Meisterlich oder „Der Meister kann es einfach!“ Das lasse ich für einen Moment so stehen.
Ich bin schon lange Fan des Autors. Gerade die Geschichten, die zum Teil in unserem Hier und Jetzt spielen, garniert mit einer Prise Fantasy sind der Hammer. Bei der Verlagsvorstellung war mir klar: Dark Fantasy bzw. Horror vom Meister muss ich lesen:
Doreen und Marina Markert, ein Mutter-Tochter-Gespann mit diversen Tiefen im Leben, erlangen durch eine glückliche Fügung bei einer Zwangsversteigerung Eigentum an einer alten Villa im Leipziger Stadtteil Gohlis. Doch ob diese Fügung so glücklich war? Nach einigen positiven Wendungen im Leben der Beiden häufen sich seltsame Ereignisse und einige Personen verschwinden auf rätselhafte Weise…
Gleichzeitig recherchiert Ethan im fernen London, warum seine Mutter auf bestialische Weise sterben musste und findet Hinweise zu einer Verbindung, die Jahrzehnte zurückliegt.
Natürlich war ich bereits nach einigen Seiten gebannt von der Geschichte. Der „Poetenweg 13a“ wurde auch von mir gleich in Google Maps eingegeben, denn Markus Heitz nimmt gerne Örtlichkeiten und Straßenzüge in seine Geschichten auf, die es auch wirklich gibt. Die „13a“ gibt es zwar nicht, aber eine „13“ und wenn man sich diese nun etwas weniger schön renoviert vorstellt….
Die Stimmung im Buch ist unheilvoll und man merkt, hier wird es dämonisch. Das Haus hat ein Eigenleben. Doch warum?
Bei einigen Szenen musste ich doch glatt an meine alte Hörspielkassette (ja, Kassette – ich bin schon soooooooo alt) „Der Untergang des Hauses Usher“ von Edgar Allan Poe denken.
Wir haben hier zum einen die Markert-Frauen, wie die Nachbarschaft die beiden Frauen nennt; sie hoffen durch ihr neues Refugium auf eine positive Wendung im Leben und hinterfragen anfänglich die Zufälle gar nicht. Sie sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um die Bedrohungen außerhalb und innerhalb des Hauses zu erkennen. Man fiebert regelrecht mit. Teilweise werden die beschriebenen Szenen regelrecht bildhaft.
Zum anderen ist da ein mysteriöses Haus, das mit dem Schicksal der jeweiligen Bewohner verknüpft zu sein scheint.
Bei Ethan laufen die Recherchen von Anfang an in eine Richtung: Er weiß, dass bei dem Tod seiner Mutter jemand seine Hände im Spiel gehabt haben muss. Wenn es kein „normaler Mörder“ gewesen sein kann, dann…und so entdeckt er nach und nach ein Puzzleteil, die ihn in der Summe direkt nach Leipzig führen.
Das Buch ist nichts für Leser mit schwachen Nerven. (Besonders nicht vor dem Schlafen gehen, denn man muss wissen, wie es weitergeht.)
Die unheimlichen Vorgänge, das Verhalten der Protagonisten und die schauerhafte Atmosphäre des Hauses sind einfach fesselnd. Der inhaltliche Wechsel zwischen den Markert-Frauen und Ethan sorgt für Tempo bei den Ereignissen.
Wer eine tickende Wanduhr zu Hause hat, wird künftig auf das Ticken vielleicht ein wenig anders reagieren (Vielleicht wäre „Hells Bells“ von ACDC der passende Soundtrack für einen Buchtrailer.)
Ich habe das Buch, Gott sei Dank, an einem Wochenende angefangen und habe es an zwei Tagen ausgelesen. Ich vergebe volle Punktzahl und muss sagen, dass dieses Buch Anwärter auf mein Buch des Jahres ist.
Verlag: Knaur
erschienen: 2026
Seiten: 336
ISBN: 978-3426568330

