seiten: 336

ISBN: 978-3426524428

Rezension

Rezension // A. K. Turner – Tote schweigen nie (Raven & Flyte ermitteln #1) – Hörbuch

Cassie Raven ist Sektionsassistentin bei Londoner Rechtsmedizin. Sie ist Vorurteile und Ablehnung gewohnt, denn sie selbst erfüllt mit ihrem Gothik-Look einige Klischees. Doch sie selbst begegnet dem Tod und seinen Toten vorurteilsfrei. Sie sieht und hört auch genau hin. Denn jeder hat etwas mitzuteilen…auf die ein oder andere Art.

Die Hörbuchsprecherin Sandra Voss hat mir gut gefallen. Ihre Stimme war angenehm zu hören, obwohl das Hörbuch mit 12 Stunden und 42 Minuten nicht gerade kurz ist. Die Stimme hat auch zu der Protagonistin Cassie Raven und der Ermittlerin DS Phyllida Flyte gepasst. Denn Cassie trifft auf diese Polizistin als sie vermutet, dass ihre ehemalige Lehrerin Mrs. Evans ermordet wurde.

Cassies Tätigkeit in der Pathologie ist erstaunlich detailreich dargestellt und nichts für schwache Nerven. Da ich Fan von Michael Tsokos und Co. bin, fand ich es hier auch mal sehr erfrischend von einer Sektionsassistentin zu lesen. Eine junge Frau, die viele interessante Merkmale vereint: mit polnischen Wurzeln und einen Hang zum Morbiden, erfüllt sie gewissenhaft und empathisch ihren Job. Doch wo ist der Unterschied zum normalen Krimi/Thriller? Cassie hat nicht nur ein gutes Auge, nein, sie nimmt auch ein unerklärliches Sirren bei den Toten war und bekommt dadurch Hinweise auf die Todesursache. Ein bisschen Fantasy, aber durchaus bedeutsam und abwechslungsreich.

Phyllida Flyte ist da schon etwas skeptischer mit ihrem menschlichen Umfeld. Dennoch ermittelt sie gewissenhaft in den ihr zugeteilten Fällen, obwohl ihr ihre Vergangenheit zu schaffen macht. Was genau das ist, erfährt der Leser nach und nach. Beide Protagonistinnen misstrauen sich anfänglich, doch es entwickelt sich zögerlich eine Zusammenarbeit, für die ich mir tatsächlich weitere Bände wünschen würde. (Ein zweiter Teil ist wohl auch derzeit in Arbeit.)

Es werden einige Tote zu Grabe getragen, doch der mögliche Mord an Mrs. Evans bestreitet die Haupthandlung und ihr dürft gespannt bis zum Ende sein, was für Dreh- und Angelpunkte die Autorin hier bereithält.

Ich vergebe 9 von 10 Punkten für diesen Ausflug in die Rechtsmedizin mit besonderem Flair. Sollte es tatsächlich eine Fortsetzung mit deutscher Übersetzung geben, bin ich etwas unschlüssig, ob ich es lesen oder aber wieder vorgelesen bekommen will. Bei einer Hörbuchfortsetzung sollte aber auf jeden Fall Sandra Voss wieder zum Mikrofon greifen.

 

 

Verlag: steinbach sprechende bücher

erschienen: 2021

Spieldauer: 12 Stunden, 42 Minuten

Sprecher: Sandra Voss

ASIN: 978-3869746258

Rezension

Rezension // Michael Tsokos – Kaltes Land: Ein Fall für Sabine Yao

Wie bereits berichtet, hat Knaur TB ein paar eiskalte Kurz-Thriller herausgebracht. Für kurze Abende und heftige Nächte, denn hat man einmal angefangen, will man doch wissen, wie es ausgeht.

Nach Ursula Poznanski habe ich nun zu Michael Tsokos gegriffen, da er auch zu meinen Lieblingsautoren gehört. Ich war gespannt, wie er eine Kurzgeschichte von 112 Seiten umsetzt:

Sabine Yao ist in der Berliner Rechtsmedizin in der Spezialeinheit „Extremdelikte“  Rechtsmedizinerin an der Seite des uns bekannten Professor Paul Herzfeld. Als ihre Tante in Kiel eines unnatürlichen Todes verstirbt, eilt sie nach einigen Telefonaten nach Kiel, um der Sache nachzugehen.

Sabine Yao ist eine sympathische junge Frau, deren „Background“ recht vielversprechend ist (vielleicht haben wir ja noch einmal in den Paul Herzfeld Büchern das Glück, ihr noch mal zu begegnen). Als ihr unbürokratisch Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft gewährt wird, stößt sie auf einige Ungereimtheiten. Da die Sektion noch nicht erfolgt ist, setzt sie alle Mittel ein, um dabei zu sein.

Michael Tsokos thematisiert in dieser Kurzgeschichte geschickt einen Teil seiner alltäglichen Sektionsarbeit. Wir erfahren von „differenzialdiagnostischen Möglichkeiten“ (aha), der Bedeutsamkeit der Auffindesituation (leuchtet ein) und den Gesetzmäßigkeiten des körperlichen Verfalls (gut zu wissen). Die Formulierungen und das Näherbringen des Fachjargons fand ich hochinteressant und spannend.

Die professionelle Objektivität auf die der Autor ja auch in seinen Online-Beiträgen stets wert legt und es immer wieder betont, hat sich hier auf seine Protagonistin abgefärbt. Obwohl sie persönlich betroffen ist und ein bisschen in die  Ermittlungen eingreift bzw. eigentlich schiebt sie die Geschehnisse nur mit dem richtigen Ermittlungsansatz an (wollen wir mal nicht so kleinlich sein), lässt sie sich von ihrem Fachwissen und nicht von Mutmaßungen über den möglichen Tod der Tante leiten. Dabei kommt sie einem viel größerem Verbrechen auf die Spur. Ich vergebe volle Punktzahl für dieses Stückchen aus den Sektionssaal (tschuldigung – DER musste sein).

 

Verlag: Knaur TB

erschienen: 2021

Seiten: 112

ISBN: 978-3426527658