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Rezension

Rezension // Maja Lunde – Als die Welt stehen blieb

Als ich dieses Buch aufschlug, habe ich etwas anderes erwartet. Warum? Maja Lunde begeistert mit ihren Büchern des Klimaquartetts bereits seit einiger Zeit auf packende Art und Weise die Leser.

Dass die weltweiten Geschehnisse um den Coronavirus die Autorin beim Schreiben ihres neusten Buches eingeholt haben, ist aufgrund ihrer Online-Präsenz kein Geheimnis. Ich meine sogar mal gelesen zu haben, dass der vierte Band des Klimaquartetts genau dieses Szenario enthalten sollte: eine weltweite Pandemie.

Die Autorin wurde von der Realität jedoch derart überrascht, dass sie dieses Buch (derzeit?) nicht schreiben kann. Es erschien (stattdessen?) dieses dünne Buch. Es ist ein Tagebuch ungefähr beginnend ab dem Lock Down. Es ist ein sehr persönliches Buch, da es Gedankengänge, Ängste und Frust der Autorin offenbart. Sie ist überfordert mit der Situation und sieht keinen Ausweg.

Ganz ehrlich? Wenn die Autorin eine Schreibblockade aufgrund des Lock Downs oder sich das Thema schlichtweg überholt hat, sollte man es lassen.

Wie viele unzählige Familien sind in der gleichen Situation? Wir wissen, dass alle Länder anders mit der Situation umgehen, dennoch wird sich jeder beim Lesen dieser Zeilen wiederfinden. Denn die Schnittpunkte, Situationen sind beruhigend und auch erschreckend identisch. Dies war auch der Punkt an dem ich dachte, okay, es gibt einem beruhigende Einblicke. Beruhigend? Ja, weil es manchmal auch in unserer Familie Frust gibt oder sich der Fokus verschiebt.

Home Schooling frustet Kinder und Eltern, Hamsterkäufe u.a. von Toilettenpapier scheint es auch in Norwegen gegeben zu haben, das TV Programm wird nach der Laune ausgesucht, Lagerkoller sind vorprogrammiert und Nachrichten fesseln und deprimieren.

Ist dieses Buch ein würdiger Ersatz für einen Roman der Autorin? Nein. Habe ich es bereut, es gelesen zu haben? Schwierige Frage. Vermutlich auch nein, denn ich fand es interessant und auch beruhigend. Ich war aber auch enttäuscht, dass die Autorin meint, diese melancholische Stimmung an ihre Leser stattdessen weitergeben zu müssen und vergebe daher 5 von 10 Punkten.

 

Verlag: btb Verlag

erschienen: 2020

Seiten: 224

ISBN: 978-3442770977

Rezension

Rezension // Maja Lunde – Die Geschichte des Wassers (Klima Quartett #2)

Habt ihr schon einmal Angst vor einem Buch gehabt? Mit diesem Buch erging es mir so. Obwohl ich Band 1 des Klima Quartetts „Die Geschichte der Bienen“ total bewegend und toll fand, hatte ich Unbehagen vor der Wahrheit um unser Wasser.

Denn durch Maja Lundes mitreißenden Schreibstil erfährt man vielleicht mehr, als man wahr haben möchte. Das Buch kam bereits Anfang des Jahres heraus, aber aufgrund der früh einsetzenden warmen Temperaturen und der Nachrichten hatte ich so eine Ahnung, dass dieses Buch einem tatsächlich schlaflose Nächte bereiten könnte.

Das Buch hat zwei Handlungsstränge:

Norwegen im Jahr 2017; die fast 70 jährige Umweltaktivistin Signe plant ein besonderes Zeichen zu setzen. Mit einem Boot macht sie sich auf nach Frankreich, um eine kostbare Fracht abzuliefern.

Frankreich im Jahr 2041; nach einer nun mehr 5 jährigen Dürre machen sich David und seine Tochter Luna auf zu einem Flüchtlingscamp. Sie hoffen dort auf ein Wiedersehen mit Anna und August. Denn diese sind bei der Flucht vor einem großen Feuer verloren gegangen. Um sich dort zu beschäftigen, streifen sie durch die Gegend und entdecken Signes Segelboot. Nichts ahnend, dass dieses Boot wichtig sein wird.

Beiden Handlungssträngen kann gut gefolgt werden. Der Leser lernt durch Rückblicke und Erinnerungen der Protagonisten, was bisher geschah.

Signe liebt die Natur und besonders die Umgebung um den heimatlichen Gletscher. Diese Liebe lernte sie von ihrem Vater, der als Biologe bei Beobachtungen um eine Süßwassermuschel in Signes Heimatdorf strandete, als er ihre Mutter kennenlernt. Diese lebt jedoch für ihr Hotel und treibt den Ausbau der Umgebung voran.

Dieser Ausbau zerstört Signes Familie und ihre Liebe zu Magnus, denn sie ist bereit zu schützen, was für die Menschen die Zukunft bedeutet.

David dagegen ist bereits von den Mängeln in der Gesellschaft geprägt. Durch das mangelnde Trinkwasser ist alles vorgegeben: Werdegang, Rationierung und medizinische Versorgung. Als dies weiter zusammenbricht, müssen er und seine Familie fliehen. Doch es schaffen nicht alle ins Flüchtlingscamp.

Die Fluchtszenarien und die Unterscheidung in Wasserländer und trockene Länder zeigen auf, dass politische Bündnisse, wenn es ums Überleben geht, recht instabil sind.

Das eigene Überleben nach dem Motto „Jeder ist sich selbst am nächsten“ steht im Vordergrund. Dennoch lernen David und Luna durch Nächstenliebe Francis und Marguerite kennen.

Es wird die Frage aufgegriffen: wie kann jemand Wasser besitzen? Das kommt Euch bekannt vor? Natürlich. Das Buch stimmt einen angesichts der derzeitigen Klimaerwärmung und der Beeinflussung der Politik durch Konzerne nachdenklich.

Ist es schon zu spät? Das Ende ist wunderschön und traurig. Kann Regen Hoffnung sein und was für eine Fracht hatte Signe? Ich vergebe volle Punktzahl und bin gespannt, um was es im dritten Teil des Klima Quartetts gehen wird.

 

Verlag: btb

erschienen: 2018

Seiten: 480

ISBN: 978-3442757749

Rezension

Rezension // Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen (Klima Quartett #1)

Die Geschichte der Bienen ist genau wie die Natur an sich ein vielseitiges Buch. Um die wichtige Rolle der Bienen in der Natur im Zusammenhang mit dem Fortschritt entsprechend aufzeigen zu können, spielt das Buch in drei Zeitsträngen mit drei Hauptpersonen:

1. Die junge chinesische Arbeiterin Tao im Bezirk 242 Shirong, Sichuan im Jahr 2098 muss aufgrund des massiven Bienen sterbens in der Vergangenheit jeden Tag per Hand Blüten bestäuben, um überhaupt die Nahrungsproduktion aufrecht erhalten zu können.
Als ihr kleiner Sohn bei einem Ausflug verunglückt, zeigt sich, dass die Natur unberechenbar für den Menschen geworden ist.

2. Der Naturwissenschaftler William aus Maryville, Hertfordshire, England im Jahr 1852 scheint aus akademischer Sicht gescheitert. Er konnte bislang keine wissenschaftliche Ausarbeitung erstellen, die seinen Lehrmeister stolz machen würde. Eine Schar voll Kinder und ein Saatguthandel hindern ihn. Doch eines Tages hat er die Idee einen andersartigen Bienenstock zu bauen.

3. Der Imker George aus Autumn Hill, Ohio USA im Jahr 2007 muss um seinen Hof bangen. Kosten- /Nutzenrechnung erscheint wichtiger als eine artgerechte Haltung und Züchtung der Bienen. Eines Tages kehren seine Bienen nicht mehr zurück…

Obwohl 528 Seiten nicht wenig sind und der Perspektivwechsel durchaus etwas Konzentration abverlangen, konnte ich das Buch nicht weglegen und habe es nach kurzer Zeit durch gehabt.

Die drei Hauptprotagonisten und die kleinen eigentlichen Helden, die Bienen, haben mich durch den fesselnden Schreibstil von Maja Lunde in ihren Bann gezogen und ich MUSSTE wissen, was die Autorin ihren Lesern mit auf den Weg gibt.

Bei der Lesung erklärte die Autorin ja, dass ihre Muttergefühle durchaus auf die einzelnen Textpassagen Einfluss genommen haben und in manchen Szenen fast überhand nahmen. Aber Kinder seien wichtig und daher habe sie die Beziehung zwischen den Kindern zu ihren Eltern besonders herausgearbeitet. Die Kleinen sind die “heroes of the story” und dies kann ich nur bestätigen. Sie stellen die Zukunft dar und prägen diese und auch ein bisschen die Eltern, wenn diese es zulassen.

Volle Punktzahl mit Blütenpollen für diese besondere Buch, in dem Naturwissenschaft, Spannung, Familie, Gefühle und die Zukunft ineinander greifen! Ich freue mich bereits jetzt auf das neue Buch “Die Geschichte des Wassers”, das Band 2 im Rahmen des Klimaquartetts von Maja Lunde sein wird.

 

Den Bericht zur Lesung findet Ihr auch hier auf dieser Seite.

Verlag: btb Verlag
erschienen: 2017
Seiten: 528
ISBN: 978-3442756841

© Sonja Kochmann